Die massive Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners hängt auch mit dem Klimawandel zusammen. Warme, trockene Frühjahre schaffen perfekte Bedingungen. Der zuständige Bezirksstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger (Grüne), nannte die massive Ausbreitung der Raupen rund um die Jungfernheide einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Er hat recht. Und genau das ist das Beunruhigende.

Auch interessant

Denn nicht die einzelne Raupe ist das Problem, sondern ihre Masse. Ein Falter legt über 100 Eier, die Population wächst exponentiell. Was in normaler Konzentration ein Ärgernis wäre, wird bei 10.000 Eichen zur Gesundheitsgefahr – mit fast 1000 Fällen in einer einzigen Praxis, Hunderten Krankschreibungen, gesperrten Spielplätzen. Doch der Rechtsrahmen kennt diesen Sprung nicht. Er fragt nach der Art, nicht nach der Menge. Also gilt weiter: kein Gesundheitsschädling, keine Handhabe.

Behördenstreit verzögert schnellen Schutz vor Schädlingen

Diese Starrheit wird uns teuer zu stehen kommen. Nach der Raupe kommt der Kiefernprozessionsspinner, und irgendwann reden wir über Tiere, die Krankheiten übertragen können. Wenn sich Populationen unter veränderten Bedingungen explosionsartig vermehren, müssen die zuständigen Stellen neu bewerten dürfen – schnell und nachvollziehbar. Wer sich hinter Paragrafen verschanzt, schützt am Ende weder Menschen noch Natur. Ohne Eingriffe geht es nicht.

Bleibt das Zweite, was dieser Sommer gezeigt hat. Zwischen Bezirk und Senat lief ein Behörden-Pingpong, das niemanden weiterbrachte. Wer öffentlich vor allem anderen erklärt, warum die anderen schuld sind, verliert die, um die es geht. Die Menschen am Heckerdamm brauchen keine Zuständigkeitsdebatte. Sie brauchen einen Sommer, in dem sie das Fenster öffnen können.