Existenzangst

Räumungsklage gegen unbeugsamen Ladenbesitzer

Zu alt, zu müde und nicht genug Geld für den Neuanfang: Hassan Raza Qadri will sein Mode-Geschäft nicht aufgeben. Jetzt soll er zahlen.

Hassan Raza Qadri (60): "Dafür, ein neues Geschäft zu gründen, fehle mir die Kraft."

Hassan Raza Qadri (60): "Dafür, ein neues Geschäft zu gründen, fehle mir die Kraft."

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Hassan Raza Qadri weiß nicht, wie es jetzt weiter gehen soll. Im Streit um sein Geschäft am Kottbusser Damm hat ihm sein Vermieter jetzt geschrieben, dass eine Räumungsklage eingereicht sei. Zudem soll er eine Nutzungsgeldentschädigung zahlen, die er sich aber nicht leisten kann. Der 60-Jährige ist hin- und hergerissen: Soll er bis zur mündlichen Verhandlung der Klage am 12. Februar im Geschäft bleiben oder schnell ausziehen, bevor sein Schuldenberg wächst?

Mitte 2018 wurde dem Laden "Kamil Mode" gekündigt. Laut Qadri stellte der Vermieter keine Forderungen, wollte keine höhere Miete oder bauliche Veränderungen. Nur raus sollte er. Nach 16 Jahren.

Resolution zur Rettung

Bürgerinitiativen stärkten Qadri den Rücken, Landes- und Bundes-Politiker sagten ihm Unterstützung zu. Im Dezember beschloss die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg eine Resolution zur Rettung von Qadris Geschäft. Darin wurde der Eigentümer des Hauses nachdrücklich aufgefordert, sich mit Qadri in Verbindung zu setzen und eine Absprache über die Fortsetzung des Mietverhältnisses zu treffen. Vergeblich.

Inzwischen schaute mehrfach die Polizei im Laden vorbei. Die Beamten wollten dem Gerücht nachgehen, der Laden sei besetzt, so Qadri. Die Gelegenheit einer Stellungnahme nahm der Vermieter auf Anfrage der Berliner Morgenpost nicht an.

"Kamil Mode" aufzugeben, ist für den gebürtigen Pakistani mit deutschem Pass keine Option, sagt er. Momentan zahlt er 1200 Euro monatlich. Aktuelle Mieten in der Nähe seines Geschäft könne er sich nicht leisten, schon Maklergebühren überschritten sein Budget. Zudem habe er mit 60 Jahren nicht mehr die Kraft, sich etwas Neues aufzubauen. In den vergangenen Monaten hoffte er, dass der Vermieter ihm den Verbleib ermöglicht, gegebenenfalls bei höherer Miete, zumindest für einige Monate, bis große Teile seiner Ware verkauft sind.

Monatliche Nutzungsentschädigung

Nun fordert er dagegen schriftlich bis zur Übergabe der Räume eine monatliche Nutzungsentschädigung. Zu zahlen seien 3000 Euro sowie der Betriebs- und Heizkostenvorschuss von 86 Euro. Wie lange Qadri das durchhalten soll, berät er jetzt mit seinem Rechtsanwalt, mit seiner Frau und seinem Sohn. Dass er überhaupt eine Wahl hat, scheint immer unwahrscheinlicher.