Die Fenster sind verhängt, riesige Graffiti prangen auf den Wänden, Unkraut wuchert auf den Treppen: Von außen mutet das ehemalige Schmuckkästchen der DDR-Spaßgesellschaft an wie eine Ruine. Innen aber ist das Sport- und Erholungszentrum an der Landsberger Allee in Friedrichshain in weiten Teilen exzellent in Schuss.

Exquisite Ausstellungsfläche

Nicht nur die Bowlingbahn im Keller und die Badminton-Felder entsprechen allen Standards, auch die Halle des früheren Spaßbads wird ordentlich genutzt. In den Becken sind Basketball- und Fußballfelder entstanden, Trimm-Geräte stehen daneben, auch Wasser gibt es, aus energetischen Gründen aber in kleineren, abgetrennten Hallen in dem hohen Raum unter dem Glasdach. Die Saunalandschaft öffnet sich in einen Außenpool, im Park drumherum wachsen exotische Bäume, Vögel zwitschern. Der noch nicht hergerichtete Teil des riesigen Komplexes dient als exquisite Ausstellungsfläche, gerade zeigen dort die Foto-Künstler der Fotoschule Ostkreuz ihre Werke. Oben nutzen junge Künstler die lichten Räume als Ateliers.

Ambitionierte Neubaupläne

Aber es gibt Räume, in denen sich der Schutt stapelt. Trockenbau-Wände stehen halb fertig herum. Das soll sich bald ändern. Denn der Eigentümer hat ambitionierte Pläne für das Gelände. „Wir haben die Arbeiten erst einmal gestoppt“, sagt Rainer Löhnitz. Der Sachse ist Eigentümer des SEZ und des insgesamt fünf Hektar großen Grundstücks, das an den Friedrichshain grenzt.

Für einen Euro vom Land übernommen

Und Löhnitz ist eine Reizfigur in der Berliner Politik und Teilen der Öffentlichkeit, seit er im Jahr 2003 das ehemalige Spaßbad für einen Euro vom Land Berlin übernahm. Der Rechnungshof rügt den Deal regelmäßig als Verschleuderung öffentlichen Vermögens, und Politiker im Bezirk und im Land werden nicht müde zu behaupten, Löhnitz habe seine Verpflichtungen nicht erfüllt und das Schwimmbad nicht wieder eröffnet. Der Mann aus Leipzig rechnet freilich etwas anders. Niemand wollte seinerzeit das Bad haben, das Land musste jedes Jahr Millionen zuschießen und die zur Schließung noch 125 Angestellten bezahlen. Er habe Berlin über die Jahre zweistellige Millionenbeträge erspart, sagt Löhnitz, ein kräftiger Mann mit Karo-Hemd und Brille, der nicht fotografiert werden möchte. Es sei wirtschaftlich nicht zu machen, das frühere Spaßbad wieder herzustellen. Seine Verpflichtung, dort auch eine Bademöglichkeit anzubieten, habe er aber erfüllt. Das sah auch der Senat so, der die Option eines Rückkaufs bei Vertragsbruch vor sieben Jahren verstreichen ließ.

Mit einer Handvoll Mitarbeiter hat der Unternehmer alles selbst gebaut, gebastelt und repariert im SEZ. Stolz zeigt er die Tischlerei im Keller und die Gebäudetechnik. „Ich habe hier das geilste Spielzeug“, sagt er. Das Objekt sei schuldenfrei, die Kosten seien niedrig geblieben, weil er weder Architekten noch Baufirmen beauftragen musste. Die Erlöse des Sport- und Saunabetriebs deckten die laufenden Ausgaben.

Sanierung würde viel Geld verschlingen

Aber das Do-it-yourself-Prinzip ist endlich. Das 1981 eröffnete Gebäude aus Glas, Stahl und Beton, seinerzeit der modernste Sport- und Freizeitkomplex des Ostblocks, beginnt zu bröckeln. Eine Sanierung würde unendlich viel Geld verschlingen, das niemand auszugeben bereit ist. Deshalb will Löhnitz das SEZ abreißen und an seiner Stelle ein völlig neues Gebäude errichten. Pläne von Architekten liegen vor, er will sie aber noch nicht in der Zeitung sehen, weil sie sich in Verhandlungen mit dem Bezirk sicherlich noch ändern werden. Ein achtgeschossiger Bau an der Ecke, etwas niedrigere Trakte für Studentenwohnungen entlang der Landsberger Allee und Seniorenwohnen an der Danziger Straße, im Inneren zum Park hin drei Flügel für Familien mit Blick ins Grüne. Löhnitz redet auch von einer Markthalle, Sportangeboten, sportmedizinischen Praxen. „Ich will dort etwas Besonderes schaffen“, sagt er. Der Kaufvertrag zwingt ihn, Sport und Freizeit anzubieten. Das will Löhnitz ohnehin, auch in Leipzig betreibt er ein Sport- und Gesundheitszentrum.

Auf keinen Fall möchte er das ganze Gelände einfach an einen Projektentwickler verkaufen. Schon immer seien Immobilien-Leute hinter ihm her, sagt Löhnitz. Das jüngste Angebot beläuft sich auf 39 Millionen Euro. Aber Geld sei ihm egal, sagt Löhnitz. Man könne nur zweimal am Tag essen gehen. „Ich habe nicht elf Jahre meines Lebens hier reingesteckt, um das dann einfach so wegzugeben.“ Man habe ihn auch gefragt, ob man im ehemaligen Verwaltungsbau und dem Gelände dahinter Flüchtlinge unterbringen und Container aufstellen könne, sagt Löhnitz. Er lehnte ab, obwohl er sich allein mit den Mieteinnahmen ein mehr als angenehmes Leben hätte machen können.

Aussichtsreiche Verhandlungen

Mit dem früheren Bezirksbürgermeister und Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) hat er sich jahrelang Kämpfe geliefert. Frühere Ideen, dort einen Standplatz für Wohnmobile oder ein Hostel einzurichten, wurden abgelehnt. Schulz habe ihn ausgebremst – mit falschen Verweisen aufs Planungsrecht, sagt Löhnitz. Die Sache liegt beim Verwaltungsgericht. „Rechtspositionen sichern“, sagt Löhnitz. Denn eigentlich ist er mit Schulz’ Nachfolger, Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne), und der Senatsverwaltung in diskreten, aber aussichtsreichen Gesprächen, seit die Stadtentwicklungsverwaltung in den vergangenen Monaten mehrmals als Streitschlichter eingegriffen hatte. Panhoff bestätigt, dass Löhnitz das SEZ abreißen dürfte. Panhoff sieht auch ein, dass der Komplex, „wenn man nüchtern draufguckt, auf die Dauer nicht zu betreiben ist“. Sollte das Gelände verkauft werden, müsste das Land sicherlich eine Ausgleichszahlung verlangen. Die Frage ist, ob für das Gelände ein eigener, neuer Bebauungsplan erstellt werden muss. Oder ob Löhnitz unter Ausnutzung des Paragrafen 34 des Baugesetzbuches ohne eine jahrelange Planungsphase anfangen dürfte. „Ich nehme Herrn Löhnitz ab, dass er ein echtes Anliegen für Sport- und Wellness hätte“, sagt der Stadtrat. Bei der Senatsverwaltung sieht er wenig Interesse an einem umfangreichen Planungsverfahren.

Löhnitz jedenfalls ist zuversichtlich, in den nächsten Monaten Klarheit zu haben. Den hinteren Teil des Geländes will er von den Bauvorhaben abtrennen und in seiner Stiftung als Grünanlage behalten. „Ich habe doch nicht Mammutbäume gepflanzt, um sie wieder plattzumachen“, sagt der Leipziger. Er möchte eine Kita an den Friedrichshain bauen und träumt von einem Reitplatz samt Reithalle, wo Kinder voltigieren könnten. Nebenan wäre Platz für eine Pferdekoppel. Die Tiere hat er schon. Noch grasen sie im Fläming.