Manche Bauprojekte in Berlin kommen durchaus zügig voran. Am Hochmeisterplatz, nur wenige Meter vom Kurfürstendamm entfernt, hat die Bauwert AG Richtfest für ein Wohnensemble mit 11.000 Quadratmetern Wohnfläche gefeiert. Die Fertigstellung der 114 Wohnungen ist für Sommer 2020 geplant. „Mit unserem Neubau nehmen wir die Tradition der großen Berliner Stadthäuser wieder auf“, sagte Bauwert-Vorstand Jürgen Leibfried. „Es gibt in Berlin – neben dem allgemein großen Bedarf an Wohnraum – ein wachsendes Bedürfnis nach repräsentativen Wohnungen in der Innenstadt, vor allem in jenen Lagen, die traditionell als gute Adresse gelten.“ Die künftigen Bewohner kommen Leibfried zufolge überwiegend aus Deutschland, verlagern ihren Wohnsitz in die Hauptstadt oder ziehen von den Rändern in die City West.

Unmittelbar vor dem 3400 Quadratmeter großen Baugrundstück erstreckt sich mit dem Hochmeisterplatz eine großzügige Parkanlage. „Das Besondere an diesem Projekt ist die unwiederbringliche Lage direkt an einer Grünfläche“, sagt Leibfried. Aktuell sind dem Unternehmen zufolge etwa 55 Prozent der Wohnungen verkauft. Die noch verfügbaren Wohnungen messen zwischen 55 und 248 Quadratmetern.
Architektur mit „klassisch-traditioneller Formensprache“
Der Entwurf für das Gebäudeensemble stammt von Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht. „Die klassisch-traditionelle Formensprache zitiert historische Vorbilder vor allem aus Frankreich sowie aus Berlin. Motive wie Kapitelle, Baluster und Pilaster wurden neu interpretiert, so dass die Fassade eine zeitlose Anmutung erhält“, sagt Architekt Thomas Albrecht. Das Haus kennzeichne eine Spannung zwischen der großen Geste und vielfältigen Details sowie der Wiederholung gleichartiger Elemente einerseits und deren partielle Variation anderseits. Beispielhaft hierfür sei die aufwendige Gestaltung der Eingänge. „In jedem Foyer befindet sich eine Wandnische, in der eine Terrakotta-Büste des Berliner Künstlers Robert Metzkes aufgestellt wird. Die Figuren sind Unikate. Sie begrüßen den Ankommenden und verabschieden den Gehenden. Die elegante und zurückhaltende Umrahmung aus grün-weißem Naturstein bringt die Kunstwerke besonders zur Geltung.“
Bei den Nachbarn umstritten
Der siebenstöckige Neubau auf dem Gelände des verfallenden Postgebäudes am Hochmeisterplatz war bei Anwohnern und Baupolitikern des Bezirks umstritten. Die Gebäude seien zu groß und passten nicht zur Umgebung mit dem denkmalgeschützten „Woga-Komplex“ des Architekten Erich Mendelsohn aus den 20er- bis 30er-Jahren, hieß es. Bürger sprachen von einem „Protzbau“ und „massiven Fremdkörper“. Doch das Bezirksamt und die BVV konnten nicht mehr viel ändern. Nach Auskunft von Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) hatte die Verwaltung das Projekt bereits unter seinem Amtsvorgänger genehmigt.


