Stadtentwicklung

Architekt will an der Avus neun Hochhäuser errichten

Visionäre Idee von Architekt Christoph Langhof: Rund um das Autobahndreieck Funkturm soll ein Hochhausquartier entstehen.

Eine Hochhaus-Gruppe, bestehend aus Türmen mit einer Höhe von 150 bis 250 Metern neben dem ICC und den S-Bahn-Gleisen am Autobahndreieck Funkturm – das ist der Vorschlag des Architekten Christoph Langhof.

Eine Hochhaus-Gruppe, bestehend aus Türmen mit einer Höhe von 150 bis 250 Metern neben dem ICC und den S-Bahn-Gleisen am Autobahndreieck Funkturm – das ist der Vorschlag des Architekten Christoph Langhof.

Foto: Christoph Langhof / BM

Berlin. Der „Zwischenraum“ am Dreieck Funkturm ist so unwirtlich, dass man sich am liebsten ins Auto setzen und davonrauschen möchte. Doch bei Christoph Langhof weckt das „Spaghettigeschlinge“, wie er die Verkehrsführung von A 100, Avus, Messedamm, Halenseestraße und den Schienen des S-Bahn-Ringes nennt, schiere Begeisterung. Und liefert einen visionären Vorschlag: „Wir wollen an der Avus neun Türme errichten“, sagt der Architekt, der in Berlin vor allem für das 118 Meter hohe „Upper West“ am Breitscheidplatz bekannt ist.

Schon der Blick auf den Stadtplan zeige, dass es sich beim Autobahndreieck Funkturm und der Nordschleife der Avus um ein Areal in bester City-West-Lage handele, sagt der gebürtige Österreicher, der 1978 das Architekturbüro Langhof Architekten in Berlin gründete. „Hier ist Platz für mindestens neun Hochhäuser mit einer Höhe von 150 bis 250 Metern“, schwärmt der Architekt. Und auch für das neue Hertha-Stadion, das der Berliner Architekt Bernd Richter kürzlich in der Berliner Morgenpost vorgestellt hat, sei noch Platz – wenn es denn gewünscht werde.

„Alle bestehenden Grünflächen und Flächen für Kleingärten bleiben zudem erhalten und werden für die vorgeschlagene Bebauung nicht angetastet“, betont Langhof. Stattdessen sollen die brachliegenden, bestehenden und geplanten Restflächen – das Autobahndreieck Funkturm soll ohnehin umgebaut werden – zwischen den Gleisen der Deutschen Bahn und der S-Bahn und den Trassen der Autobahn genutzt und bebaut werden.

Die Hochhäuser sollen dabei untereinander durch überdachte Fußgänger- und Fahrradstege vernetzt werden sowie an den S-Bahnhof Westkreuz, an das Messegelände sowie das ICC angebunden werden. „Dadurch kann es gelingen, die voneinander getrennten Bereiche Charlottenburg und das Messegelände, zusammenzuführen und sie an das Drehkreuz S-Bahnhof Westkreuz direkt anzubinden“, ist Langhof überzeugt. Ideal angebunden sei diese Hochhausgruppe über den S-Bahn- Ring und die Ost-West-Trasse an die West-City.

Auch für die Gestaltung der Hochhäuser hat Langhof schon detaillierte Vorstellungen. So sollen sie auf Stützen gestellt werden, wobei die „normalen Nutzungen“ wie etwa Büros, erst in der vierten, fünften oder sechsten Etage beginnen sollen.

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Neue Hochhäuser an der Avus: Gebäude mit Stelzen und Windfarmen auf dem Dach

Zudem soll es zwei verschieden Gebäudetypen geben, ein „Pyramidenhaus“ und ein „Baumhaus“. „Diese Hochhaustürme sind mischgenutzt, in den unteren Etagen sind Lagerflächen und Garagenflächen, dann weiter oben Hotel und oder Büronutzung und in den obersten Etagen Wohnungen vorgesehen“, so der Architekt.

Die jeweiligen Lager- und Garagenflächen, etwa für Fahrräder, sollen dagegen entweder in den untersten Geschossen, zwischen den Gleisen und den Autobahntrassen oder im Gebäudeinneren untergebracht werden. Die Nutzungsmischung, die nach dem von der Senatsbaudirektorin vorgelegten Hochhausleitplan allen Gebäuden mit einer Höhe von mehr als 60 Metern zur Pflicht gemacht werden soll, hätten seine Türme damit ebenfalls erfüllt.

„In den obersten Etagen soll es jeweils Restaurants und Bars geben sowie Aussichtsplattformen“, sagt Langhof. Auch diese Auflage des Hochhausleitbildes sei also kein Problem. Ganz oben auf den Türmen soll es jedoch um völlig neuartige Nutzung gehen: „Wir wollen auf den Hochhäusern Windfarmen bauen, die gemeinsam mit den Fotovoltaikmodulen an den Fassaden wesentlich zur Gewinnung von Primärenergie für den Eigenbedarf beitragen sollen“, sagt Langhof.

Skeptikern, die sich bislang nicht vorstellen können, dass auf dem so unwirtlichen und verkehrsbelasteten Areal rund um das Autobahndreieck Funkturm tatsächlich ein modernes Hochhausquartier erwachsen könnte, empfiehlt Architekt Langhof den Blick nach New York. In der US-Metropole wurde im März dieses Jahres der erste Bauabschnitt von „Hudson Yards“ eröffnet. Für das neue Stadtquartier wurde über einem elf Hektar großen Bahngelände ein Plateau errichtet. Auf diesem ist ein Quartier aus 15 Wolkenkratzern emporgewachsen.

Wie in New York werden auch in Berlin einfach zu bebauende Flächen knapper, beziehungsweise wehren sich die Menschen dagegen, dass auch die letzten freien Flächen zugebaut werden. „Mit meinem Vorschlag möchte ich deshalb aufzeigen, wie viele schlecht oder ungenutzte Flächen es in Berlin noch gibt, die man mit vernünftiger Planung aktivieren könnte“, sagt Langhof. Und das mitten in gut erschlossener City-Lage und nicht am grünen Stadtrand. Auch der Bau von bezahlbaren Mietwohnungen sei möglich, wenn die Grundstücke günstig abgegeben werden, schließlich seien Bund, Bahn und Berlin hier die Eigentümer.

Aber natürlich, das gibt Langhof unumwunden zu, habe sein Entwurf auch etwas mit seiner Leidenschaft für Hochhäuser zu tun. „Wir wollen insbesondere auch zeigen, dass es möglich ist, ästhetisch faszinierende Hochhäuser zu kreieren, die die Büromieter, die Bewohner und die Bürger von Berlin begeistern und inspirieren und gleichzeitig neue Standards für die Nachhaltigkeit im Hochhausbau setzen“, sagt der Architekt.

Pläne für 200 Meter-Turm auf dem Hardenbergplatz

Langhof hat Berlins Silhouette mit dem 2017 fertiggestellten „Upper-West“, dem weißen 119-Meter-Turm am Breitscheidplatz, das vorerst jüngste Hochhaus hinzugefügt. Doch geht es nach ihm, soll sich das schnellstmöglich ändern. Seine Pläne für das „Hardenberg“ mit einer Höhe von über 200 Metern auf dem Hardenbergplatz direkt am Bahnhof Zoo stießen bislang allerdings weder im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf noch in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Gegenliebe.

Doch das bremst den bekennenden Hochhaus-Liebhaber nicht. Im Gegenteil, das sei ihm vielmehr Ansporn, mit der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu kommen und ihr seine Ideen für die Hochhausgruppe am Funkturm zu präsentieren. Nur so, sagt Langhof, sei es ihm auch gelungen, den Hochhausturm am Breitscheidplatz Realität werden zu lassen