Gastronomie

Wegen Corona-Krise: Erste Bezirke erlauben Gasheizstrahler

Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf erlauben Wirten das Aufstellen von Heizstrahlern. Weitere Bezirke könnten folgen.

Wirte in Charlottenburg-Wilmersdorf dürfen bis zum 31. März 2021 Heizstrahler aufstellen.

Wirte in Charlottenburg-Wilmersdorf dürfen bis zum 31. März 2021 Heizstrahler aufstellen.

Foto: pa

Berlin. Gute Nachrichten für Gastwirte in Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf: In den Außenbereichen dürfen nun Heizpilze aufgestellt werden. In beiden Bezirken sind sowohl elektro- als auch gasbetriebene Heizstrahler erlaubt, in Charlottenburg-Wilmersdorf jedoch nur in bestimmten Bereichen.

„Nur außerhalb der überdachten Bereiche dürfen gasbetriebene oder elektrische Wärmequellen aufgestellt werden“, sagt Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU). Zudem dürfen Wirte Heizstrahler nicht auf Flächen stellen, die ihnen vom Bezirksamt wegen der Corona-Krise zur Nutzung zur Verfügung gestellt wurden. Dabei appelliert Herz an die Gastronomen, „klimaschutzfreundliche Geräte zu benutzen und verantwortungsvoll mit den Geräten umzugehen.“

Der Ordnungsstadtrat veranlasst eine weitere Maßnahme, um Wirte während der kälteren Monate zu unterstützen: Sie dürfen die hauseigenen Terrassen mit einem Dach oder einer sogenannten Einhausung, also zum Beispiel provisorisch aufgestellten Zelten, versehen.

Das Bezirksamt Reinickendorf hat angesichts der existenzbedrohenden Situation für Gastwirte in der Corona-Krise einstimmig beschlossen, dass Gastwirte Heizpilze aufstellen dürfen. „Da Heizpilze auf privaten Flächen ohnehin genutzt werden dürfen, stellt sich das Bezirksamt nicht dem Wunsch entgegen, diese auch auf öffentlichen Flächen einsetzen zu dürfen“, hieß es. Auch wenn die mit Gas betriebenen Geräte erlaubt sind, empfiehlt der Bezirk mit Rücksicht auf das Klima, elektrisch betriebene Heizstrahler mit Ökostrom zu verwenden.

FDP will das Verbot für ganz Berlin aufheben

Eigentlich ist der Betrieb von Heizstrahlern – ob sie nun mit Strom oder Gas betrieben werden – seit Anfang 2009 in allen Bezirken untersagt. Sie gelten als umweltschädlich. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja plädiert nun jedoch für eine kurzfristige Aufhebung des Verbots in ganz Berlin. Damit wolle er die Gastronomie, die wegen der Pandemie unter Umsatzeinbußen leidet, stärken, sagt Czaja. Mithilfe von Heizstrahlern können Gastwirte auch in kälteren Monaten ihre Außenbereiche nutzen.

„Bislang dürfen die Bezirke entscheiden, wie sie mit dem Aufstellen von Heizpilzen umgehen“, sagt der FDP-Fraktionschef. Deswegen hatte seine Partei, teilweise gemeinsam mit der CDU, in fünf Bezirken Anträge eingebracht, in denen um eine Duldung der Geräte gebeten wurde: in Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf. Nun möchte die FDP derartige Regelungen zur Ländersache machen. Dies ist Czaja zufolge möglich, wenn der Senat von seinem Eingriffsrecht gemäß dem Allgemeinen Zuständigkeitsgesetz Gebrauch macht – damit könnte er landesweit die Erlaubnis erteilen.

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Einen entsprechenden Antrag hat die FDP ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Dort steht er am 1. Oktober zur Diskussion. „Wir werden nicht locker lassen, bis eine Entscheidung getroffen wird, damit die Gastwirte für die kommenden Monate endlich Klarheit haben“, sagt Czaja.

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Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) schließt die künftige Duldung von Heizstrahlern in Berlin nicht aus. Mit Blick auf Herbst und Winter seien nun „unkonventionelle Lösungen für die Gastronomie gefragt“, sagt Pop. Dabei betont sie, dass der Fokus auf Geräten liegen sollte, die elektrisch betrieben werden. Für die aufkommenden Umweltschäden sollte es jedoch eine Kompensation geben, fordern die grünen Senatsmitglieder

Sie wollen einen festgelegten autofreien Sonntag in Berlin – um entsprechend Emissionen einzusparen, die durch das Aufstellen von Heizstrahlern freigesetzt werden. Am Freitag will Pop Gespräche mit der Gastronomie sowie der Industrie- und Handelskammer führen, um über Maßnahmen für Gastwirte in den kommenden Monaten zu beraten. Die FDP könnte sich einen autofreien Tag als Kompensation für die Emissionen von Heizstrahlern vorstellen. Dieser sollte jedoch „freiwillig“ sein, so Czaja.