Kurz vor der Eröffnung sieht es dort, wo pünktlich zum Tanz in den Mai Berlins neuer Poolclub eröffnen soll, noch aus wie auf einer Baustelle. Die Bierbänke werden gerade weiß gestrichen, im noch wasserlosen Pool sind Bauarbeiter mit schwerem Gerät zugange. An der Wand dahinter prangt jedoch schon ein großer, weißer Schriftzug: „Haubentaucher“. Nach dem Wasservogel, der auch in Berlin vorkommt, und dessen Name im Bayerischen als Beleidigung verwendet wird, haben Alexis Kalpakidis, Jan Denecke, Azar Moorad und Daniel Lente ihre neue Outdoor-Location auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße in Friedrichshain getauft. Weil es gut klingt und es zu viert sowieso schwierig sei, sich auf einen passenden Namen zu einigen.

Die vier Gesellschafter sind in der Berliner Party-Szene keine Unbekannten. Bis Ende 2012 betrieben Kalpakidis, Denecke und Moorad das „Strandgut“ an der Mühlenstraße hinter der East Side Gallery. Daniel Lente kam für das aktuelle Projekt dazu. Alle kennen sich seit Jahren aus der Schule oder dem Berliner Nachtleben, haben im echten Leben Anwalt, Kaufmann oder Grafikdesigner gelernt und sich dann für die Gastronomie entschieden. Nur an der Bar werde im „Haubentaucher“ niemand mehr von ihnen stehen. „Das haben wir lang genug gemacht“, sagt Denecke.

Dementsprechend abgeklärt geben sich die „Haubentaucher“-Macher vor der Eröffnung. Natürlich könne man immer noch einer Woche mehr Zeit gebrauchen, aber der Feinschliff werde dann eben während des laufenden Betriebes erledigt. Drei Tage lang wird nach der Eröffnungsparty am heutigen Donnerstagabend mit einem „Season Opening Weekend“ gefeiert. Danach soll es im „Haubentaucher“ für Friedrichshainer Verhältnisse eher beschaulich zugehen. „Es wird kein Donnerstag bis Sonntag Bargeschäft geben. Davon gibt es hier schon genug“, sagt Jan Denecke. „Der Fokus liegt auf dem Tagesgeschäft.“

Pool, Biergarten, Lounge und Hängematten

Für drei Euro Eintritt erwartet die Besucher dann nicht nur ein 240 Quadratmeter großer beheizter Pool, sondern auch ein Biergarten, Lounge-Bereiche mit Hängematten und ein Programm aus Musik, Gastronomie und Ausstellungen in der angeschlossenen Halle, die auch für Firmenevents angemietet werden kann. „Wir wollten schon immer ein Outdoor-Freibad-Konzept machen, wo die Leute, hochwertiger als in einem normalen Freibad, ihre Zeit verbringen können“, so Kalpakidis. Einen Bademeister werde es nicht geben und auch keine Gesichtskontrolle an der Tür: „Hier ist jeder willkommen. Unsere erste Zielgruppe ist die direkte Nachbarschaft.“

Die wollen Alexis Kalpakidis, Jan Denecke, Azar Moorad und Daniel Lente mit dem „Haubentaucher“ massiv aufwerten und mit der Verlagerung auf das Tagesgeschäft auch dazu beitragen, dass Drogendealer wieder mehr vom RAW-Gelände verdrängt werden. „Berlins neue Oase des urbanen Savoir Vivre“ nennen sie ihr Konzept: „Hier verbirgt sich inmitten von altem Industrie-Charme ein kultureller Hotspot, in dem raue Berliner Urbanität auf mediterrane Leichtigkeit der 60er-Jahre trifft.“ Das 7000 Quadratmeter große Gelände wurde unter freiem Himmel in ein altes Eisenbahn-Gemäuer auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes hineingebaut.

Bei der Idee zum „Haubentaucher“ ließen sich die vier Berliner vom Sonar Festival in Barcelona inspirieren, wo sie von der Kombination aus Musik, Feiern unter freiem Himmel und einem Pool sehr angetan waren. Das Areal an der Revaler Straße, das ihnen vor zwei Jahren zu Nutzung angeboten wurde, habe perfekt zu ihren Plänen gepasst, ein ähnliches Konzept auch in Berlin zu verwirklichen. „Es ist mittlerweile fast unmöglich, in Berlin noch mal eine vergleichbare Location zu finden. Die zentrale Lage war uns sehr wichtig. Hier hat alles gepasst“, so Jan Denecke. Mittlerweile seien sie sogar privat auf den Geschmack gekommen: „Wir haben uns hier in der Nähe schon Wohnungen angeguckt. Ein Pool vor der Tür ist ja nicht zu verachten.“