Karl-August-Platz

Käse, Blumen und vieles mehr: Ein Fest für den Wochenmarkt

Vor 125 Jahren für die Nahversorgung gegründet, ist der Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz heute Anziehungspunkt auch für Touristen.

Ist mit dem Markt auf dem Karl-August-Platz ihr Leben lang verbunden: Tierfutterhändlerin Heidi Hilprecht will das Jubiläum mit ihren Kunden feiern.

Ist mit dem Markt auf dem Karl-August-Platz ihr Leben lang verbunden: Tierfutterhändlerin Heidi Hilprecht will das Jubiläum mit ihren Kunden feiern.

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg. „Ohne den Markt gäbe es mich gar nicht“, sagt Heidi Hilprecht. Die Tierfutter-Händlerin vom Karl-August-Platz steht an diesem sonnigen Sonnabend in ihrem Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt nördlich der Trinitatis-Kirche in Charlottenburg und reicht Leckerli für die tierischen Lieblinge ihrer Kunden über den Tresen. Bananenchips für Pferde oder getrockneten Hirsch für Hunde führt sie ebenso wie klein gehackte Erdnüsse für Vögel.

„Meine Eltern haben sich hier kennengelernt und vor 71 Jahren ihren ersten Stand aufgemacht“, erzählt sie. Quasi reingewachsen sei sie in das Geschäft. Als Dienstälteste ist Heidi Hilprecht auch Sprecherin der Händler und Mitglied im Organisationskomitee für das Jubiläumsfest. Der Wochenmarkt am Karl-August-Platz ist nämlich älter als die Kirche in seiner Mitte. Er wird dieses Jahr 125 Jahre alt.

Wochenmarkt in Charlottenburg: Nur wenig zur Geschichte bekannt

Im Archiv des Bezirks an der Villa Oppenheim findet sich nicht viel über die Kiez-Institution. Ein paar Bilder aus dem Jahr 1969 zeigen Markthändler, wie sie Abfälle in zwei neue Container werfen. Abfallentsorgung war offenbar schon Ende der 60er-Jahre ein Thema. Ein Gründungsurkunde oder ähnliches historisches Material gibt es nicht.

Auf die Frage, woher sie denn so genau wisse, dass der Markt dieses Jahr sein 125. Jubiläum feiert, sagt Hilprecht: „Ich habe ja schon die Feier zum 100-jährigen organisiert.“ Ein Argument, das nur schwer zu entkräften ist.

Bestätigt wird ihre Annahme immerhin von einem Beitrag in einer Publikation des Heimatmuseums Charlottenburg „100 Jahre Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz“, in dem Autor Wolfgang Bensch 1994 als Gründungsdatum den 1. November 1894 ermittelt hat. Der Markt fand Bensch zufolge damals an der Westseite des östlich der Krummestraße gelegenen Platzes statt, der von Pestalozzi-, Weimarer- und Goethestraße umrahmt wird.

1949 wurde der Markt auf dem Karl-August-Platz wieder geöffnet

Der älteste Markt der City West ist der auf dem Karl-August-Platz nicht. Zu seiner Gründungszeit gab es laut Bensch bereits Wochenmärkte zur Nahversorgung der Bevölkerung auf dem Wilhelmplatz (heute Richard-Wagner-Platz), auf dem Friedrich-Karl-Platz (heute Klausenerplatz), in der Spreestraße (heute Richard-Wagner-Straße/Wintersteinstraße), in der Marchstraße und auf dem bis 1938 zu Charlottenburg gehörenden Wittenbergplatz. Letzterer existiert zwar noch, gehört aber heute zu Schöneberg.

Unterbrochen war der Marktbetrieb für einige Jahre, nachdem Platz und Kirche bei schweren Luftangriffen im August und November 1943 sowie im Februar 1944 zerstört worden waren. 1949 wurde der Markt wieder geöffnet. Mit dabei waren auch die Eltern von Heidi Hilprecht.

Das Geschehen auf dem Markt im Kiez hat sich verändert

Verändert hat sich das Marktgeschehen in den vergangenen Jahren schon, sagt Hilprecht. Früher habe jeder jeden gekannt. Viele der Händler wie beispielsweise „Käse-Klaus“ waren Jahrzehnte hier und echte Originale. Der Markt war ein Kiez-Markt, auf dem sich die Menschen im Quartier versorgten. Heute zieht er mittwochs und sonnabends wegen seiner Größe, seiner schönen Lage und seines teilweise ausgefallenen Angebots Menschen aus ganz Berlin an.

Käse ist auch die Passion von Ortrud Prawda, die an ihrem kleinen Stand verschiedene Sorten österreichischen Bergkäses verkauft. Zu ihrem Metier kam sie nach einem Urlaub in Tirol. „Der Käse auf einer Alm hat mir so gut geschmeckt, dass ich den Senner gefragt habe, ob ich den nicht auch in Deutschland verkaufen könnte“, erzählt sie. Der Senner habe zugestimmt, wenn sie selbst eine Spedition finden würde, die ihr den Käse nach Berlin liefern würde. Das war vor 28 Jahren. Seither steht Ortrud Prawda mit ihrer Spezialitäten wie dem Liebeskäse auf dem Markt am Karl-August-Platz, ihr Mann verkauft Käse auf dem Markt am Mexiko-Platz in Zehlendorf.

Attraktivität von Märkten im Bezirk soll gesteigert werden

Verändert hat sich aber auch der Zusammenhalt der Händler, bedauern Hilprecht und ihre Kollegin Ramona Trochim, die wenige Meter weiter mit Ehemann Andreas Blumen verkauft. „Wenn wir heute rumgehen, um etwas Geld für ein Festprogramm einzusammeln, sagen viele: ,Was bringt mir das denn?’“, erzählen die beiden. Dabei sei das Fest doch auch eine Gelegenheit, sich bei vielen treuen Kunden zu bedanken, die vor einigen Jahren geholfen haben zu verhindern, dass der Markt privatisiert wurde, weil sich der Bezirk die Marktmeister sparen wollte, sagt Trochim.

Noch ist der Markt auf dem Karl-August-Platz aber einer von zwölf kommunalen Märkten in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Und das bleibt auch so. Wir sind sehr stolz auf unsere Wochenmärkte“, versichert der für die Märkte zuständige Stadtrat Arne Herz (CDU). Die Märkte seien wichtig für die Nahversorgung auch vieler älterer Menschen in den Kiezen und in der gesamten Bevölkerung sehr beliebt.

„Wir wollen im Gegenteil ihre Attraktivität eher weiter stärken.“ Nachgedacht werde beispielsweise über veränderte Öffnungszeiten. „Warum nicht auch einen Markt in den Abendstunden, um Berufstätigen einen spätereren Einkauf zu ermöglichen“, sagt er. „Wir sind da sehr offen, wenn sich neue Bedarfe entwickeln sollen“, sagt Herz.

Info

Das 125. Jubiläum wird an diesem Sonnabend, 21. September, auf dem Karl-August-Platz gefeiert. Es gibt eine Hüpfburg und ein Kinderkarussell sowie besondere Angebote an vielen Ständen. Um 11 Uhr wird der stellvertretende Bezirksbürgermeister Arne Herz (CDU) eine Ansprache halten. Um 14.30 Uhr tritt eine Coverdance Gruppe auf.