Nachbarschaftsprojekt

Einhörner und Eisdielen: Wie Kinder das Kottbusser Tor malen

Kreuzberger Fünftklässler haben gemalt, wie sie sich das Kottbusser Tor vorstellen. Die Bilder sind jetzt an der Hochbahn zu sehen.

Kinder malen das Kottbusser Tor nach ihren Vorstellungen

Kinder malen das Kottbusser Tor nach ihren Vorstellungen

Foto: Wir sind der Kinder Kotti

Berlin. Das wäre doch mal etwas anderes: Einhörner grasen am Kottbusser Tor, es gibt ein Fußballstadion, in dem niemand Eintritt zahlt, und in der Mitte des Platzes sprudelt ein Brunnen, aus dem Bonbons geflogen kommen. So sehen gemalte Wünsche aus, wenn man Berliner Grundschüler fragt, wie sie sich jenen Platz vorstellen, der so wenig bietet, was Kinder brauchen, und doch ihren Alltag prägt. Aus einem Schulprojekt ist jetzt eine ganz unkonventionelle Ausstellung geworden: Die 16 Bilder der Schüler lassen sich derzeit als lange Transparente entlang der Hochbahn auf dem Platz erleben. „Wir sind der Kinder-Kotti“, lautet der selbstbewusste Titel.

Der Verein Kotti-Coop hat die Aktion erdacht. Die Gruppe ist Träger des Nachbarschafts- und Stadtraumprojektes „Wir sind der Kotti“. Im vergangenen Jahr hatte der Verein nicht zuletzt mit den 20 Transparenten von Augenpaaren der Mieter am Wohnblock „Neues Kreuzberger Zentrum“ von sich reden gemacht. Die Bilder bedeckten damals jeweils eine Balkonbrüstung. Nun sollten die jungen Anwohner im Mittelpunkt stehen. „Ich wurde immer von Leuten gefragt, die hier gewesen waren: ‚Wo sind die Kinder am Kotti?‘ “, sagt der Vereinsvorsitzende Alexander Kaltenborn.

Also nahm der Verein Kontakt mit der Jens-Nydahl-Schule auf, die sich um die Ecke an der Kohlfurter Straße befindet. Zwei Monate arbeitete man an der Seite einer Lehrerin mit den Schülern. Beim Brainstorming erzählten sie, dass sie der Müll stört, der Lärm, die gewalttätige Stimmung. „Wir gingen auch mal hin zum Kottbusser Tor“, sagt Kaltenborn. „Da trafen dann die Meinungen dieser Zehnjährigen aufeinander. Die einen sagten etwa über die Betrunkenen dort, die müssten weg. Andere sagten, die brauchen Hilfe.“ Ihre Wünsche malten die Schüler der 5b schließlich auf Papier. Der Verein sorgte dafür, dass die Bilder gesammelt auf Transparente gedruckt wurden. Mit handfester Unterstützung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden sie an den Bahnhofsseiten angebracht. „Es geht nicht nur darum, den Kotti ein bisschen schöner zu machen“, sagt Kaltenborn. „Das ist keine Imagekampagne, der Kotti wird nie ein Ponyhof sein. Vielmehr wollen wir Öffentlichkeit und Anwohnern zeigen: Hier wohnen, leben und arbeiten tolle Menschen.“

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