Bürgerengagement

Wahlen zum Parkrat im Görlitzer Park

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Einer der Bewerber für die Mitgliedschaft des Parkrats: Lorenz Rollhäuser war schon im Gründungsrat dabei

Einer der Bewerber für die Mitgliedschaft des Parkrats: Lorenz Rollhäuser war schon im Gründungsrat dabei

Foto: Görlitzer Parkrat via YouTube

Bis zum 27. September noch wird im umstrittenen Park "Görli" gewählt. Die Kandidaten präsentieren sich jetzt auf YouTube.

Bis Donnerstag, den 27. September finden die Wahlen zum Parkrat im Görlitzer Park statt. Und die Kandidaten, die man jetzt auf Youtube in kleinen Clips kennen lernen kann, sind so unterschiedlich und facettenreich wie der ganze Bezirk.

Bei einer Vorstellung der Arbeit des Gründungsrates im August hatten einige Interessenten schon signalisiert, dass ihnen die Teilnahme an der YouTube-Kampagne nicht recht behagen werde. 23 allerdings haben mitgemacht.

Tobias Bachmann etwa sagt in seinem 54 Sekunden langen Vorstellungs-Talk: "Der Görli ist für mich ein zweites Zuhause. Und wie es in einem Zuhause so ist: Da möchte man es schön haben und daran mitarbeiten und -entscheiden, dass es schön bleibt." Anna Bernegg aus dem angrenzenden Wrangelkiez erklärt, sie wolle sich mit ihrer Kandidatur den Entwicklungen im und am Park stärker stellen und auf diese Einfluss nehmen, "um mein eigenes Lebensumfeld aktiv mitzugestalten."

Es gibt aber auch jene, die explizit die Drogendealer aus dem Görlitzer Park vertreiben wollen. Kandidat Benjamin Schmid tritt mit der Forderung an: "Weg mit den Dealern, mehr Sicherheit und Wohlbefinden für Familien." Er befürwortet zudem die Einrichtung eines Standorts für die Polizei im Gelände.

Gründungsrat seit April 2017

Im April vergangenen Jahres war ein Gründungsrat gewählt worden. In der Parkrat-Satzung, unterzeichnet von Rat sowie Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und Baustadtrat Florian Schmidt (beide Grüne), wird das Mitbestimmungsrecht der Gewählten festgeschrieben. Die Ehrenamtlichen werden demnach zu allen wesentlichen Entscheidungen und Vorgängen im Görlitzer Park gehört - laut Satzung, jedenfalls. Er soll die Menschen am und im Park gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit vertreten.

So gab es etwa Bürgersprechstunden, bei denen der Rat Sorgen und Anliegen der Anwohner sammelte und sich über deren Erfahrungen bei den Feiern am 1. Mai in Park und Kiez informieren ließ. Der Rat hatte Kritik an der Nutzung des Parks für das 1.-Mai-Fest "MaiGörli" geübt. Man sah es als zu wenig auf Anwohner und Stadtteil ausgerichtet, zu sehr Rave, zu wenig politisch.

Beziehung zum Parkmanager "zum Teil etwas unerfreulich"

Aus dem Gründungsrat drang in der Vergangenheit zudem häufig der Vorwurf, Parkmanager Cengiz Demirci beziehe das Gremium nicht in Entscheidungen ein. Der türkischstämmige 45-Jährige, der aus der Jugend- und Sozialarbeit kam, trat im November vor zwei Jahren seinen Job an. Er sollte den Park, der durch Drogenhandel in Verruf geraten war, wieder attraktiver machen. Zuvor hatte er den Aufbau eines Parkrates angekündigt. Lorenz Rollhäuser, der sich im Gründungsrat des Görlitzer Park engagiert hatte, sagt im Rückblick: "Die Kommunikation mit dem Parkmanager gestaltete sich mitunter schwierig. Der Parkmanager sah den Gründungsrat nicht immer als etwas, mit dem man zusammen arbeitet." Das sei bedauerlich, da dieser "unsere Verbindung ins Bezirksamt" darstellte. "Wenn er aber diese Aufgabe nicht so wahrnimmt wie wir das erwarten, wird es kompliziert." Die Zusammenarbeit bezeichnet Rollhäuser als "zum Teil etwas unerfreulich".

Trotzdem: Demirci und die ihn unterstützenden vier Parkläufer hätten "für mehr Ruhe und Gelassenheit im Park gesorgt", sagt Florian Fleischmann vom Gründungsrat. Über die Grenzen des Bezirks ist der Görlitzer Park für die dort ungestört verkaufenden Dealer bekannt. Zu jeder Tageszeit werden Passanten von den zumeist abgelehnten Asylbewerbern angesprochen. Fleischmann spricht für viele im Rat, wenn er sagt, man müsse den Männern eine "alternative Perspektive zum Dealen" und Hilfe durch aufsuchende Sozialarbeit bieten.

Parkmanager Demirci hatte die Ansicht geäußert, wenn man diesen illegal in Berlin lebenden Geflüchteten etwa eine sechsmonatige Arbeitserlaubnis ermögliche, werde sich das Problem weitgehend erledigen: "Dann wären sofort 80 Prozent der Dealer weg." Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür nicht. Innerhaklb des Wrangelkiezes, der an den Park grenzt, haben viele aber auch genug von den Dealern und dem offenen Handel.

53 Kandidaten wollen nun antreten, um eines der elf Ratsmitglieder zu werden. "Mit so vielen Bewerber*innen hatten wir gar nicht gerechnet", sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). "Toll ist auch die Diversität der Kandidat*innenliste. Nun hoffe ich, dass Anwohner*innen und Nutzer*innen von der Wahlmöglichkeit Gebrauch machen." Die große Bereitschaft unter Besuchern, Anwohnern und Fans des Görlitzer Parks, sich zur Wahl zu stellen wurde auch im Gründungsrat mit Genugtuung aufgenommen. Von dessen elf Mitgliedern haben sich zwei aufstellen lassen. Allerdings heißt es von dort auch, dass sich offenbar nicht alle Kandidaten mit dem Handlungskonzept, das Verwaltung, Vereine und Anwohner des Görlitzer Park erstellten, beschäftigt haben und abweichende Vorstellungen mitbrächten.

In der vergangen Woche stellten sich die Kandidaten im Park vor. Gewählt wird seitdem im Bauwagen vor dem Gebäude des Jugendprojekts Kreuzer, jeweils 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr und am 27. September, 10 bis 12 Uhr und 16 bis 17.30 Uhr. Die Verkündung des Wahlergebnisses ist für 18.45 Uhr angesetzt.

Gründungsratmitglied Lorenz Rollhäuser, der auch wieder antritt, hofft auf "ein paar 100 Menschen", die bei der Wahl ihre Stimme abgeben. Wählen kann jeder ab 14 Jahren, man hat elf Stimmen.

Alle Infos zur Parkratswahl unter: www.pr-gp.de/, alle Kandidaten sind zu finden unter https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg, Kandidatenvideos stehen unter dem Youtube-Stichwort "Kandidaten für den Görlitzerparkrat".

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