Eins muss der Vertreter der ersten Initiative zu Beginn seines Vortrags erst mal klarstellen: Nicht der Bezirk oder das Land hätten die Nicht-Privatisierung des Dragoner-Areals durchgesetzt. Sondern eben die Anwohner und ihre Initiativen. Applaus in der Christus-Kirche in Kreuzberg. Die Stadtentwicklungsverwaltung und der Bezirk haben am Dienstagabend geladen, um mit Engagierten im Kiez über die zukünftige Entwicklung des Geländes am Mehringdamm zu diskutieren. Und abgesehen von der ein oder anderen Spitze wird es eine konstruktive Debatte ohne böses Blut – bei Bürgerdialogen in der Hauptstadt keine Selbstverständlichkeit.

Zunächst stellen acht Initiativen ihre Wünsche und Vorstellungen vor. Viele haben sich jahrelang dafür eingesetzt, dass der Bund das 4,7 Hektar große Areal, auf dem bis heute nur einige Gewerbetreibende beheimatet sind, doch nicht an einen privaten Investor verkauft, sondern Berlin Druck macht und übernimmt. Die Furcht: der Bau von Luxuswohnungen und ein Verlust der „Kreuzberger Mischung“. Mit dem neuen Hauptstadtfinanzierungsvertrag wurde das „Drago“ im April im Rahmen eines Grundstückstauschs dann dem Land überlassen.

Ein großer Teilerfolg, aber wie geht es weiter? Der Forderungskatalog der Anwohner ist lang und zeugt von Selbstbewusstsein: kulturelle Nutzung leer stehender Gebäude, ein Treffpunkt für die Initiativen, eine kontinuierliche Partizipation am Entwicklungsprozess und: Alle der 400 bis 450 geplanten Wohnungen sollen bezahlbar sein.

Nur die Hälfte der Wohnungen muss günstig vermietet werden

Letzteres ist für den Bezirk einer der wenigen Reibungspunkte, wie es der für Stadterneuerung zuständige Mitarbeiter Alexander Matthes formuliert. Gemäß Auflage müssen nur die Hälfte der Wohnungen für 6,50 Euro nettokalt pro Quadratmeter vermietet werden. 14,4 Millionen Euro stehen als Förderung bereit. Die weitere Finanzierung ist noch unklar. Zusätzlich stehen für die Ausgestaltung des Geländes weitere 24 Millionen Euro zur Verfügung.

Dennoch ist man in Friedrichshain-Kreuzberg optimistisch. „Ich glaube, dass wir beim Bürgerdialog Vertrauen gewinnen konnten“, sagt Matthes. Lange habe die Bezirksverwaltung ja eher als Feind gegolten. Auch wenn man nicht, wie gefordert, alle zwei Wochen über den Entwicklungsstand Bericht erstatten könne, sollten die Bürger definitiv bis zum Ende mitsprechen können. Im August soll es ein Feedbackgespräch geben, im September dann einen offenen Workshop, zu dem vor allem die von den Sanierungen Betroffenen eingeladen sind. Dabei soll auch das weitere Vorgehen für den Beteiligungsprozess besprochen werden.