Berlin

Farbattacke auf Google-Campus

Unbekannte beschmieren ein geplantes Weiterbildungszentrum in Kreuzberg. Der Konzern wirbt für mehr Verständnis.

Google-Zentrale in der Ohlauerstraße in Kreuzberg wurde mit Farbe beschmiert

Google-Zentrale in der Ohlauerstraße in Kreuzberg wurde mit Farbe beschmiert

Foto: Massimo Rodari

Bunte Farbkleckse an der Hauswand und ein etwa vier Meter langer Schriftzug der besagt: "Fuck Google!" – dieser Anblick hat sich Anwohnern geboten, die am Dienstag am alten Umspannwerk an der Ohlauer Straße in Kreuzberg vorbeigingen. In dem Gebäude soll der sogenannte Google-Campus entstehen. Der Internetriese möchte dort bald ein Weiterbildungszentrum für Berliner Gründer eröffnen. Doch dagegen regt sich immer wieder Protest.

Laut der Berliner Polizei hörte ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes am Montagabend Knallgeräusche und entdeckte kurz darauf dutzende Farbflecken an der Klinkerfassade des Gebäudes. Außerdem stellte die Polizei diverse gegen Google gerichtete Schriftzüge fest. Durch die Attacke wurden auch fünf neben dem Gebäude geparkte Autos beschmutzt. Die Ermittlungen hat der polizeiliche Staatsschutz übernommen, da ein politischer Hintergrund der Tat angenommen wird.

Es ist nicht der erste Protest, der sich in Kreuzberg gegen das Google-Projekt regt. Immer wieder war in der Vergangenheit mit Plakataktionen oder einem Anti-Google-Café gegen den zukünftigen neuen Nachbarn aus den Vereinigten Staaten protestiert worden. Auch die Kreuzberger Bezirkspolitik ist, so scheint es, nicht begeistert vom Google-Campus. Im April hatte Julian Schwarze, Fraktionssprecher der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, erklärt, man befürchte durch die Veranstaltungen dort zusätzliche Lärmbelastungen für die Anwohner. Es war sogar spekuliert worden, Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) habe die Umbaupläne von Google abgelehnt. Google-Sprecher Ralf Bremer bestreitet dies, es finde im Gegenteil ein sehr konstruktiver Austausch mit Baustadtrat Schmidt statt. "Die Debatte im April hat aber sicherlich dazu beigetragen, dass es zu Missverständnissen über unser Vorhaben hier gekommen ist", sagte Bremer. Man wolle in Kreuzberg keine neue Google-Zentrale errichten. Von Google selbst, so Bremer, würden maximal zehn Mitarbeiter im Haus an der Ohlauer Straße arbeiten: "Niemand braucht hier Angst zu haben, dass die Mieten durch Google-Mitarbeiter in die Höhe getrieben werden."

Um für mehr Verständnis für das Projekt zu werben, seien die Google-Campus-Mitarbeiter nun im Kiez unterwegs und sprächen mit Anwohnern. "Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", ergänzte er. Die Schmierereien an der Hauswand wolle man nun so schnell wie möglich beseitigen. Eröffnet werden soll der Campus dann im Laufe des Jahres 2018.

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