Der Weg in das Büro von Rabbiner Yehuda Teichtal führt durch zwei Welten. Für unerfahrene Besucher jüdischer Einrichtungen in Berlin wirken die Polizeipräsenz und die Sicherheitsschleuse am Eingang des Bildungszentrums in Wilmersdorf vielleicht befremdlich. Aber schon während Tasche und Mantel durch den Röntgenapparat fahren, weicht das Befremden der Herzlichkeit. Der Sicherheitsmann ist ein freundlicher Mann mit Berliner Dialekt. Im Treppenhaus, das in das Büro des Rabbiners der Bewegung Chabad-Lubawitsch führt, grüßen junge und alte Kippaträger mit freundlichen Worten und sanften Lächeln.

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Das Jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch Berlin wurde 2007 in Berlin-Wilmersdorf eröffnet. Es ist laut eigener Angaben das größte jüdische Bildungszentrum in Europa und umfasst eine Synagoge mit 250 Plätzen, ein jüdisches Ritualbad, ein koscheres Restaurant, ein Rabbinerausbildungsprogramm namens Jeschiwa, Seminarräume, einen Festsaal, eine Bibliothek, eine Jugendlounge und einen Judaica-Laden.

Zwischen Heiligen Schriften und Überwachungskameras

Rabbiner Yehuda Teichtal sitzt vor einer riesigen Bücherwand mit heiligen Schriften des Judentums. Die Juden seien ein Volk des Wissen. Ohne Fortbildung. Ohne Weiterentwicklung gehe es nicht. An der Wand daneben hängt ein Bildschirm, die Bilder der Überwachungskameras zeigt. „Das ist leider nötig“, sagt er und erinnert an einen versuchten Anschlag auf einen Kindergarten einer jüdischen Glaubensgemeinschaft.

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Judenfeindlichkeit ist auch im Jahr 2023 in Deutschland allgegenwärtig. Erst wenige Tage zuvor offenbarte eine kleine Anfrage der Linken im Bundestag, dass die Zahl antisemitischer Gewalttaten 2022 im Vergleich zum Vorjahr von 63 auf 88 Delikte gestiegen ist. Aber darüber möchte der Rabbiner heute nicht reden. „Es wird immer viel gesprochen über Antisemitismus, aber es ist Zeit, auch die positiven Sachen zu betonen.“

Die Chabad-Lubawitsch-Bewegung gibt es seit 1996 in Berlin. Sie entstand vor 250 Jahren in Weißrussland. Die traditionelle Gemeinschaft wird oft mit dem Begriff ultraorthodox besetzt. Eine Bezeichnung, die Rabbiner Teichtal sachlich falsch findet. „Wir sehen uns als traditionell, aber wir sind auch offen für alle Menschen.“ Egal welche Religion, welche Sexualität. Alle Menschen hätten ihren Platz in der Gesellschaft.

Mobile Synagoge soll Glaubensort und Bildungseinrichtung sein

Er will darüber sprechen, was das Judentum ausmacht. Über Herzlichkeit. Über Feiertage und Traditionen. Über jüdisches Leben, seine Grundsätze und die Geschichte. Um diesen Dialog in die Breite zu tragen, soll am Sonntag Deutschlands erste fahrende Synagoge eingeweiht werden. Die zwei Dinge in die Welt tragen soll. Das Mobil soll einerseits als Informationsquelle dienen, wo sich jeder über jüdisches Leben und Kultur informieren kann. Gleichzeitig soll es auch ein Glaubensort sein, an dem Menschen jüdischen Glaubens Gottesdienste abhalten, jüdische Traditionen feiern oder noch mehr über die Rituale und Feiertage lernen.

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Ein Vorbild seien die Ideen des Rabbiners Menachem Mendel Schneerson. „Auf Dunkelheit müssen wir mit Licht antworten“, sagt Teichtal. Auf Augenhöhe und ohne Vorurteile. Viele Menschen hätten Fragen zum Judentum, aber vielleicht nicht den Mut, sie zu stellen oder sie wüssten nicht, wo sie Antworten finden. „Und dann steht an der Ecke das Mizwa Mobil und ich kann hineingehen und Fragen stellen.“ Auf Plätzen, in Schulen, in Berlin und überall in Deutschland, wo die Menschen mehr über das Judentum wissen wollen.

Die Einweihung der mobilen Synagoge findet am Sonntag, den 5. März um 14.00 Uhr im Hof der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, Münstersche Str. 6, mit Ehrengästen und Menschen aus der Gemeinschaft statt.

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