Autobahnkreuz Funkturm

Autobahndreieck Funkturm: Eine Mauer gegen den Lärm

Bezirk und Anwohner geben Deges auf ihrer Promo-Tour für Umbau des Autobahnkreuzes am Funkturm eine Absage

Zum Schutz der Siedlungen Eichkamp und Heerstraße will die Deges eine rund acht Meter hohe Mauer bauen

Zum Schutz der Siedlungen Eichkamp und Heerstraße will die Deges eine rund acht Meter hohe Mauer bauen

Foto: Deges

Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Protest der Anwohner ist mindestens so massiv wie das Objekt, um das es geht: Acht Meter hoch sollen die Schallschutzwände entlang der Siedlung Eichkamp und Heerstraße werden, wenn das Autobahndreieck Funkturm umgebaut wird. Trotz der Empörung hat die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) ihre im November vorgestellten Pläne für den Umbau des Autobahndreiecks bislang nicht verändert.

Auch die Wünsche oder Alternativvarianten, wie sie der Bezirk und Verbände wie der ADFC vorgeschlagen haben, sind bislang nicht in das Konzept eingeflossen, mit dem die Planer unverdrossen zwischen Informationsveranstaltungen und Workshops tingeln. Deges-Bereichsleiter Andreas Irngartinger räumte am Mittwochabend auf einer öffentlichen Ausschusssitzung im Rathaus Charlottenburg denn auch ein: „Der Überraschungseffekt wird deshalb eher überschaubar sein.“

A115 könnte ber das Gelände des Avus-Rasthofs führen

Irngartinger und Projektleiter Burkhard Pott stellten auf ihrer Werbetour durch die Kieze auch am Mittwoch wieder dieselbe „Vorzugsvariante mit der A115 in Mittellage“ vor, die das marode Straßenkonstrukt samt aller Brücken ertüchtigen soll. Das Autobahndreieck, das in den 60er-Jahren für eine tägliche Belastung von rund 20.000 Fahrzeugen ausgelegt worden war, muss heute mehr als 230.000 bewältigen. Der Umbau soll Irngartinger und Potts zufolge keine Erweiterung der Kapazität, sondern lediglich eine Sanierung und verkehrstechnische Anpassung darstellen, auch wenn die Zubringerautobahnen rund um Berlin derzeit massiv ausgebaut würden.

Dieser Variante zufolge wird die A115 künftig mitten über das Gelände des Avus-Rasthofs führen. Der Rasthof wird geschlossen. Als Ersatz für die wegfallenden Lkw-Stellplätze soll der Parkplatz Parforceheide an der A115 dienen. Die Gebäude des Avus-Motels und der Avus-Tribüne sind denkmalgeschützt und bleiben laut Deges erhalten.

Die Anschlussstelle Messedamm, die heute auf der A100 in das Autobahndreieck eingebunden ist, wird verlegt. Die neue Anschlussstelle ist laut Entwurf über Jafféstraße und Messedamm erreichbar, quert mit einer neuen Brücke die S-Bahn-Trasse und führt zur Eichkamp­­straße, wo die Zufahrtsrampen dann über Unterführungen erreichbar sein sollen. Die Siedlungen Eichkamp und Heerstraße würden durch eine Erhöhung der Schallschutzwände auf rund acht Meter vom Straßenlärm der Autobahn abgeschirmt. Auch an der Dernburgstraße sollen erstmals solche Lärmschutzwände gebaut werden.

Nicht in die Planung der Deges eingeflossen ist bisher auch das Positionspapier des Bezirksamts, das den Plänen der Deges in vielen Punkten widerspricht. „Ich sehe da grundsätzliche Differenzen“, sagte Stadtentwicklungsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) am Mittwochabend. So sollen beispielsweise durch eine Reduzierung der Trassierungsplanung auf 60 beziehungsweise 50 Stundenkilometer in den Übergangsbereichen von der Avus auf die A100 die Kurvenradien verringert und Einfädelbereiche verkürzt werden. Diese Reduzierung soll Schruoffeneger zufolge ermöglichen, dass die bisher in Höhe der Jafféstraße geplante Autobahnabfahrt in den Bereich der Messehalle 7 verschoben werden kann, um von dort aus auch den potenziellen Wohnungsbaustandort Güterbahnhof Grunewald zu erschließen. Positionen, der sich die Fraktionen in der BVV unisono anschließen.

CDU: "Das ist einfach eine schlechte Planung"

„Ich finde, es ist ein Witz, dass Sie den Anwohnern acht Meter hohe Lärmschutzwände gegen Lärm verkaufen wollen, der durch Ihre Planung erst entsteht“, sagte die Grünen-Abgeordnete Petra Vandrey. Der SPD-Verkehrsexperte Jürgen Murach kritisierte, dass bei der Vorzugsvariante nicht bedacht sei, dass Berlin daran arbeite, mehr Pendler von der Stadtautobahn auf die Schiene zu bringen. Und die FDP-Verordnete Stephanie Fest monierte, dass Ideen wie eine Überdeckelung der A100, für die es bereits Architektenpläne gebe, nicht als Alternativen entwickelt würden. „Das ist einfach eine schlechte Planung“, beschwerte sich der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Joachim Fenske. Der SPD-Verordnete Wolfgang Tillinger unterstellte: „Sie machen hier einen auf Bürgerbeteiligung, und im stillen Kämmerlein entscheiden Sie dann, dass Sie doch einfach weitermachen wie bisher.“

Das wollten Irngartinger und Potts indes nicht auf sich sitzen lassen: „Die Deges würde nicht so viel Zeit und Geld investieren, wenn sie nicht die Freiheit hätte, noch etwas zu ändern.“ Ideen und Anregungen würden durchaus gesammelt, Fragen beantwortet. Viele Vorschläge wie Radschnellwege oder Böschungen statt Lärmwänden könnten indes nicht einfach so umgesetzt werden, sondern müssten erst vom Senat beauftragt werden. Immerhin habe die Senatsverkehrsverwaltung jetzt eine Machbarkeitsstudie für eine Überdeckelung der A100 bei der Deges in Auftrag gegeben, wie sie im Bezirk gefordert wird. „Wenn das Land Berlin mehr will, dann muss das Land Berlin auch mehr bezahlen. Das ist dann nicht mehr Sache des Bundes“, so Irngartinger.

Am 26. und 27. Februar gebe es jeweils um 17 Uhr erneut zwei Workshops im Westhafen Event & Convention Center, Sektor B, Halle 1, für die sich sich Interessierte ab Mitte Januar anmelden könnten.