Das Pangea-Haus in der Trautenaustraße in Berlin-Wilmersdorf ist von außen erstmal nur ein Haus. Ein weißer Zweckbau mit bunten Fliesen an der Fassade im Erdgeschoss. Eine Fahne mit dem Namen des interkulturellen Projekts hängt vom Dach der früheren Volkshochschule. Pangea. Die Bezeichnung des Urkontinentes, auf dem die Landmassen noch aus einer Einheit bestanden. Bei einem Blick auf die Briefkästen im Treppenhaus ergibt der Name Sinn. Die Klingelschilder von mehr als 20 Vereinen und Trägern migrantischer Beratungs- und Kulturangebote stehen dort. Die Iranische Gemeinde Deutschland, der Sudanclub und sogar der Zentralrat der Russen in Berlin und Brandenburg und der Zentralverband der Ukrainer in Deutschland arbeiten hier Tür an Tür.

„Die Zusammenarbeit ist nicht immer einfach“, verrät Annali Colombo, Koordinatorin des Pangea-Hauses. Wer bekommt welchen Raum? Wie organisiert man gemeinsame Veranstaltungen? „Aber es funktioniert“, sagt Colombo. Über 1000 Menschen würden jeden Monat die Beratungen, Integrationskurse, Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten unter dem Dach des Hauses nutzen. Alle drei Jahre wird die Arbeit der Organisationen beurteilt. Denn die Warteliste ist lang. „Drei Jahre ermöglicht zumindest eine gewisse Planungssicherheit“, sagt Christoph Leucht, Vorstandsvorsitzer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung. Zumindest bis 2024.

Interkulturelles Zentrum Pangea-Haus in Berlin-Wilmersdorf: Kündigung zum Jahresende

Denn statt neue Verträge für die nächsten drei Jahre auszustellen, bekamen alle Mieter, die den Evaluationstest bestanden, nur eine Verlängerung bis zum Jahresende. „Das macht uns wirklich das Leben schwer“, sagt Leucht. Was war passiert? Dazu ein kurzer Blick in die Geschichte: Die ehemalige Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen übergab 2009 dem damaligen Geschäftsführer der Gesellschaft für Stadtentwicklung mbH (GSE) den Schlüssel für das Pangea-Haus. Das Haus wurde zum Treffpunkt für Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, die im Bezirk leben und arbeiten. Zwischen 2018 und 2024 wurde das Gebäude mit Fördermitteln über 1,8 Millionen Euro saniert. Daran entscheidend beteiligt: Die GSE, die derzeit noch zuständige Hausverwaltung.  

Pangea Haus
Mehr als 20 Vereine, migrantische Selbstorganisationen, soziale Träger und Bildungsträger sind unter dem Dach des Pangea-Hauses derzeit angesiedelt.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Die GSE ist eine Verwaltungsorganisation des Landes Berlin. Ihr Ziel ist nach eigenen Angaben die Sicherung von Wohn- und Gewerberäumen für Bedarfsgruppen der Jugend-, Familien- und Sozialhilfe, soziokulturelle Initiativen und Menschen in schweren Lebenslagen. Das interkulturelle Zentrum in Wilmersdorf verwaltet sie seit 2009. Anfang des Jahres aber kündigte die GSE den Vertrag zum Jahresende. Eine hausinterne Evaluation habe keine andere Entscheidung zugelassen, heißt es auf Nachfrage.

Pangea-Haus in Wilmersdorf: Bezirk soll Übergangslösung abgelehnt haben

Warum? Die interne Bewertung habe ergeben, dass die Verwaltung des Pangea-Hauses zu viele Ressourcen binde. Dabei habe es vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Facility-Management des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf immer wieder unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf den Betrieb und die Bewirtschaftung des Hauses gegeben habe. Dabei habe man auch immer zwischen den Interessen der Mieter und Mieterinnen und den Eigentümerinteressen vermitteln müssen, teilt die GSE mit.

Allerdings habe man dem Bezirk auch angeboten, die Aufnahme des Hauses ins Treuhandvermögen zu prüfen, heißt es. Weil sich dieser Prüfungsprozess aufgrund berechtigter Abstimmungen sowohl mit der GSE als auch auf politischer Ebene durchaus langwieriger gestalten könne, sei man allerdings bereit gewesen, in der Zwischenzeit die Verwaltung weiterhin zu übernehmen. „Unseres Wissens nach verfolgt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf jedoch diesen Lösungsansatz nicht“, teilt die GSE mit.

Pangea Haus
Das Pangea-Haus wurde in den vergangenen Jahren für 1,8 Millionen Euro saniert.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Denn auch auf der Seite der Bezirkspolitik haben sich die Zeiten geändert. In Zeiten knapper Haushaltskassen weckt das Objekt in bezirklichem Besitz Begehrlichkeiten. So zumindest vermutet Leucht das. „Der Bezirk will sich die Möglichkeit offenhalten, das Haus künftig als Bürofläche für die Verwaltung zu nutzen“, sagt er. Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne) betont auf Nachfrage den „außerordentlichen und über den Bezirk hinaus strahlenden Stellenwert“ des Hauses. „Als bezirkliches Leuchtturmprojekt plant das Bezirksamt, das Haus in seiner jetzigen Form auch in Zukunft weiterzubetreiben.“ Die Frage ist jetzt: Wie lange letztlich noch?

Pangea-Haus in Berlin-Wilmersdorf: Verträge enden zum Jahresende

Denn klar wird auch, dass die langfristige Abgabe auf 30 Jahre des Hauses aus dem Vermögen und der Verwaltung für den Bezirk keine Option ist. Die treuhänderische Verwaltung des Hauses durch die GSE wäre für den Bezirk zwar eine kostenneutrale Variante, heißt es. „Charlottenburg-Wilmersdorf hätte damit aber eine bezirkliche Liegenschaft für etwa 30 Jahre abgeben müssen. In finanziell schwierigen Zeiten berge eine solche Übertragung aber ein langfristig nicht abschätzbares haushalterisches Risiko“, sagt Bauch. 

Das bezirkliche Integrationsbüro bemühe sich, eine geeignete Hausverwaltung für das Pangea-Haus zu finden. Sollte sich keine finden, werde das Haus vom bezirklichen Facility-Management verwaltet, was aber mit erheblichem personellen Aufwand für den Bezirk verbunden wäre, heißt es. Und mit höheren Mieten. „Viele Mieter wissen nicht, ob sie sich das noch leisten können“, sagt Leucht. Auch die Planungssicherheit fällt weg. Geplant ist es laut Bezirksamt, die Verträge zunächst bis Ende 2025 zu verlängern.

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Vorher braucht es allerdings einen Haushalt, der die Kosten auffängt. „Eigentlich ist das Wahnsinn. Auch die politische Situation spricht dagegen“, sagt Leucht. Immerhin muss der Bezirk in den nächsten Jahren Tausende Geflüchtete neu aufnehmen. Immer wieder werde betont, wie wichtig Integrationsprojekte für das Gelingen sind. Inzwischen haben die Vereine eine Petition gestartet. Forderung: Bezahlbare Mieten, Planbarkeit und ein Bekenntnis der Bezirkspolitik. „In Zeiten der Bedrohung unserer Gesellschaft durch Ausgrenzung und Spaltung sind Orte wie das Pangea-Haus unverzichtbar für unser Zusammenleben!“, heißt es dort am Ende.