Museum

Ein königlicher Standort: Käthe-Kollwitz-Museum zieht um

Von der Fasanenstraße zieht das Käthe-Kollwitz-Museum ab 2022 in den Theaterbau des Schlosses Charlottenburg.

Das Kollwitz-Museum wird 2022 in den repräsentativen Theaterbau des Schlosses Charlottenburg ziehen.

Das Kollwitz-Museum wird 2022 in den repräsentativen Theaterbau des Schlosses Charlottenburg ziehen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Die Witterung hat deutlich zugeschlagen an der Fassade des ehemaligen Schlosstheaters in Charlottenburg. Vom berühmten Prunk der Preußenkönige fehlt auch innen jede Spur. So groß ist der Kontrast zwischen herrschaftlichem Schlossbau und den proletarischen Werken der Künstlerin aus Königsberg daher gar nicht, wie auf der Pressekonferenz zum Umzug des Käthe-Kollwitz-Museums am Donnerstag betont wird. Zumindest noch nicht.

Die schlichte Innengestaltung ist ein weiterer Punkt, der für den Theaterbau von Carl Gotthard Langhans als zukünftigem Zuhause der Institution spricht. Oder wie der neue Vermieter Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, es nennt: „Eine gute Kombination der Widersprüche des 20. Jahrhunderts.“

Noch steht über dem Eingang nur ein einfaches „Museum“. Geht es nach der Direktorin der privat getragenen Kollwitz-Sammlung, Josephine Gabler, wird aber schon bald der Name der sozialistischen Grafikerin vor den Lettern stehen: „Das wäre wunderbar.“ Für sie handelt es sich ganz allgemein um eine Win-Win-Situation für Museum, Stiftung und Land Berlin, das die Sammlung mit 360.000 Euro im Jahr bezuschusst und sich finanziell an Umzug und späteren Investitionen beteiligt.

Käthe-Kollwitz-Museum: Neue Räumlichkeiten ab Sommer 2022

Vom Sommer 2022 an präsentiert sich die Dauerausstellung der Werke von Käthe Kollwitz im Theaterbau. Ab dann werden auch Dach und Fassade des Gebäudes umfassend von außen saniert.

Beim Einzug sollen die Museumsbesucher davon drinnen aber nichts mitbekommen. Das Motto lautet: „Die Baustelle muss draußen bleiben!“

Insgesamt 750.000 Euro sollen Umzug und Sanierung laut aktuellen Planungen kosten. Zusätzliche Belastungen aufgrund der Klimatisierung sind laut dem Vorstandsvorsitzenden des musealen Trägervereins, Eberhard Diepgen, nicht auszuschließen. Dafür sei der Mietvertrag zum 1. April 2022 bereits für 20 Jahre abgeschlossen, mit Option auf Verlängerung. An den laufenden Kosten, die das Museum momentan tragen muss, ändere sich im Großen und Ganzen nichts.

Bis Anfang 2022 hat zudem der bisherige Standort an der Fasanenstraße weiterhin durchgehend geöffnet, wie Gabler betont. „Wir möchten das Museum nur so kurz wie möglich geschlossen halten“. Eine Geste vor allem für die treuen Besucher, die wegen des drohenden Aus bereits besorgt waren.

„An der Fasanenstraße war ein Museum nicht mehr möglich“

Denn die Kulturstätte hatte zuletzt Probleme mit ihrem Vermieter, dem Mäzen Bernd Schulz. Dieser plante schon seit langem ein Exil-Museum – möglicherweise in den bisherigen Räumlichkeiten der Käthe-Kollwitz-Sammlung. „An der Fasanenstraße war ein Museum nicht mehr möglich“, sagt Diepgen mit einem kleinen Seitenhieb auf Schulz.

Aus vielen Gründen sei der Schlossbau laut Diepgen Standorten in Prenzlauer Berg, wo Käthe Kollwitz den Großteil ihres Lebens verbrachte, vorgezogen worden. Im Langhans-Theater verdoppelt

sich etwa die Fläche, die für neue Sonderausstellungen genutzt werden kann. So könne auch die Zusammenarbeit mit anderen Berliner Kollwitz-Sammlern intensiviert werden.

Im Schlosstheater sind die Ausstellungen dank Aufzug barrierefrei, und durch die verbesserte Klimatisierung können Werke gezeigt werden, die zuvor geschützt im Depot lagerten. Allerdings steht der Dauerausstellung bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten 2024 nur ein sehr kleiner Raum im rechten Untergeschoss des Theaters zur Verfügung. Den teilt sie sich zudem mit dem anderen Mieter des Baus, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte. Erst zwei Jahre nach dem Umzug kann die Kollwitz-Stätte im ersten Obergeschoss zwei Räume für sich und ihre Sonderausstellungen beanspruchen. „Ist das Museum denn überhaupt so groß?“, murmelt eine Besucherin, als Gabler die leeren Säle präsentiert.

Ein Manko gibt es noch, wie die Direktorin bei aller Euphorie eingesteht. Die hellen Räumlichkeiten mit ihren großen Fenstern und der schönen Aussicht auf die Schlossgärten müssen komplett abgedunkelt werden, um die Arbeiten vor dem Lichteinfall zu schützen. „Das war in der Fasanenstraße leider nicht anders.“