Deutsche Bahn

Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker kommen bald aus Kreuzberg

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Thomas Fülling
Bereits 1.000 Ersatzteile der Deutschen Bahn kommen aus 3D-Druckern

Bereits 1.000 Ersatzteile der Deutschen Bahn kommen aus 3D-Druckern

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Weil es für Loks und Waggons oft keine Ersatzteile mehr gibt, geht der Konzern neue Wege bei der Beschaffung - und setzt auf Berlin.

Die Deutsche Bahn hat ja nicht unbedingt den Ruf, bei den modernen Technologien ganz vorn zu sein. Erst am Wochenende erntete das bundeseigene Unternehmen viel Spott und Häme, weil infolge der weltweiten Cyberattacke zahlreiche elektronische Anzeigetafeln ausgefallen sind. In einem Bahnhof behalfen sich Bahn-Mitarbeiter gar mit der guten alten Schiefertafel, um die Reisenden über Abfahrt und Ziel des nächsten Zuges zu informieren.

Trotz solch böser Pannen sieht sich die Bahn auf dem Weg in ein neues Technik-Zeitalter. Etwa auf dem Gebiet der Wartung geht das Traditionsunternehmen inzwischen völlig neue Wege. So sollen Ersatzteile für Lokomotiven und Wagen künftig verstärkt mithilfe der 3-D-Drucktechnik hergestellt werden. Die 3-D-Drucker sind computergesteuerte Maschinen, die nach einer Modellvorlage Teile aus Kunststoff oder Metall fertigen, indem sie hauchdünne Materialschichten in Tausenden Arbeitsschritten auftragen und miteinander verschmelzen.

Laut Bahn sind im Vorjahr bereits rund 60 unterschiedliche Bauteile in einer Zahl von 1000 Stück mit diesem innovativen Verfahren hergestellt worden, bis Ende 2018 soll sich die Zahl auf 15.000 Stück erhöhen. Das Produktionsspektrum reicht dabei vom einfachen Haken aus Plastik bis zu einem aus Titan gefertigten Klemmenkasten, der Kabel an einem ICE-Motor schützt.

Spitzentechnologie für die Bahn „made in Kreuzberg“

Bei der Nutzung der neuen Technologie setzt die Bahn vor allem auf junge Unternehmen außerhalb des Konzerns. Der Standort Berlin spielt dabei eine besondere Rolle. „Berlin ist ein zweites Silicon Valley“, sagte Uwe Fresenborg, Geschäftsführer der Bahn-Fahrzeuginstandhaltung, am Montag beim Besuch der BigRep GmbH in Kreuzberg. Das erst vor zweieinhalb Jahren gegründete Start-up hat sich auf die Entwicklung von Verfahren für die Herstellung von Bauteilen im 3-D-Druck spezialisiert. Inzwischen hat BigRep weltweit 65 Mitarbeiter, etwa 40 davon arbeiten in den Gewerbehöfen an der Gneisenaustraße. Dort wird am Montag demons­triert, wie ein Ersatzteil mithilfe eines 3-D-Druckers hergestellt werden kann.

Die Bahn benötigt Ersatz für eine Kopfstütze in einem Eurocity-Wagen. Anders als das Original wird der Rahmen nicht aus Aluminium gegossen, sondern vom 3-D-Drucker aus einer Vielzahl von Kunststoffschichten zusammengeklebt. Noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen, der Drucker benötigt etwa 15 Stunden pro Stütze. Auch bei den Herstellungskosten sind die Teile für die Bahn nicht gerade ein Schnäppchen. Doch der Konzern hat in vielen Fällen kaum eine Alternative. „Der Fahrzeugbestand der Bahn reicht von der uralten Dampflok bis zum nagelneuen ICE4“, sagte Instandhaltungschef Fresenborg. Für alle müsse er bei Bedarf möglichst schnell Ersatzteile beschaffen. Doch gerade bei den Oldtimern ist das nicht so einfach. Entweder ist der Hersteller längst pleite, oder die Werkzeuge zur Herstellung gibt es nicht mehr. Ersatzteile müssen dann in Kleinstserien neu bestellt werden. Das ist oft nicht nur sehr teuer, es kostet auch viel Zeit.

Drei Monate Lieferzeit für einen Mantelhaken

„Für einen Mantelhaken, der in einem IC-Wagen ersetzt werden musste, hat uns der Hersteller drei Monate Lieferzeit angeboten“, berichtete Fresenborg. Für den Bahn-Manager ist das keine Option mehr. „Wir brauchen sofort lieferbare Ersatzteile. Unsere Züge sollen rollen“, so Fresenborg.

Zur Forcierung der 3-D-Druck-Technologie hat die Bahn ein internationales Partnernetz aufgebaut, dem bereits mehr als 40 Unternehmen angehören, von Anwendern über Universitäten bis zu Start-ups wie BigRep. „Wir setzen den 3-D-Druck dabei nicht nur in der Instandhaltung ein, sondern sind im gesamten Unternehmen auf der Suche nach Anwendungen“, sagte Projektleiterin Stefanie Brickwede. Getestet wird gerade die Möglichkeit, die Handläufe an Bahnhofstreppen mit Beschriftungen in Blindenschrift zu versehen. „Die Technologie steht noch am Anfang, hat aber das Zeug dazu, die Teilefertigung zu revolutionieren“, ist Bahn-Manager Fresenborg überzeugt.

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