Stadtentwicklung

Henriettenplatz: Ein neues Tor zum Kurfürstendamm

Neubauprojekt an der Seesener Straße und am S-Bahnhof Halensee zieht eine Neugestaltung des Henriettenplatzes nach sich.

Die Simulation zeigt das sechs- bis achtstöckige Büro- und Geschäftshaus, mit einer Naturstein- und Glasfassade, das am Henriettenplatz gebaut wird. Die Bushaltestellen am Kurfürstendamm und die Säulenkolonnaden auf dem Platz wurden hier zugunsten einer besseren Ansicht nicht dargestellt.

Die Simulation zeigt das sechs- bis achtstöckige Büro- und Geschäftshaus, mit einer Naturstein- und Glasfassade, das am Henriettenplatz gebaut wird. Die Bushaltestellen am Kurfürstendamm und die Säulenkolonnaden auf dem Platz wurden hier zugunsten einer besseren Ansicht nicht dargestellt.

Foto: Foto: HNK Development Vertriebs- & Beteiligungsgesellschaft mbH

Halensee.  Die Baugrube entlang der S-Bahntrasse ist ausgehoben. Der Rohbau wächst zügig von der Seesener Straße hin zum Henriettenplatz bis zum Kurfürstendamm. Das westliche Tor zur Innenstadt verändert seinen Charakter. Nach intensiven Diskussionen im Kiez entstehen in Projektplanung der HNK Development Vertriebs- und Beteiligungsgesellschaft mbH an der Seesener Straße neun Wohnhäuser mit insgesamt 185 Mietwohnungen, auch der Henriettenplatz wird durch einen Neubau ein neues Gesicht bekommen. An der Westseite des Platzes entstehen zwei Büro-„Türme“ von je sieben und acht Stockwerken mit einem sechsgeschossigen Verbindungsteil, in den auch ein Edeka-Markt einziehen soll. „Es wird ein Gebäude, das den Platz beleben und ihm positive Energie geben soll“, sagt Projektentwickler Stefan Nespethal.

Projekt unter besonderer Beobachtung der Anwohner

In der Planungsphase hatte es viel Klärungsbedarf im Kiez gegeben, was auch an dem intransparenten Verfahren bei dem benachbarten Wohnbau-Projekt der Sanus AG lag, das 2017 fertiggestellt wurde. Die Anwohner fühlten sich übergangen. Besonders bei der Höhe des aus Sicht der Kritiker zu massiven Riegels aus zehn Häusern mit insgesamt 220 Wohnungen seien von Seiten des Bauamtes mehr Zugeständnisse gemacht worden, als nötig, hieß es. Noch so einen Block wollten sie nicht kampflos hinnehmen.

Auch deshalb stand das aktuelle HNK-Projekt unter besonderer Beobachtung von Anwohnern und Bezirkspolitikern und wurde mit allen Beteiligten diskutiert. Im Ergebnis musste der Projektentwickler einige Kröten schlucken. Der Baubeginn verschob sich um ein Jahr, Grundrisse mussten neu berechnet werden, das Projekt verteuerte sich, und die neuen Wohnungen und Büros werden nun nicht wie geplant Ende 2020 fertig, sondern erst im vierten Quartal 2021. „Wir sind durch viele Instanzen gegangen“, sagt HNK-Chef Nespethal, „dafür können jetzt aber alle gut schlafen.“ Mit der nun teils nach hinten versetzten Bebauung werde der Charakter einer Alt-Berliner Straße wiederhergestellt, mit Vorgärten und einer schallgeschützten begrünten Spielfläche samt Spielplatz auf der Rückseite der Häuser. Für die Kinder der Bewohner wird es zudem zwei Tagespflegestellen mit je acht Plätzen geben. Zurzeit wird die Tiefgarage mit Platz für 200 Pkw und etwa 370 Fahrräder gebaut.

Henriettenplatz wird neu geordnet

Mit dem Projekt haben inzwischen alle ihren Frieden gemacht, sagt Johannes Heyne (FDP), Mitglied im Stadtplanungssausschuss der Bezirksverordnetenversammlung. Durch die Bauweise entstehe zur Straße hin ein aufgelockerter Eindruck. Der Achtgeschosser direkt am Kudamm finde ein Pendant im Jahn-Hochhaus an der anderen Seite der Kurfürstendammbrücke. „Zusammen stellen diese Gebäude dann optisch einen schönen Eingang in die Innenstadt dar“. Die im Planungsprozess geäußerte Kritik der Bürger könne er jedoch auch verstehen, besonders was den Kahlschlag entlang der Baustelle betrifft, wo an der Seesener Straße und am Henriettenplatz insgesamt 14 Bäume gefällt wurden, statt der ursprünglich angekündigten zwei. Die Bäume seien in Abstimmung mit dem Grünflächenamt gefällt worden, sagt der Projektentwickler. Sie sollen größtenteils ersetzt werden.


Der geplante Büro- und Geschäftsriegel mit insgesamt 10.000 Quadratmetern Fläche wird zu einem neuen Raumgefühl auf dem südlichen Teil des Henriettenplatzes führen. Deshalb soll dieser grundsätzlich neu geordnet und gestaltet werden.

Seit zwei Jahren wird nun über den Platz diskutiert. Ein extern moderierter Workshop, den der Projektentwickler in Absprache mit dem Bezirk organisiert hatte, hat inzwischen die Grundlagen für die künftige Gestaltung erarbeitet. Beteiligt waren neben Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne), Vertreter der Bezirks- und Senatsverwaltungen, Landschaftsplaner, Vertreter der Anwohnerinitiative, Edeka, die Verkehrsplanung, die BVG sowie der Investor und seine Architekten. Offen ist, ob die von Heinz Mack als BVG-Wartebereich konzipierten Säulenkolonaden mit den zwei Kiosken auf der Südseite weichen müssen.

Der zweigeteilte Platz soll wieder als Einheit erfahren werden

Der Platz, der vom Kudamm in zwei Teile zerschnitten wird, soll auch optisch wieder als Einheit erfahrbar gemacht werden. Beide Seiten bleiben zurzeit weit unter ihrem Potenzial und werden vor allem als Umsteigeplätze für BVG und S-Bahn genutzt. Deshalb ist eine Steigerung der Aufenthaltsqualität vorrangiges Ziel der Neugestaltung, heißt es im Ergebnisprotokoll des Workshops. Geprüft werden soll inwieweit weitere Gastronomie im Randbereich helfen könnte. Neue Pflanzflächen sollen die Atmosphäre verbessern, der Baumbestand erhalten werden. Auch der Verkehr ist von den Plänen betroffen. So soll eine breite Furt den Fußgängern die Querung des Kudamms zur jeweils anderen Seite des Platzes erleichtern, was sich auch auf Fahrspuren und die Lage der Bushaltestellen auswirkt. Für eine Gestaltung der Nordseite des Platzes bis hin zur Kurfürstendammbrücke könnte die Georg-Wilhelm-Straße zwischen Kudamm und Ringbahnstraße abgehängt werden. Die Bürger sollen am weiteren Verfahren beteiligt werden.

Weitere Planungen in Regie der Senats

Was am Ende realisiert wird, ist offen. Weil der Henriettenplatz auch als „Tor zum Kudamm“ oder Eingang in die Innenstadt wahrgenommen wird, wurde er in das Plätzeprogramm des Senats aufgenommen. Die Ergebnisse des Workshops werden nun in einen landschaftsplanerischen Wettbewerb einfließen, den das zuständige Referat in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung derzeit vorbereitet. Einen genauen Zeit- und Kostenrahmen für die Umgestaltung gibt es bisher nicht. „Wir wollen aber soweit das möglich ist gleichzeitig mit dem Bauprojekt fertig werden“, sagt der Bezirksverordnete Hans-Joachim Fenske (CDU), der am Workshopprozess beteiligt war. Ob es in diesem Jahr noch mit einer Ausschreibung klappt, sei allerdings fraglich. „Wir sind aber auf dem richtigen Weg, weil von vorneherein alle Interessengruppen mit eingebunden wurden“, sagt Fenske. Nun sei die Senatsverwaltung gefordert.