Als Marcel Stärke das erste Mal eine Veranstaltung von Padar Humanitas besuchte, kam er noch als Gast. Damals lebte er noch auf der Straße, nach eigenen Angaben seit rund 15 Jahren – erst nach dem Kinderheim, später in mehreren deutschen Großstädten. Die meiste Zeit in Hamburg. Rückblickend erzählt er, dass ihm damals hauptsächlich eine Sache Halt gegeben hat: Zuwendung. „Ich habe da Liebe erfahren und möchte dieses Gefühl gerne weitergeben, jetzt, wo ich weg bin von der Straße“, sagte Stärke rückblickend.

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Heute engagiert sich der Mann, der inzwischen in Riesa lebt, regelmäßig ehrenamtlich für den Verein Padar Humanitas. Er unterstützt Aktionen für wohnungslose Menschen in Berlin – aus der Perspektive eines Menschen, der das Leben auf der Straße gut kennt. Dass er wieder in ein geregelteres Leben fand, führt er unter anderem auf die Unterstützung eines Freundes und seiner Partnerin Doreen zurück. Beide beteiligen sich laut Verein ebenfalls ehrenamtlich an den Angeboten von Padar Humanitas.

Padar Humanitas: Gründer des Vereins will in die Politik

Padar Humanitas wurde 2014 von Dieter Padar gegründet, dem Sohn eines iranischstämmigen Immobilienunternehmers. Nach eigenen Angaben hat er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen und widmet sich seitdem als Privatier sozialen Projekten für Menschen am Rande der Gesellschaft. Für sein Engagement wurde er nach Vereinsangaben mit dem Ritterkreuz des Kaiserlich Österreichischen Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet und erhielt den Ehrenamtspreis des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Padar will nun auch in die Politik. Er wird auf Listenplatz 4 für die Freien Wähler bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 antreten.

Padar Humanitas verleiht neuen Award an Ehrenamtliche
Dieter Padar ist allen ehrenamtlichen Helfern „zutiefst dankbar“.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

In der Vergangenheit bereitete Padar auch regelmäßig Weihnachtsfeiern in der Berliner Stadtmission am Bahnhof Zoo vor. Am vergangenen Freitag wurden bei einer Veranstaltung jetzt aber Marcel Stärke und weitere Freiwillige besonders hervorgehoben. „Ohne die regelmäßige Arbeit unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre das gar nicht möglich. Ich bin ihnen allen zutiefst dankbar und freue mich sehr, ihnen etwas zurückgeben zu können“, sagt Dieter Padar, der Gründer von Padar Humanitas.

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Sie bekamen für ihr Engagement Ehrenamtskarten für Berlin-Brandenburg überreicht. Die Ehrenamtskarte, die bei der Veranstaltung an insgesamt 25 Helferinnen und Helfer überreicht wurde, ist ein gemeinsames Angebot beider Bundesländer. Rund 300 Partner – von Unternehmen bis zu Freizeit- und Kultureinrichtungen – gewähren den Karteninhabern Rabatte und Vergünstigungen. Voraussetzung ist ein langfristiges, regelmäßiges Engagement von mindestens 200 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit im Jahr.

Ich gehe immer mit einem lachenden, einem weinenden Auge aus jeder Aktion.

Dieter Padar,, Gründer Padar Humanitas

Ein Höhepunkt für die Ehrenamtlichen war die Premiere des „Padar Humanitas Award“, den Stärke als erster Preisträger erhielt. Auch Doreen, die Partnerin von Marcel Stärke, wurde ausgezeichnet. „Es gibt viel Armut in dieser Stadt. Aber auch unglaublich viele Menschen, die sich engagieren“, sagt Padar. Das zeige sich auch bei anderen Aktionen. Die Aktion „Volle Kanne Wärme“ beispielsweise fand am Mittwoch rund um den Bahnhof Zoo statt. Engagierte Berlinerinnen und Berliner kamen dort zusammen, um wohnungslose Menschen mit heißem Tee, kurzen Gesprächen und einem Moment der Aufmerksamkeit zu unterstützen.

Padar Humanitas verleiht neuen Award an Ehrenamtliche
Der ehemalige Obdachlose Marcel und seine Freundin Doreen bei der Award-Verleihung.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

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Auch die Idee dieser Initiative ist einfach: Wer vorbeikommt, bringt eine Thermoskanne mit und sucht das Gespräch – ohne Anmeldung, ohne großen organisatorischen Rahmen. Unterstützung erhielt Initiator Dieter Padar dabei unter anderem aus einem Berliner Boxstudio. Boxtrainer Moreno, Studioinhaber George und Profiboxer Karo Murat tauschten für einige Stunden Boxhandschuhe gegen Thermoskannen und reihten sich in die Gruppe der Freiwilligen ein. Im April ist ein Osterfest geplant.

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Padar wohnt selbst in Charlottenburg-Wilmersdorf. Er kennt die Hotspots am Stuttgarter Platz und Bahnhof Zoo. Viele Menschen begleitet er über Jahre. Nicht immer gelingt es, Menschen von der Straße herunterzuholen. „Ich gehe immer mit einem lachenden, einem weinenden Auge aus jeder Aktion“, erzählt er. Denn er könne nicht allen helfen. Für viele Ehrenamtliche sei das belastend. Aber die schönen Geschichten sind es wert. „Einige Leute darf man mit begleiten, wenn sie das erlauben“, erzählt er. So wie Marcel.

Als Marcel seinen Preis erreicht, steigen ihm Tränen in die Augen. Obwohl er nicht mehr hier wohnt, kommt er noch regelmäßig nach Berlin, um den Verein zu unterstützen. „Ich weiß, was das Leben auf der Straße bedeutet. Es bedeutet so viel, wenn Menschen einem die Hand reichen“, sagt er.