City West

Kein Platz für fairen Handel in der Gedächtniskirche

Der Weltladen soll erst der Sanierung weichen, dann einer Ausstellung. Die Geschäftsführerin erhebt Vorwürfe gegen die Gemeinde.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wird seit 2010 grundsaniert.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wird seit 2010 grundsaniert.

Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Berlin. Seit mehr als 40 Jahren verkauft der Weltladen fair gehandelte Produkte im Glockenturm der Gedächtniskirche. Am 17. Februar soll damit Schluss sein – dauerhaft. Das, so die Geschäftsführerin Renate Neumann, habe sie im Januar von der Kirchengemeinde erfahren. Der Grund: Sanierungsarbeiten an der Fassade des Turms.

Eine Grundsanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche läuft bereits seit 2010. Arbeiten an dem Glockenturm waren schon lange in Planung und sollen nach Verzögerungen in diesem Jahr starten, sagt Pfarrer Martin Germer. Der Laden müsse den Turm deshalb verlassen.

Zwar wisse sie seit Frühjahr 2018 von einem vorübergehenden Umzug. „Wir hatten aber immer damit gerechnet, dass wir nach der Bauzeit wieder in die Räumlichkeiten einziehen können“, sagt Geschäftsführerin Neumann. Dass der Laden auch nach der Sanierung keinen Platz in der Gedächtniskirche mehr hat, sei erst jetzt mitgeteilt worden.

Umfang der Bauarbeiten soll erst jetzt bekannt geworden sein

Germer streitet das ab. „Sanierungen am Turm sind schon lange geplant. Ich habe dem Laden seit vielen Jahren gesagt, dass die Zukunftspläne nicht vorhersehbar sind und dass es möglich ist, dass die Räumlichkeiten nur noch begrenzt zur Verfügung stehen.“ Erst Anfang Januar sei das Ausmaß der anstehenden Bauarbeiten bekannt geworden, so der Pfarrer. Anfänglich waren nur Arbeiten an der Außenfassade angedacht. Dadurch habe sich die Notwendigkeit ergeben, den Umzug des Ladens so kurzfristig umzusetzen.

Für die Nutzung der Räumlichkeiten gebe es anschließend ein neues Konzept, entwickelt in einer Arbeitsgruppe der Kirchen-Stiftung. Geplant seien eine Erweiterung der Ausstellung und ein Museums-Café. „Das ist ein wichtiger Bestandteil moderner City-Kirchen-Arbeit. Es braucht einen Ort, wo die vielen Besucher verweilen können“, sagt Germer. Der Weltladen hätte auf dem begrenzen Raum der Gedächtniskirche dann keinen Platz mehr. Bis Ende des Jahres 2020 stelle die Kirche den Betreibern des Weltladens deshalb einen Ersatzraum im Kirchenfoyer zur Verfügung. In der Zeit können die Betreiber eine neue Verkaufsfläche finden, so Germer.

Geschäftsführerin rechnet mit Insolvenz

Eine Lösung, die Geschäftsführerin Neumann nicht zufrieden stellt. Sie rechne damit, dass deutlich weniger Kunden ihren Weg in die Ersatzräume finden, was sich laut Neumann negativ auf den Umsatz auswirken werde. Aktuell rechnet die Geschäftsführerin damit, Insolvenz anmelden zu müssen. „Wir hätten erwartet, dass wir eine längere Kündigungsfrist kriegen“, sagt Neumann. Der Laden selbst sei an mehrere Verträge wie seine Versicherung gebunden, auf dessen Kosten man nun sitzen bleibe. Eine kleine GmbH wie den Weltladen könne man nicht innerhalb von drei Wochen auflösen.

Der Weltladen konnte die Kirchenfläche immer umsonst benutzen, sagt Germer. Erst seit 2015 hätten die Betreiber freiwillig ein sogenanntes monatliches Nutzungsgehalt gezahlt, einen Mietvertrag habe es nie gegeben. Die Kirche habe das Geld laut Germer in ihren Erhalt investiert.