Dreieck Funkturm

Neue Autobahnzufahrt am Eichkamp geplant

Die Anschlussstelle Messedamm könnte noch mehr Lärm ins ohnehin schon geplagte Wohngebiet an der Avus bringen.

Mit täglich 230.000 Fahrzeugen ist das Dreieck Funkturm eine der bundesweit am meisten befahrenden Autobahnverknüpfungen

Mit täglich 230.000 Fahrzeugen ist das Dreieck Funkturm eine der bundesweit am meisten befahrenden Autobahnverknüpfungen

Foto: dpa Picture-Alliance / Rainer Jensen

Berlin.. Ab Montag müssen sich Autofahrer auf kleinere Einschränkungen entlang der Stadtautobahnen A115 (Avus), A100 und A111 einstellen. Die Bundes-Planungsgesellschaft Deges startet mit ersten Voruntersuchung für den Ersatzneubau der Rudolf-Wissel-Brücke und der Umgestaltung des Autobahndreiecks Funkturm. Mit Bohrungen wolle man die Beschaffenheit des Baugrunds erkunden, teilt die Deges mit. Die Arbeiten sollen bis Anfang kommenden Jahres andauern. Dabei soll es nur vereinzelt zu Sperrungen kommen.

Im Zuge des geplanten Umbaus des Dreiecks Funkturm ist auch eine neue Anschlussstelle am Eichkamp vorgesehen. „Nach gegenwärtigem Stand ist das wohl aus Sicht der Planer nur mit einer Aufständerung möglich“, sagt Charlottenburg-Wilmersdorfs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Konkret meint er eine Brücke vom Messedamm über die Avus auf die Spuren in nördlicher Richtung. Der Bezirk lehne die Planung ab, da sie zu einer „nicht mehr vertretbaren Lärmbelastung für die Siedlung Eichkamp führen“ würde, so der Rathauschef weiter. Die sei bereits jetzt durch die direkte Nachbarschaft zur Autobahn hoch.

Bund bevorzugt unterirdische Zufahrt vom Messedamm

Die neue Auffahrt solle südlich des S-Bahnhofs Messe Süd an der Siedlung vorbei zur A115 führen, erklärt Deges-Sprecher Michael Zarth. Dabei würden mehrere Optionen betrachtet, auch die einer Brücke. „Gemäß aktuellem Stand der Planung ist dies aber nicht die Vorzugsvariante“, widerspricht er Naumann. Der Bund spreche sich vielmehr für eine Unterführung aus – die für Anwohner verträglichere Lösung. Die Deges wird allerdings nicht nur vom Bund, sondern auch vom Land Berlin beauftragt. Und dort scheint es noch keine klare Präferenz zu geben. „An der Entscheidung über die Gestaltung der Anschlussstelle sind drei Senatsverwaltungen und der Bezirk beteiligt“, sagt Dorothee Winden, Sprecherin der Verkehrsverwaltung. Bei der Abstimmung zur neuen Anschlussstelle würden die Interessen des Landes, einschließlich des Bezirks, abgewogen.

Der spricht sich außerdem für eine Überbauung des Dreiecks Funkturm aus. Das wäre ein „wesentlicher Fortschritt für die Menschen, die in unmittelbarer Nähe leben“, sagt Naumann und verweist auf die Feinstaubbelastung und nicht mehr zeitgemäße Straßenschluchten. Befürworter der Pläne sehen dabei auch die Möglichkeit, innerstädtische Flächen für Naherholung, gegebenenfalls sogar für den Wohnungsbau, zurückzugewinnen. Gegner wie der ADAC warnen hingegen, dass neue Tunnel zu Staufallen werden könnten. „Vor dem Hintergrund der Sicherheitsrichtlinien zum Betreiben von Tunneln ist die Befürchtung gerechtfertigt, dass es durch die Deckelung einiger Abschnitte vermehrt zu Zufahrtssperrungen der Stadtautobahn kommt“, sagte ADAC-Sprecher Leon Strohmeier der Berliner Morgenpost bereits im Juni.

Inwieweit neue Tunnel an Berlins Autobahnen entstehen und ob dabei auch das Dreieck Funkturm zumindest teilweise gedeckelt wird, muss die Senatsverkehrsverwaltung jetzt prüfen. Das Abgeordnetenhaus hat entsprechende Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Sie sollen überbaubare Straßen in Troglage identifizieren und dabei Kosten und Nutzen abwägen. Allerdings dämpft Sprecherin Winden die Erwartungen: „Das Autobahndreieck Funkturm befindet sich nicht in Troglage.“ Welche Lärmschutzmaßnahmen dort geboten sind und ob es sich nur um Wände oder um Einhausungen handelt, sei beim aktuellen Planungsstand noch unklar.

Bezirk will weiteren Tunnel am Jakob-Kaiser-Platz

Derweil fasst Charlottenburg-Wilmersdorf schon die nächste potenziellen Tunnel in den Blick. „Perspektivisch wird auch über eine Überdeckelung im Charlottenburger Norden zu reden sein“, sagt Naumann und verweist auf den Autobahntrog der A111 nördlich des Jakob-Kaiser-Platzes im Bereich Heckerdamm/Weltlingerbrücke. Das sei aus den gleichen Gründen wie am Dreieck Funkturm erforderlich und würde für die Siedlungen links und rechts der Autobahn ein Zusammenwachsen bedeuten. Konkret werde es allerdings frühestens in zehn bis 15 Jahren nach dem Neubau der benachbarten Rudolf-Wissel-Brücke.

Hierbei handele es sich um die Deckelung eines sehr kurzen Abschnitts, heißt es aus der Senatsverkehrsverwaltung. Auch das zu prüfen, sehe der Beschluss des Abgeordnetenhauses vor, sagt Sprecherin Winden. „Aufgrund der personellen und finanziellen Kapazitäten können wir nur Schritt für Schritt vorgehen.“ Zunächst gelte es, einen Auftragnehmer für eine Machbarkeitsstudie zu finden, die eine Überdeckelung der A100 zwischen der Anschlussstelle an der Knobelsdorffstraße und dem Kaiserdamm prüft. „Bei einer geschätzten Auftragssumme – allein für diese Studie – von 300.000 bis 500.000 Euro bedarf es hier eines EU-weiten Vergabeverfahrens“, so Winden. Das könne frühestens im neuen Haushaltsjahr 2020 starten.

Dreieck Funkturm nie für heutiges Verkehrsaufkommen ausgelegt

Das Dreieck Funkturm wurde in den Sechzigerjahren eröffnet und schließt den Berliner Stadtring A100 über die A115 an den Berliner Ring A10 an. Mit täglich 230.000 Fahrzeugen ist es eines der bundesweit am stärksten frequentierten Autobahnverknüpfungen und war dafür eigentlich nie ausgelegt. Das verschlungene Konstrukt mit seinen unzähligen Rampen und mehr als 20 Brücken gilt als nicht ausreichend verkehrssicher, stauanfällig und soll daher umgestaltet werden. Ziel ist es dabei, den laufenden Verkehr aufrechtzuerhalten. Der Bund übernimmt sämtliche Baukosten. Wie hoch die sind, werde derzeit ermittelt, sagt Deges-Sprecher Zarth. „Vor der Bauausführung steht noch ein öffentlich-rechtliches Genehmigungsverfahren, das erst Anfang 2021 eingeleitet werden kann.“ Das dauere erfahrungsgemäß mindestens ein bis zwei Jahre.

Etwas konkreter ist der Zeitplan bei der Rudolf-Wissel-Brücke einige Kilometer weiter nördlich. Berlins längste Brücke soll abgerissen und neu gebaut werden. Frühestens ab 2023 soll in 60 Metern Entfernung mit dem Bau einer Ersatztrasse begonnen werden, mit der die Verkehrsströme aufgefangen werden sollen. Auch hier übernimmt der Bund die Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro.