Umbau

Dreieck Funkturm: City West drohen Staus

Das Autobahndreieck Funkturm wird umgebaut. Die FDP fürchtet Chaos und Dauerstau auf den Ausweichrouten in Halensee und Grunewald.

Die Bauarbeiten am Autobahndreieck Funkturm sollen frühestens 2023 beginnen und werden mindestens sieben Jahre dauern.

Die Bauarbeiten am Autobahndreieck Funkturm sollen frühestens 2023 beginnen und werden mindestens sieben Jahre dauern.

Foto: pa

Berlin. Es wird eines der bundesweit größten Verkehrsprojekte sein – und es führt zu Diskussionen: Nachdem erst vor wenigen Tagen Anwohner der Siedlung Eichkamp auf die Straße gegangen waren, ruft der ab 2021 anstehende Umbau des Autobahndreiecks Funkturm nun die FDP auf den Plan. Der Abgeordnete Marcel Luthe befürchtet, dass die Bauarbeiten in in Halensee und in seinem Wahlkreis in Grunewald zum Verkehrschaos führen.

Denn zeitgleich mit den Arbeiten am Dreieck Funkturm würde auch an der Rudolf-Wissell-Brücke auf dem inneren Stadtring und an der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf gebaut. Auf den Ausweichrouten in die City West werde es daher lange Staus geben. „Hier wird sehenden Auges der Kollaps des Pendler- und Wirtschaftsverkehrs geplant und gleichzeitig Grunewald und Halensee auf Jahre lahmgelegt“, sagt Luthe.

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Autobahndreieck Funkturm soll neu gestaltet werden

Das in die Jahre gekommene Autobahndreieck Funkturm soll, wie berichtet, komplett neu gestaltet werden. Dabei sollen Ein- und Ausfahrten neu geordnet werden, um die Verkehrsführung besser zu organisieren. Die „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“, kurz Deges, hat dazu im Auftrag des Senats einen Entwurf vorgestellt (siehe Grafik). Das für den Umbau nötige Planfeststellungsverfahren wird laut Verkehrsverwaltung „nicht vor Anfang 2021“ eingeleitet werden. Die ersten Bagger könnten dann ab 2023 anrücken.

Hintergrund: Dreieck Funkturm wird ab 2023 sieben Jahre zur Baustelle

Die Bauzeit soll bei acht Jahren liegen. Es könnte aber auch deutlich länger dauern. Denn: „Wesentliche Pufferzeiten für Risiken und unvorhersehbare Ereignisse sind darin nicht enthalten“, wie die Senatsverwaltung für Verkehr in ihrer noch unveröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Politikers Luthe schreibt.

Eine Ersatztrasse verbindet dann die Avus mit der A100

Laut Senat sollen die Autos das Autobahndreieck während der Bauzeit weiterhin passieren können. Auf der Avus (A115) könnten Fahrzeuge bis zum Abschluss der Arbeiten die bestehende Trasse nutzen, weil die neue Fahrbahn ohnehin versetzt gebaut werden soll, nämlich auf dem Gelände des jetzigen Rasthofs Avus. Der Verkehr auf dem inneren Stadtring (A100) soll auf zu errichtende provisorisch Ersatztrassen geführt werden. „Eine Umfahrung der Baustelle ist planmäßig nicht vorgesehen, da der Verkehr auf den Autobahnen aufrechterhalten werden soll“, schreibt denn auch die Verkehrsverwaltung.

„Ausweichverkehre“, so schreibt die Verkehrsverwaltung im besten Amtsdeutsch, wird es aber dennoch geben. Denn die Autobahnauffahrt Messedamm / ICC soll während der Bauarbeiten außer Betrieb gehen. Die Verwaltung erwartet, dass Autofahrer auf dem Stadtring dann auf die Anschlussstellen Kaiserdamm und Kurfürstendamm ausweichen. Auf der Avus rechnen sie mit mehr Verkehr an der Auffahrt Hüttenweg. Fahrzeuge, die aus Wannsee und Zehlendorf kommend in die Innenstadt fahrend, dürften dann vor allem auf der Königsallee für mehr Verkehr sorgen. Laut einer Prognose werden dort dann pro Tag fast 11.000 Autos unterwegs sein. Aktuell sind es laut einer Verkehrszählung „nur“ 7.950 Autos.

Während die Verkehrsverwaltung trotz des Zuwachses auch für die Zeit der Bauarbeiten nicht mit einer Überlastung der Königsallee rechnet, befürchtet der FDP-Abgeordnete Luthe, dass sich der Verkehr im Berufsverkehr ballen wird. Die Schließung des Anschlusses Hüttenweg während der Arbeiten am Dreieck Funkturm werde daher „massive Staus“ verursachen.

Autobahntunnel unter der „Schlange“ wird saniert

Mit dem Autobahntunnel unter dem Wohnhaus an der Schlangenbader Straße soll ab 2021 ein weiterer Abschnitt der Stadtautobahn saniert werden. Die Arbeiten sollen zwar Anfang 2024 abgeschlossen sein. Luthe befürchtet aber, dass sich die Sanierung verzögern könnte. Um die Baustelle an dem Tunnel unter dem auch als „Schlange“ bezeichneten Wohngebäude zu umfahren, würden Autofahrer auf den Hohenzollerndamm und die Clayallee ausweichen.

Autofahrer in seinem Wahlkreis seien somit gleich von zwei Baustellen betroffen. Wegen der Arbeiten für einen Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke ab 2023 drohe die City-West vollends im Chaos zu versinken. Mit Dauerstau rechnet Luthe für den Bereich am Rathenauplatz, wo Autofahrer aus Norden und Süden aufeinander träfen. Arbeiten müssten durch bessere Planung schneller erledigt werden. „Der vorsätzliche oder fahrlässige Schlendrian bei der Planung, Durchführung und Überwachung von Straßenbaumaßnahmen ist nicht nur ärgerlich, sondern verursacht immense finanzielle Schäden“, kritisiert Luthe.

Die Verkehrsverwaltung weist den Vorwurf zurück. „Die Planungen werden grundsätzlich aufeinander abgestimmt, so dass die Mehrbelastung einzelner Straßen im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit bleibt“, sagt Behördensprecher Jan Thomsen. Vollsperrungen würden vermieden, so auch auf der Rudolf-Wissell-Brücke und am Dreieck Funkturm. Die Königsallee könne den zusätzlichen Verkehr verkraften. Die Arbeiten an Schlangenbader Straße seien zum Start der Arbeiten an der Rudolf-Wissell-Brücke und am Dreieck Funkturm bereits abgeschlossen.

IHK Berlin warnt vor Verkehrskollaps

„Die gesamte Wirtschaft Berlins ist auf ein leistungsfähiges Autobahndreieck Funkturm angewiesen. Wir fordern daher von der Berliner Politik ein klares Bekenntnis zu einer effizienten und verkehrssicheren Streckenführung“, ließ Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, am Dienstag mitteilen. Zudem müssten Vollsperrungen während der Umbauzeit vermieden und die Bauphase so kurz wie möglich gehalten werden.