Rund 320 Tonnen wiegt das erste von drei Überbauteilen der neuen Ringbahnbrücke, das am Freitag montiert worden ist. Ähnlich schwer dürfte quasi zur selben Zeit die Last auf den Schultern von Kai Wegner gewogen haben. Eigentlich war der Regierende Bürgermeister als Redner auf der Baustelle angekündigt. Doch der CDU-Politiker blieb dem Termin fern.

Stattdessen verkündete er nach mehreren Falschaussagen über seinen Tagesablauf am ersten Tag des Zehlendorfer Stromausfalls im Januar seinen Rückzug als Spitzenkandidat seiner Partei für die Berlin-Wahl.

Neue Ringbahnbrücke: Schnieder und Bonde vor Ort

Und so waren Verkehrssenator Patrick Schnieder und Verkehrssenatorin Ute Bonde (beide CDU) die einzigen Vertreter aus der Politik, die zur Riesenbaustelle am Dreieck Funkturm gekommen waren. Der Einhub der Überbauteile für die neue Ringbahnbrücke sei ein wichtiger Meilenstein für die Wiederherstellung der vollständigen Befahrbarkeit der A 100 und für die Erneuerung der Autobahninfrastruktur in Berlin, teilte der Minister mit. Bonde nannte den Fortschritt des Bauprojekts einen „Erfolg für Berlin und den Bund“.

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Um die tonnenschweren Bauteile anzuheben, ist ein Kran der Superlative im Einsatz. Dieser kann eine Last von bis zu 650 Tonnen Gewicht tragen. Die maximale Auslegerlänge des Krans beträgt 192 Meter. Für die neue Ringbahnbrücke reichen 61 Meter. So werde erstmals sichtbar, wie die neue Brücke künftig den Verkehr auf der A100 in Fahrtrichtung Nord über die Gleisanlagen führen werde, hieß es. Die Arbeiten für diesen Schritt sollen bis Montagmorgen andauern. In dieser Zeit sind die Ringbahnlinien S41 und S42 zwischen Halensee und Westend unterbrochen. Die S-Bahn richtet einen Ersatzverkehr mit barrierefreien Bussen ein.

Ringbahnbrücke: Millimeterarbeit erforderlich

Bis Sonntag nimmt die neue Ringbahnbrücke Form an. Zu den drei Überbauteilen, die die Gleise überspannen, sollen in den kommenden Tagen drei weitere Brückenteile auf der östlichen Seite der Ringbahn kommen. Die Arbeiten stellen eine große Herausforderung dar. Die Bauelemente sind tonnenschwer. Gleichzeitig sei Millimeterarbeit gefordert, wie ein Sprecher der verantwortlichen Projektgesellschaft Deges der Morgenpost kürzlich sagte.

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„Im Anschluss werden die Teile miteinander verschweißt“, sagte der Technische Geschäftsführer der Deges, Andreas Irngartinger, am Freitag. Es folgten die Asphaltierung sowie Bauelemente wie Lärmschutzwände und Fahrbahnmarkierungen.

Alle Verantwortlichen waren sich einig, dass der Zeitplan eingehalten werde und die neue Brücke in Fahrtrichtung Nord zwischen dem Messedamm und dem Spandauer Damm im Sommer kommenden Jahres für den Verkehr freigegeben werden könne.

Alte Brücke musste überraschend gesperrt werden

Die alte Brücke gehörte zum Autobahndreieck Funkturm und war im vergangenen Jahr wegen sich ausbreitender Schäden im Tragwerk überraschend gesperrt und wenige Wochen später abgerissen worden. Das löste im Berliner Westen ein Verkehrschaos aus, schließlich gehört der Verkehrsknoten zu den meistbelasteten Autobahnabschnitten des Landes. Nur wenig später wurde auch die weiter nördlich gelegene Westendbrücke gesperrt und abgerissen. 

Der Neubau beider Brücken soll als Beispiel dafür herhalten, dass in Deutschland auch schnell geplant und gebaut werden kann. Im Falle der Ringbahnbrücke wurde dafür das Projekt aus dem bestehenden Planfeststellungsverfahren für die Sanierung des gesamten Autobahndreiecks Funkturm herausgelöst. 

mit dpa