Die Deutsche Oper in Berlin steht am Sonnabend wieder im Zeichen der roten Schleife, dem weltweiten Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Erkrankten. Aber die traditionsreiche Operngala zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung heißt ab sofort Festliche Opernnacht. Das Ziel sei es, schlanker, kommunikativer und zeitgemäßer aufzutreten, heißt es. Die Schirmherrschaft hat der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), übernommen. Durch den Abend führt Startenor Rolando Villazón.
Erneut werden internationale Stars der Opernwelt der Einladung in die Hauptstadt folgen. Mit klassischem Opernrepertoire dabei sein werden unter anderem Anastasia Bartoli, Roman Burdenko, Joseph Calleja, Juliana Grigoryan, Pene Pati, Julie Roset und Golda Schultz. Countertenor Nils Wanderer, zugleich Mitglied des Kuratoriums der Deutschen AIDS-Stiftung, wird ebenfalls singen. Der Künstlerische Leiter Christoph Seuferle verspricht musikalische Überraschungen. Alle Künstler würden dabei ohne Gage auftreten.
Festliche Opernacht in Berlin: So teuer sind die Karten
Der neue Name soll dabei nicht nur kosmetischer Natur sein. „Wir wollen den Benefiz-Charakter wieder mehr in den Fokus rücken“, sagt Pressesprecherin Wenke Vendt. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten habe sich die Operngala zu einem der wichtigsten Charity-Events in Berlin entwickelt. Das habe allerdings auch dazu geführt, dass die Karten sehr teuer waren. Menschen bezahlten extra, um mit den Prominenten gemeinsam dinieren zu können. „Wir wollen mehr Benefiz und weniger Chichi“, so Vendt.

Zudem sei die Bewirtung ohnehin immer Teil des Eintrittspreises gewesen. Das wird sich in diesem Jahr ändern. Denn auch, wenn die Einnahmen schließlich dem guten Zweck zugutekamen, passe ein „All You Can Eat“-Konzept nicht mehr in die heutige Zeit. „Wir wollen damit auch erreichen, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden“, sagt Sprecherin Vendt. Dadurch, dass sich die Gäste nun als Selbstzahler vor Ort versorgen, werden die Tickets auch günstiger. Reichen die Preise der Karten nun von 36 Euro bis 184 Euro, reichten die Preise im vergangenen Jahr von 260 bis 650 Euro. Das Ziel: Mehr Menschen, die Teilnahme ermöglichen.
Operngala der AIDS-Stiftung in Berlin: Diese Prominenten werden erwartet
Nach dem Bühnenprogramm bleibt die Oper offen: Bei Musik, kulinarischen Angeboten und künstlerischen Interventionen lässt sich eine einmalige „Night at the Opera“ erleben. Das Opernhaus an der Bismarckstraße verwandelt sich in eine nächtliche Flanierbühne. Es werden Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien erwartet. Aus der Politik haben sich Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), Familienministerin Lisa Paus (Grüne) sowie der Bundestagesabgeordnete Jens Spahn (CDU) angekündigt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner C(DU) wird von Bürgermeister und Senator für Finanzen Stefan Evers (CDU) vertreten.
HIV in Berlin
In Berlin waren nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts Ende 2023 gut 18.300 Menschen mit HIV/AIDS infiziert. Gut 1000 davon wissen bisher nichts von ihrer Erkrankung. Betroffen sind vor allem Männer, die 85 Prozent der Infektionen in Berlin ausmachen. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Berlin wird im Jahr 2023 auf 240 Personen geschätzt.
Aus Wirtschaft und Forschung werden unter anderem der Virologe Hendrik Streeck und Unternehmer Harald Christ erwartet. Ebenfalls auf der Gästeliste stehen die Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer, der Entertainer Julian Stoeckel oder der Schauspieler Ken Duken. Der rote Teppich soll ab 18 Uhr ausgerollt werden, wo die Promis sich an einer Fotowand verewigen. „Es hat große Freude gemacht, gemeinsam mit der Deutschen Oper Berlin und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) unser Opern-Event neu zu erfinden“, sagt Anne von Fallois, Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung. 3sat zeigt die Operngala am 30. November um 20.15 Uhr und der rbb strahlt sie am selben Tag um 21.45 Uhr aus. Die Sendung ist eine Produktion des rbb.
Operngala der AIDS-Stiftung in Berlin: Das passiert mit den Spenden
Der Erlös der Veranstaltung soll Menschen mit HIV in Deutschland und im südlichen Afrika zugutekommen. „Sie zu stärken und ihnen Zukunftschancen zu ermöglichen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben“, betont Fallois. „Zugleich wollen wir daran erinnern: HIV ist immer noch unheilbar, aber besiegbar. Wir setzen uns ein für eine Welt ohne HIV – und dafür brauchen wir Unterstützung“. Die Deutsche AIDS-Stiftung wurde 1987 gegründet. Ihr Ziel ist es, die Lebensbedingungen von HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen zu verbessern und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Zahlen untermauern den Erfolg: Seit 1987 hat die Stiftung mehr als 93.000 Anträge von Bedürftigen und für Projekte erhalten. Fast 56 Millionen Euro sind in deren Unterstützung geflossen.
Die Geschichte der Festlichen Operngalas für die Deutsche AIDS-Stiftung, die zu den weltweit größten Charity-Events im Bereich der klassischen Musik gehört, begann am 21. Oktober 1994. Moderator war der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. 2020 war es schließlich die Corona-Pandemie, die nach 26 Jahren erstmals für eine Unterbrechung der Galas und dafür sorgte, dass die eigentlich für den 7. November 2020 geplante Veranstaltung verschoben werden musste. Es folgte eine dreijährige Pause bis zum vergangenen Jahr.



