Sanierung

Parkhaus am Lietzensee: Warten auf den Behördenstempel

Schon seit fast einem Jahr liegen die Planungsunterlagen des Vereins bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Parkhaus am Lietzensee: Warten auf Behördenstempel

Parkhaus am Lietzensee: Warten auf Behördenstempel

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg. Den Enthusiasmus haben die Parkhäusler noch immer nicht verloren, auch wenn sich die Sanierung das denkmalgeschützten Parkwächterhauses am Lietzensee länger hinzieht, als sie erwartet haben. Damit die Lottostiftung, die den Umbau mit 600.000 Euro fördern will, die Mittel freigibt, bedarf es aber noch eines Stempels der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf den Bauplanungsunterlagen. Doch bevor es dazu kommt, müssen auch die Brandschützer dem Konzept für das künftige Kulturzentrum noch ihr Plazet geben.

Verein fürchtet Verzögerung um ein weiteres Jahr

Fast erinnert das, was dem kleinen Verein vom Lietzensee widerfährt, ein bisschen an die Dauerbaustelle des Flughafen BER. „Wir haben zwar seit Februar 2018 unsere Hausaufgaben gemacht, sind aber jetzt von Dritten abhängig. Wenn wir nicht bald die erforderlichen Genehmigungen bekommen, können wir auch in diesem Jahr wieder keine Handwerker für die Sanierung des Hauses beauftragen“, sagt Carsten Knobloch, einer der Sprecher des Vereins. Auch wenn sie sich schneller Erfolge wünschten, haben der Verein und viele freiwillige Helfer Erstaunliches in dem Häuschen im Park geleistet. Auch wenn es von außen fast unverändert aussieht, innen ist es nicht wiederzuerkennen.

In Eigenarbeit und mit freiwilligen Helfern hat der Verein das Häuschen inzwischen weitgehend entkernt, auch wenn die Kosten für Rückbau und Entsorgung tiefe Löcher in die Vereinskasse gerissen haben. Einbauten, veraltete sanitäre Anlagen sowie Wände mussten entfernt werden und die Holzkonstruktion im Dach freigelegt werden, um eventuelle Schäden festzustellen und die Tragfähigkeit zu berechnen. Im November kam eine zwölfköpfige Mannschaft der Staatlichen Technikerschule. zu Hilfe.

Hinter Zwischenwänden oder abgehängten Böden gab es dabei allerhand Überraschungen. „Das ist hier wie ein Architektur-Krimi“, sagt Knobloch. Diese Begegnungen mit der Vergangenheit machten die Phase des Wartens um Einiges erträglicher. So habe man diese Funde ohne Zeitdruck dokumentieren, untersuchen und so für die Nachwelt erhalten können.

Eine der größten Überraschungen trat bei der Untersuchung einer Wand im Erdgeschoss zutage. Wir haben uns gewundert, warum es an einer Innenwand einen markanten Ziersockel gab“, sagt Knobloch. Bisher war immer angenommen worden, dass es vor dem Parkwächterhaus kein Haus im Park gab.

Wie die Parkhäusler aber beim erneuten Stöbern in alten Bauunterlagen sowie durch die genauere Untersuchung der Wand ermitteln konnten, gab es an diesem Ort schon vor 1926 ein kleines Haus, das als Toilettenhäuschen fungierte. „Das Häuschen wurde dann mit dem Bau des Parkwächterhauses lediglich erweitert. Die Grundfläche wurde grob verdoppelt, so dass im Erdgeschoss der Milch- und Mineralwasserverkauf eingerichtet werden konnte. Das obere Stockwerk wurde mit einer Parkwächterwohnung ergänzt“, erzählt Knobloch.

„Wir haben zudem weitere historische Aufnahmen des Hauses von 1927 finden können. Es sind die ältesten Aufnahmen, die wir vom Haus haben“, sagt der Vereinssprecher. Trotz der Schwarz-Weiß-Fotografie könne man darauf gut erkennen, dass das Haus eine viel farbenfrohere Fassade hatte als es dies heute vermuten lasse.

„Davon zeugen auch viele Farbreste an den Wänden, Fenstern und Türen, die wir beim Rückbau freilegen konnten“, sagt Knobloch und stellt eine Latte mit einem grünen Anstrich auf, die, wie er vermutet, einmal Teil der Rückwand einer Loggia gewesen sein könnte, bevor diese verglast wurde.

Ein weiterer spannender Fund waren mehrere Aktenordner und Tagebücher aus den 50er- und 60er-Jahren, die die Parkhäusler im Spitzboden des Hauses gefunden haben. „Das Haus war derzeit der Sitz des Gartenbauamtes von Charlottenburg. Die Korrespondenz ist für uns interessant. Wir haben darin von Munitionsbergungen aus dem Lietzensee erfahren, den regelmäßig geführten Eisbahnbetrieb im Winter auf dem See, Einsatzzeiten des Parkpersonals und deren Arbeitsanweisungen ,…es ist eine frisch gewaschene Armbinde am linken Arm zu tragen und Alkohol während des Dienstes ist nicht gestattet!’ sowie eine eingegangene Beschwerde über die Frau des Parkwächters, die ihre ,deftigen Beine nicht so zur Schau stellen solle’“, sagt Knobloch. Gerätselt hätten sie aber schon darüber, was denn unter „deftigen Beinen“ zu verstehen sei.

Nach der Sichtung des Materials sollen die alten Akten ans Bezirksamt zur Archivierung übergeben werden. Doch stille Beschäftigung und Aktenstudium reichen den Parkhäuslern nicht mehr aus. „Wir wollen endlich loslegen“, sagt Knobloch.

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