Wettbewerb

Die schnellsten Kellner vom Kudamm

Zum neunten Mal fand der Berliner Kellnerlauf statt. Aber Geschwindigkeit alleine macht noch keinen Gewinner aus.

Zehn Kilo wiegen die roten Koffer, mit denen die Teilnehmer des Pagenlaufs über den Kurfürstendamm spurteten.

Zehn Kilo wiegen die roten Koffer, mit denen die Teilnehmer des Pagenlaufs über den Kurfürstendamm spurteten.

Foto: Foto: Sergej Glanze / Berliner Morgenpost

Berlin.  Schnelligkeit ist nicht alles. Auf das Lächeln des Kellners kommt es im Restaurant an, auf die Höhe der Pilsschaumkrone, auf die richtige Mischung im Cocktail-Glas. Auch beim Berliner Kellnerlauf gewinnt nicht automatisch, wer am schnellsten über die Zielgerade rennt. Geschicklichkeit ist gefragt.

Riza Pecenek weiß, wovon die Rede ist. Er hat letztes Jahr den Kellnerlauf gewonnen. Und er hat sich die Titelverteidigung vorgenommen. „Du musst den richtigen Takt finden, mit dem Schwappen des Bieres laufen“, sagt der 28-Jährige Pecanek – sportliche Statur, tätowierte Oberarme, strahlend weißes Hemd. Seit acht Jahren bedient er in der Gastronomie, zuletzt im Hotel Steigenberger in Charlottenburg.

Hunderte Zuschauer jubelten den Teilnehmern zu

Die Aufgabe: Mit leerem Tablett am Neuen Kranzler Eck losspurten, am Kudamm das erste Bier einschenken, einmal zur Fasanenstraße und zurück, zweites Bier, noch eine Runde und 720 Meter weiter drei möglichst volle Biergläser auf den Jurytisch stellen. Es ist Punkt 14 Uhr als der Startschuss fällt, und Pecanek mit neun Mitstreitern losschießt.

Zum neunten Mal fand am Sonntag der Berliner Kellnerlauf statt. In sieben verschiedenen Kategorien haben sich rund 50 Teilnehmer gemessen: Die Hotelpagen wuchteten zehn Kilo schwere, rote Reisekoffer über den Kurfürstendamm, Barkeeper mussten unterwegs einen Cocktail aus Braunem Rum, Cola, Kokosmilch und Eiswürfeln mischen. Beim Jedermanns-Lauf hetzten Paare mit einem Kasten Bier über den Boulevard in der City West. Bei kühlen Temperaturen jubelten den Teilnehmern hunderte Zuschauer zu.

Die Veranstalter verweisen auf eine Tradition aus den 50er-Jahren. „Damals veranstaltete der Berliner Gastronom Emil Remde diesen Lauf als Höhepunkt der Saison. Wir haben ihn 2011 wiederbelebt“, sagt Alexandra Meyder-Cyrus, Veranstalterin und Center-Managerin im Kranzler Eck Berlin.

Das Tablett fest in der Hand halten

Die erste Gewinnerin des Tages war die, mit dem weitesten Anreiseweg. Am Samstag hat Pia Berger noch bis zwei Uhr nachts in der Ostseelounge in Dierhagen bedient, hat sich am Sonntag um acht Uhr Morgens in den Fernbus gesetzt und ist um kurz nach 11 Uhr mit zwei Latte-Macchiato auf dem Tablett als erste über die Zielgerade gerannt.

Dort musste sie dann noch dem Urteil von TV- und Sternekoch Ralf Zacherl standhalten. Der ist kein Freund von Hektik: „Stellen sie sich nur mal vor, sie sitzen beim Abendessen und um Sie herum spurten die Kellner hin und her.“ Umso wohlwollender Zacherls Blick auf die Kaffee-Gläser von Pia Berger. „Das könnte man fast so servieren“, sagt Zacherl.

Das Geheimnis der Gewinnerin: Beim Wettrennen nicht wie im Restaurant das Tablett auf den Fingerspitzen tragen, sondern fest in der Hand halten.

Eischneeschlagen im Schnelldurchlauf

Um Technik ging es auch beim Lauf der Köche. Die beugten sich kurz vor der Zielgeraden über eine Schüssel Eiweiß und schlugen wie die Wilden mit einem Schneebesen darin herum. Nur wer die Schüssel über seinem Kopf umdrehen konnte, ohne dass der Eischnee auf Kopf klatscht, durfte auf die Zielgerade und vor den Augen von Starkoch Zacherl sein Dessert flambieren. Gewinner: Bassir Ahmad Herawi aus der Küche des Hotel de Rome. Er sagt: „Wenn 100 Gäste im Fünf-Sterne-Hotel auf ihren Nachtisch warten, dann lernt man auch den Turbo beim Eisschneeschlagen.“

Riza Pecanek, der Kellner, der im Takt des Bierschaums seinen Titel verteidigen wollte, er schenkt beim Hauptrennen als erster sein drittes Bier ein. Und auch wenn sein Verfolger das letzte Berliner Kindl nur noch zur Hälfte voll macht, Pecanek läuft mit Vorsprung auf die Zielgerade zu, dreht noch eine Pirouette und stellt drei volle Biergläser auf den Jury-Tisch. Ziel erreicht. Pecanek ist wieder der schnellste Kellner Berlins.

Du musst den richtigen Takt finden, mit dem Schwappen des Bieres laufen