Karl-Marx-Allee

Mieter bangen um ihre Zukunft - Bezirk will helfen

Rund 700 Wohnungen haben die Eigentümer gewechselt. Die Zeit läuft jetzt gegen die Betroffenen.

Friedrichshain-Kreuzberg. Im Fall der rund 700 vermieteten Wohnungen an der Karl-Marx-Allee, die verkauft wurden, will der Bezirk jetzt den Betroffenen zu Hilfe kommen. Es wird geprüft, ob ein sogenannter "treuhändischer Kauf" infrage kommt, teilte das Bezirksamt mit. Dazu sollen die Mieter wichtige Informationen zu ihren Wohnungen melden.

Hintergrund ist der Verkauf an das Unternehmen Deutsche Wohnen. Berlins größter privater Vermieter ist wegen hoher Mietforderungen berüchtigt. Die betroffenen Anwohner von der Karl-Marx-Allee fürchten daher, verdrängt zu werden. Zwar wurden sie per Notar informiert, dass sie ihre Wohnung kaufen können. Doch die Zeit drängt und ihr Spielraum, die nötige Summe zusammenzutragen, sind eingeschränkt. Laut Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) beträgt die Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts zwei Monate ab Zugang der Mitteilung. Und: Die Mieter können nur kaufen, wenn das Geld für den Kauf bereits vorhanden ist. Eine Kreditaufnahme bei einer Bank mit Sicherung im Grundbuch vor Eigentumsumschreibung sei durch die Verträge ausgeschlossen.

Die Mieter von 81 der Wohnung immerhin befinden sich in relativer Sicherheit: Ihr Bereich, der Block D-Süd liegt im Milieuschutzgebiet. Der Bezirk prüft dafür jetzt das Vorkaufsrecht, mit der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBM) als Käufer. Alternativ könnten die neuen Eigentümer des Blocks einer Abwendungsvereinbarung mit dem Bezirk zustimmen.

Die verbleibenden Mieter dagegen bangen um ihre Zukunft. Wie Schmidt am Montag erklärte, wird jetzt festgestellt, ob die Wohnungen der verbleibenden Blöcke C-Nord und -Süd sowie D-Nord etwa durch eine der städtischen Wohnbaugesellschaften möglich ist.

Dazu muss der Bezirk allerdings erst einmal heraus finden, um was für Immobilien es geht. Daher werden die Mieter nun aufgefordert, dem Amt die Höhe der derzeitigen Grundmiete, die Quadratmeterzahl und die Summe zu nennen, zu der sie laut Schreiben des Notars ihre Wohnungen kaufen könnten.

Der lokale Mieterbeirat sammelt die Daten. Ihm schicken die Mieter das Material entweder an mieterbeirat@mieterbeirat-kma.de oder liefern es persönlich ab. Im Café Sibylle an der Karl-Marx-Allee 72 können sie sich an Mitglieder der Mietervertretung wenden: am 21., 22. und 23. November zwischen 17 und 19 Uhr. Darüber hinaus kann man seine Informationen auch abholen lassen. Dazu ruft man am 21., 22. oder 23. November zwischen 17 und 21 Uhr unter Tel. 29 49 11 23 an, um seine Rückrufnummer zu hinterlassen. Inzwischen haben Mieter Protestplakate an ihren Häusern aufgehängt. Zudem wurde eine Petition gestartet.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.