Nach den gewalttätigen Ausschreitungen um ein besetztes Haus in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain gibt es heftigen Streit über den Umgang mit den linken Gewalttätern. Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einer „linken Gewaltorgie“, bei der das Versammlungsrecht von „vielen Chaoten und Gewalttätern missbraucht“ worden sei. Gesprächen mit der linken Szene zu einer Deeskalation erteilte er eine klare Absage. Auch CDU-Fraktionschef Florian Graf betonte: „Diese Nacht darf nur eine Antwort haben: Die Härte des Rechtsstaates.“

Beim Koalitionspartner SPD und der Opposition waren dagegen Forderungen nach einem Runden Tisch zur Rigaer Straße laut geworden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, so könne es nicht weitergehen. Er forderte eine „nachhaltige Strategie der Innenverwaltung“, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern.

An den Protesten am Samstagabend hatten sich laut Polizei rund 3500 Demonstranten beteiligt. 123 Polizisten wurden demnach verletzt, Sie seien mit Flaschen, Steinen und Knallkörpern beworfen worden. Einige Beamte seien getreten und geschlagen worden. In mehreren Stadtteilen seien Autos und Bagger angezündet worden.

86 Demonstranten nahm die Polizei nach ihren Angaben fest. Gegen drei Teilnehmer werde wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Insgesamt leitete die Polizei mehr als 100 Strafverfahren ein, unter anderem wegen Körperverletzung, Gefangenenbefreiung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.

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Es sei die aggressivste Demonstration der zurückliegenden fünf Jahre in Berlin gewesen, hieß es. Polizeipräsident Klaus Kandt sprach in der RBB-„Abendschau“ am Sonntag von „blankem Hass“, der den Beamten entgegen geschlagen sei.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht aufgrund dieser Bilanz keine Chance für Gespräche. Polizeipräsident Kandt betonte dagegen: „Wir sind immer gesprächsbereit. Wir reden mit allen, die mit uns reden wollen.“ Kandt verwies auf die früher üblichen Gewaltausbrüche am 1. Mai, die inzwischen weitgehend ausbleiben. Er betonte aber auch: „Recht ist nicht verhandelbar.“

Protestzug wegen Rigaer Straße

Der Demonstrationszug startete am Wismarplatz.
Der Demonstrationszug startete am Wismarplatz.© Reto Klar | Reto Klar
Die Demonstranten protestieren gegen Polizeieinsätze rund um die von Autonomen bewohnten Häuser in Friedrichshain.
Die Demonstranten protestieren gegen Polizeieinsätze rund um die von Autonomen bewohnten Häuser in Friedrichshain.© Reto Klar | Reto Klar
1800 Polizisten waren im Einsatz.
1800 Polizisten waren im Einsatz.© Reto Klar | Reto Klar
Anfangs verlief die Demonstration friedlich.
Anfangs verlief die Demonstration friedlich.© Reto Klar | Reto Klar
Die Demonstranten wollten ursprünglich nis zum Ostbahnhof ziehen.
Die Demonstranten wollten ursprünglich nis zum Ostbahnhof ziehen.© Reto Klar | Reto Klar
Die Bewohner der Rigaer Straße 94 hatten an der Fassade Transparente mit Parolen angebracht.
Die Bewohner der Rigaer Straße 94 hatten an der Fassade Transparente mit Parolen angebracht.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Linksautonome mit Bengalos auf einem Hausdach an der Rigaer Straße
Linksautonome mit Bengalos auf einem Hausdach an der Rigaer Straße© Reto Klar | Reto Klar

dpa