Gentrifizierung in Berlin

Ab sofort ist die Rigaer Straße in Friedrichshain gesperrt

Auf der Halbinsel Alt-Stralau bahnt sich der nächste Streit an. Ein Leipziger Investor will die Alte Teppichfabrik räumen lassen.

Die Rigaer Straße ist nun gesperrt

Die Rigaer Straße ist nun gesperrt

Foto: Maurizio Gambarini

Zwei luxuriöse Neubauprojekte in Friedrichshain könnten in den kommenden Monaten für neuen Zündstoff sorgen – und die Gentrifizierungsgegner wieder aktiv werden lassen. Schon geht die Sorge in der Politik um, dass es wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte.

Zunächst ist die Rigaer Straße 18 Monate lang für den Durchgangsverkehr gesperrt. Der Grund: 133 Luxuswohnungen und acht Gewerbeeinheiten werden neu gebaut. Unterstützung bekommt der Investor, die CG Group, für dieses mehr als 34 Millionen Euro teure Vorhaben vom zuständigen Baustadtrat Andy Hehmke (SPD). „Die angeordnete Vollsperrung halte ich für richtig und notwendig, insbesondere um die Verkehrssicherheit von Fußgängerinnen und Fußgängern zu gewährleisten“, so der Stadtrat. Diese Entscheidung werde er auch nicht mehr rückgängig machen.

Gegner des Neubauvorhabens sehen hinter der Anordnung jedoch ein politisches Anliegen. Der Investor solle so vor Protesten geschützt werden und sein Investitionsvorhaben in Ruhe vollenden können, vermuten sie. Auch die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) hätte sich von ihrem Stadtrat eine andere Entscheidung gewünscht. „Eine Durchwegung der Rigaer Straße für Fußgänger und Radfahrer hätte möglich sein sollen“, meinte Herrmann.

Zeitgleich mit dem Baubeginn des Wohnhauses scheint sich nun auch Widerstand am anderen Ende Friedrichshains gegen ein Neubauprojekt auf der Stralauer Halbinsel zu formieren. Dort soll auf einem Grundstück nicht nur eine ehemalige Teppichfabrik zu Lofts ausgebaut werden, sondern auch ein Neubaukomplex entstehen.

Erste Rangeleien mit den Hausbesetzern

Der neue Eigentümer, das Leipziger Unternehmen F&B Asset Holding GmbH, wirbt bereits im Internet für dieses Vorhaben. Am vergangenen Freitag war es dann auch zu ersten Rangeleien zwischen Vertretern des neuen Eigentümers und Hausbesetzern gekommen, in die auch die Polizei hineingezogen wurde.

Die Lage spitzt sich seit dem vergangenen Wochenende weiter zu. Der alte Besitzer hatte über Jahre eine Fremdnutzung des Gebäudes geduldet. Der neue Eigentümer möchte nun schnellstmöglich die Räume übernehmen. „Doch ohne einen Räumungstitel werden wir hier auf dem Grundstück nicht vorgehen“, sagte ein Sprecher der Polizei. Wie es dort weitergeht, ist also offen. Noch.