Eigentlich sind die bisher milden Temperaturen im Oktober mit Blick auf die Heizkosten eine gute Nachricht für die meisten Mieterinnen und Mieter. Nicht so für Christel Hartwig. „Inzwischen ist es in der gesamten Wohnung unerträglich warm, um die 25 Grad – und das über 24 Stunden hinweg“, sagt die Gewobag-Mieterin aus der Blumenthalstraße in Tempelhof-Schöneberg. Denn trotz zweistelliger Temperaturen sind die Heizungsrohre mehrerer Mieter in der Nachbarschaft glühend heiß. Seit Wochen. Und es passiert nichts.
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Seit fast einem Monat werde weiter täglich Energie verschwendet. Betroffen seien mehrere Mieter in der Nachbarschaft. Das Kuriose: Die Heizkörper seien abgestellt. Sie seien auch kalt, nicht jedoch die zu den Heizkörpern führenden Rohre, denen durch die Steigleitung die Wärme zugeleitet wird. „Es ist mittlerweile unerträglich. Anrufe, E-Mails, Meldungen über die Service-App – nichts passiert“, sagt Christel Hartwig.
Mieter sind ratlos und stinksauer
Einige Mieter in ihrem Haus würden bereits überlegen, sich zu weigern, den Energieverbrauch zu zahlen, der sinnlos hinaus gepulvert werde. Ein Treffen des Mieterbeirats sei einberufen. Dort solle das weitere Vorgehen besprochen werden. Zoff mit dem kommunalen Unternehmen sei daher wohl programmiert.

Schließlich würde der Energieverbrauch des Hauses auf alle Mieter umgelegt. „Wir in unserem Haus sind total frustriert, rat- und hilflos und stinksauer“, so Hartwig. Einen Tag nach der Anfrage dieser Zeitung gibt es endlich einen Aushang, dass die Mängelbeseitigung Ende der Woche geplant sei. Nach vier Wochen. Man wolle die Kommunikation mit den Mietern genau analysieren und optimieren, teilt die Gewobag mit. Alle Mieter hätten selbstverständlich das Recht auf eine Mietminderung für den entsprechenden Zeitraum.
Sommerliche Temperaturen im Treppenhaus
Auch Thomas Gilges-Klimt am Klausenerplatz in Charlottenburg-Wilmersdorf ärgert sich seit Wochen. Seine Nachbarn und er hatten mit Beginn der Heizperiode lange Probleme mit ausfallenden Heizungen. Aktuell würden die Heizungen funktionieren. Aber im Treppenhaus hätten am Dienstag wieder 24 Grad geherrscht. Bis zu 42 Grad habe er am Steigrohr der Einrohrheizung gemessen. „Obwohl wir sommerliche Temperaturen erreichen, lässt die Gewobag auf Kosten ihrer Kunden volle Pulle heizen. Was veranlasst das Unternehmen, sich derart unverantwortlich zu Klima und zu ihren Kunden zu verhalten?“, fragt der Mieter.

Und was sagt die Gewobag? Auch diese Probleme an der Heizungsanlage seien der Firma bekannt. Man arbeite mit Hochdruck an einer langfristigen Lösung. Es sei zutreffend, dass sich diese Einrohrheizungen schwerer regulieren lassen. Die Dienstleister seien regelmäßig vor Ort und würden Kontrollen durchführen. Vor dem Hintergrund der negativen Rückmeldungen der Mieter würden diese aktuell verstärkt stattfinden.
Am Klausenerplatz sei ein Ingenieurbüro beauftragt, die Anlage auf technische Mängel hin zu untersuchen. Einrohrheizungen würden im Zuge von Erneuerungen und energetischer Modernisierungen ersetzt. Beschwerden über die Gewobag betreffen häufig Mängel an den Wohnungen und ausfallende Heizungen. Gilges-Klimt setzt sich daher für Sanierungen ein. Vor gut zwei Jahren hat er die Initiative „Wärmewende Block 103“ gegründet, um die Gewobag im Kiez zu mehr Energieeffizienz und Innovationen zu bewegen.
Zum Hintergrund: Bei einer sogenannten Einrohrheizung werden die Heizkörper in einer Ringleitung der Reihe nach mit Warmwasser durchströmt. Dadurch zirkuliert permanent warmes Wasser, selbst dann, wenn alle Heizkörper abgestellt sind. Sind die Ringleitungen schlecht isoliert, wird auch dann Wärme abgegeben, wenn die Heizkörperventile geschlossen sind. Zudem wird aufgrund der Reihenschaltung der einzelnen Heizkörper eine höhere Vorlauftemperatur benötigt. Die Alternative sind moderne Zweirohrsysteme.
Haben Sie im Alltag Situationen beobachtet, in denen sinnlos Energie verpulvert wird? Wir freuen uns über Ihre Zuschriften unter aktionen@morgenpost.de mit dem Stichwort „Energieverschwendung“. Vielen Dank!


