Die Flüchtlinge, die seit vergangenen Donnerstag die Kreuzberger St. Thomaskirche besetzt halten, haben das Gebäude am Sonntagabend verlassen. Das teilte die Sprecherin des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte, Christiane Bertelsmann, mit. „Ich dachte schon, es sei nur ein frommer Wunsch, dass das funktioniert“, sagte Bertelsmann. Aber die Pfarrerin habe sie angerufen, dass die ersten Flüchtlinge bereits in ihre neuen Unterkünfte gebracht werden.

Die 62 Männer, die sich auf einer Liste der Gemeinde eingetragen hatten, werden nun an sechs Orte gebracht, verteilt über die ganze Stadt. Darunter sind Räume kirchlicher Einrichtungen, andere Kirchengemeinden – aber auch Räume, die private Unterstützer zur Verfügung stellen. Um welche sechs Orte es sich handelt, wollte die Sprecherin des Kirchenkreises nicht sagen. Zuvor hatte es bereits ein Angebot im Aufenthaltssaal eines evangelischen Studentenwohnheims gegeben, das die Gruppe jedoch ablehnte.

Seit vergangenen Donnerstag führen Vertreter des Gemeindekirchenrats, Pfarrerin Claudia Mieth und Vertreter des Kirchenkreises Berlin Stadtmitte Gespräche mit den Flüchtlingen und ihren Unterstützern. Doch die nun gefundene Lösung könne keine dauerhafte sein, sagte der evangelische Landesbischof Markus Dröge in der RBB-Abendschau. Er forderte die Flüchtlinge auf, sich an die für sie zuständigen Ausländerbehörden zu wenden. Der Kirchenkreis erklärte auf seiner Internetseite, die Gemeinde habe von Anfang an deutlich gemacht, dass ein dauerhaftes Quartier der Flüchtlinge nicht machbar sei – weil Personal fehle und der Raum nicht als Schlaf- und Aufenthaltsmöglichkeit geeignet sei.

Aus humanitären Gründen habe die Gemeinde drei Übernachtungen bewilligt. Ob nun alle Flüchtlinge, die in der Kirche Quartier bezogen haben, diese auch verlassen, konnte die Sprecherin des Kirchenkreises nicht bestätigen, da die genaue Zahl der Asylsuchenden nicht bekannt sei. Am Mittwochabend wollen die Flüchtlinge laut Pfarrerin Mieth in der Heilig-Kreuz-Kirche erneut auf ihre Situation aufmerksam machen.