Für die bislang nicht gesicherte Finanzierung der großen Weihnachtsbeleuchtung am Berliner Kurfürstendamm wollen die dortigen Geschäftsleute nun Sponsoren suchen und Spenden sammeln. "Wir würden es sehr bedauerlich finden, wenn der Kudamm in der kommenden Weihnachtszeit dunkel bleibt", hieß es in einem Aufruf der AG City, dem Zusammenschluss der Geschäfte, am Dienstag.
Die Menschen bräuchten gerade in der besinnlichen Zeit Hoffnung und Zuversicht. Gebeten wurde um finanzielle Unterstützung, "damit der Kurfürstendamm auch in diesem Jahr wieder zu einem funkelnden Weihnachtswintermärchen wird".
Die AG City kritisierte, dass es vom Senat kein Geld gebe. Dabei gehe es bei der Beleuchtung kaum ums Energiesparen. Die modernen LED-Lämpchen verbrauchten nur Strom für 8000 bis 10.000 Euro, "also ein Bruchteil der Gesamtkosten". Zudem wolle man die Stromkosten in diesem Jahr noch mal halbieren.
Weihnachtsbeleuchtung am Kudamm: Das Teuerste ist der Auf- und Abbau
Das Teuerste sei der Auf- und Abbau von 140 Kilometern Lichterketten in den Bäumen an der kilometerlangen Strecke entlang des Kudamms und der Tauentzienstraße. Wie hoch die Gesamtkosten genau sind, wurde nicht gesagt. Es soll um mehrere Hunderttausend Euro gehen.
Auch im vergangenen Jahr hatte es lange Ungewissheit gegeben. Der Senat hatte erst nach Diskussionen und wegen der Corona-Pandemie etwa die Hälfte der Kosten übernommen. Die andere Hälfte kam von den Geschäften und Sponsoren.
In diesem Jahr hatte der Senat wegen der Energiekrise appelliert, private Lichter und die weihnachtliche Beleuchtung zu reduzieren, damit nennenswerte Einsparungen erreicht werden.
Am Dienstag bekräftigte der Senat, dass er die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung von Kudamm und Unter den Linden in diesem Jahr nicht mit Geld unterstützen will. „Wir können doch niemandem ernsthaft vermitteln, dass wir Hunderttausende Euro an Steuergeld für Weihnachtslichter ausgeben, während alle zum Sparen aufgerufen sind und wir Entlastungspakete für Menschen und Unternehmen schnüren, die mit steigenden Energiepreisen kämpfen“, teilte Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (SPD) mit. „Das passt schlicht nicht zusammen.“
Senat beschloss Wegfall der Unterstützung schon 2020
Wenn sich private Sponsoren engagieren wie in den vergangenen Jahren und dabei energiesparende Systeme eingesetzt würden, „ist das gut und erfreulich“, betonte Schwarz.
Der Senat habe bereits 2020 beschlossen, die finanzielle Förderung der Weihnachtsbeleuchtung ab 2022 nicht fortzusetzen. Vergangenes Jahr sei die Weihnachtsbeleuchtung in Charlottenburg am Kudamm mit 250.000 Euro, in Mitte am Boulevard Unter den Linden mit 160.000 Euro und in Neukölln mit 10.000 Euro unterstützt worden.
Die Bürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Kirstin Bauch (Grüne), kritisierte, für den Kudamm sei wegen der touristischen Bedeutung der Weihnachtsbeleuchtung nicht der Bezirk, sondern das Land verantwortlich - und das solle auch Geld zuschießen. Es gebe weiterhin Beratungen mit der AG City, dem Senat und den Tourismuswerbern. Man versuche, Sponsoren zu finden, um zumindest eine "Grundbeleuchtung" sicherzustellen.
Adventsbeleuchtung "auch ein Zeichen der Hoffnung"
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf setzt weiterhin auf Glanz und Lichter und betonte, bei der Beleuchtung der Einkaufsstraßen handele es sich um eine „private Initiative“ der Geschäfte. „Eine stimmungsvolle Adventsbeleuchtung kann für Menschen in der Krise auch ein Zeichen der Hoffnung sein.“
In Tempelhof-Schöneberg erklärte das Bezirksamt, die Weihnachtsbeleuchtung werde „definitiv reduziert“ und eher „punktuell“ eingesetzt. Es gebe weniger Licht, und es werde kürzer angeschaltet.
Marzahn-Hellersdorf wies auf die Kosten für die Betreiber von Weihnachtsmärkten und Geschäfte hin. Das Aufhängen der Lichter sei immer teuer und teilweise schon in den vergangenen Jahren ausgefallen. In Neukölln soll geprüft werden, welche Einsparungen durch weniger Licht an der Karl-Marx-Straße überhaupt möglich seien.
dpa


