Bauvorhaben

Regenbecken soll mit 200 günstigen Wohnungen überbaut werden

Einzigartiges Bauprojekt in Berlin: Auf Pfählen sollen Häuser über dem Regenrückhaltebecken an der Forckenbeckstraße gebaut werden.

So soll die Überbauung des Regenbeckens an der Forckenbeckstraße aussehen.

So soll die Überbauung des Regenbeckens an der Forckenbeckstraße aussehen.

Foto: deluse architects

Dieses Bauvorhaben ist das erste seiner Art in Berlin: Das Regenrückhaltebecken an der Forckenbeckstraße in Schmargendorf soll mit 200 günstigen Wohnungen überbaut werden. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo will insgesamt sieben Häuser auf einem Plateau über dem Wasser errichten. Sie stellte das Projekt in der jüngsten Sitzung des Bauauschusses Charlottenburg-Wilmersdorf vor. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) und seine Fraktion hatten Vorbehalte – wegen des Umweltschutzes. Das Becken und seine Umgebung sind offiziell als Grünfläche anerkannt.

Die Gebäude sollen auf Pfählen von 4,50 Metern Höhe errichtet werden. Diese Höhe könnte der Wasserstand im Regenrückhaltebecken bei maximalem Niederschlag erreichen. Wenn das Becken nicht mit Wasser gefüllt ist, könnten die Bewohner des Neubaus die Fläche in ihrer Freizeit nutzen, so die Idee des Architekten Peter Deluse. Basketball- oder Skateboardplätze könnten entstehen.

Häuser haben bis zu sechs Geschosse

Die Hälfte der Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen soll für 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden, die andere Hälfte für etwa 11 Euro. Die Häuser sollen bis zu sechs Geschosse umfassen. Sie sind an den Rändern des Plateaus so verteilt, dass in ihrer Mitte Platz für eine kleine Straße ist.

Zudem will die Degewo die Funktionsweise des Regenbeckens verbessern. Bislang fängt das Becken Regenwasser auf und leitet es in den Hubertussee ab, ohne es vorher zu klären. Deluse betonte, dass es sich um „kontaminiertes Wasser“ handle - ständig müssten Schlamm und sogar Gegenstände wie Fahrräder vom Grund des Beckens gefischt werden.

Degewo will Kläranlage in Regenbecken einbauen

Das alles führt zu Gestank im Sommer, wenn die Rückstände im Becken weiter faulen. Die Degewo will laut ihrem Vorstandsmitglied Christoph Beck Abhilfe schaffen: Sie plant, gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben eine Art Kläranlage einzubauen. Das Wasser würde dann nicht mehr stinken.

Johannes Heyne, baupolitischer Sprecher der FDP, sagte, er sehe das Projekt als Chance, „mehrere Fliegen mit einer Klappe“ zu schlagen – zum einen die Reinigung des Wassers, zum anderen den Bau von günstigem Wohnraum. Der Planungsansatz sei „dazu geeignet, der seit Jahren bestehenden Wohnungsnot im Land Berlin zu begegnen", so Heyne.

Bebauung von Grünflächen in Charlottenburg-Wilmersdorf verboten

Er drängte darauf, im Ausschuss einen Antrag zu beschließen, der das Bezirksamt zu einer Prüfung und dem Aufstellen eines Bebauungsplan an der Forckenbeckstraße auffordert. Die Fraktionen sollten dafür „nicht bis zum Ende der nächsten Sommerpause warten.“

Ein solcher Antrag ist als gesetzliche Grundlage für das Bauvorhaben nötig. Denn offiziell ist das Regenbecken samt seiner Umgebung eine Grünfläche. Die Bebauung von Grünflächen ist aufgrund eines Bürgerentscheid in Charlottenburg-Wilmersdorf verboten.

Baustadtrat befürchtet Folgen für die Umwelt

Der Bezirk müsste die Fläche, die dem Land Berlin gehört, also umwidmen. Das nehme einige Zeit in Anspruch, sagte Baustadtrat Schruoffeneger. In einem Dokument, das der Berliner Morgenpost vorliegt, spricht sich Schruoffeneger gegen das Bauvorhaben aus.

„Insbesondere in einer zunehmend verdichteten Stadt mit Bevölkerungszuwachs ist es wichtig, dass vorhandene Grünflächen langfristig gesichert werden“, heißt es in dem Schreiben. Ein Neubau würde nicht nur das Landschaftsbild zerstören, sondern auch Teile der Natur.

SPD sieht Regenbecken nicht als „Biotop"

Daraufhin beteuerte Beck, die Degewo wolle nur die versiegelte Fläche am Grund des Beckens überbauen, nicht aber den natürlichen Boden. Wolfgang Tillinger, baupolitischer Sprecher der SPD, fügte hinzu, das Becken sei „nicht das erhaltenswerte Biotop“ als das es Schruoffeneger darstelle. Er fragte den Stadtrat daraufhin, ob er unbefangen genug sei, um das „Bauvorhaben objektiv zu begleiten.“

Schruoffeneger entgegnete, wenn der Ausschuss Anträge für das Projekt beschließe, werde er diesen Folge leisten. Schließlich einigten sich die FDP und die SPD auf einen gemeinsamen Antrag, mit dem Ziel, das Vorhaben so schnell wie möglich zu realisieren. Die CDU trat dem Antrag bei.

Für ihn stimmten schließlich alle Fraktionen außer die Grünen. Ansgar Gusy, Sprecher der Grünen für Baupolitik, betonte am Ende der Sitzung, er sehe „den Druck auf dem Berliner Wohnungsmarkt“ - dieses Problem könne der Bezirk allein aber nicht lösen. Wichtiger sei „auf den Klimawandel und seine Folgen zu achten", so Gusy.