Berliner Morgenpost: Herr Boehlke, Sie sorgen in diesem Jahr zum 25. Mal für die Weihnachtsbeleuchtung in der City West? Wie hat das alles angefangen?

Andreas Boehlke: Ich hatte nach einer Ausschreibung gegen 15 weitere Firmen den Zuschlag von der AG City bekommen. Wir haben viel Aufwand getrieben und extra eine Visualisierung, ein Modell in einem drei Meter großen Kasten gebaut und haben uns sehr gefreut, den Zuschlag bekommen zu haben. Es fing damit an, dass wir Leuchtelemente an die Laternen montiert haben. Das war eine ganz einfache auf die Laternen bezogene Beleuchtung. An den Kreuzungspunkten auf der Mittelinsel gab es verschieden beleuchtete Motive, und es gab ein Eingangsportal. Mein Herz hängt seither immer so ein bisschen am Kudamm.

Die Beleuchtung ist ja in all den Jahren seither gewaltig gewachsen und erstreckt sich seit einigen Jahren vom Wittenbergplatz bis zum Adenauerplatz. Gibt es dieses Jahr etwas Besonderes?

Wir haben ja in all den Jahren immer mehr Elemente hinzugefügt, das Konzept ist eigentlich stimmig, so wie es ist, auch wenn es immer wieder kleinere Veränderungen gibt. Wir haben da einen Buddybären, der mit 14,50 Metern das größte Objekt überhaupt ist und wieder die vielen Motive und Elemente wie Weihnachtsmänner, Kutschen oder Flugzeuge. Es gibt auch wieder klassische Laternenmotive und auch die 650 Bäume am Rand von Kudamm und Tauentzien und auf dem Mittelstreifen werden beleuchtet. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir unser Konzept auch in diesem Jahr wieder umsetzen dürfen.

Überraschung vom Grünflächenamt

Es gab ja in diesem Jahr Schwierigkeiten mit dem Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf, das die Beleuchtung der Bäume nicht genehmigen wollte.

Ich will mich dazu eigentlich nicht äußern, das hat unser Auftraggeber, die Wall AG mit dem Bezirk geregelt. Man muss aber eines sagen, man muss Bürgermeister Reinhard Naumann mehr als loben, der sich da für die Weihnachtsbeleuchtung eingesetzt hat.

Die Wall AG zeichnet ja nun schon seit fast zwanzig Jahren für die Weihnachtsbeleuchtung verantwortlich. Es gab vorher ja immer wieder Streit darüber, wer die Finanzierung der Illuminierung trägt. Wie kam es denn dazu?

Das ist Klaus-Dieter Gröhler, dem ehemaligen Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf und jetzigem CDU-Bundestagsabgeordneten zu verdanken, der vor 15 Jahren nach einem Interessenbekundungsverfahren die Firma Wall gewinnen konnte. Gröhler hat übrigens auch einmal recherchiert, dass der beleuchtete Kudamm und die Tauentzien­straße mit 4,8 Kilometern der längste beleuchtete Boulevard der Welt ist.

Wall AG finanziert Weihnachtsbeleuchtung zum letzten Mal

Die Wall AG finanziert in diesem Jahr zum 15., aber auch letzten Mal die Weihnachtsbeleuchtung. Der Senat hat die entsprechenden Vereinbarungen aufgekündigt. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen dafür jedes Jahr rund 500.000 Euro ausgegeben. Wer soll denn dafür künftig aufkommen?

Ich bin ein positiver Mensch und denke optimistisch und glaube, dass wir gemeinsam mit allen beteiligen Kräften eine Weiterführung hinbekommen werden. Ich bin guten Mutes, dass wir Firmen finden werden, die sich für den Kudamm starkmachen und sagen: Selbstverständlich muss der Kudamm leuchten. Noch haben wir sie aber nicht und sie werden uns auch nicht in den Schoß fallen, wir müssen darum schon kämpfen.

Unter den Linden gehören ja nun nicht mehr zu City West, aber ist der Boulevard nicht ein Beispiel dafür, dass es auch mal dunkel bleiben könnte, wenn sie eben kein Finanzier findet?

Wir haben das im vergangenen Jahr ja gerade noch einmal mit der Hilfe von Radio Spree gerettet. Für diese Saison kann ich allerdings etwas Positives berichten: Wir haben für dieses Jahr, und ich muss betonen, mit großer Unterstützung der Politik, einen Sponsor gefunden, der die Weihnachtsbeleuchtung Unter den Linden zu 100 Prozent finanziert. Sehen Sie es mir aber bitte nach, dass das Unternehmen noch nicht genannt werden möchte.

Boehlke möchte gern den Reichstag illuminieren

Gibt es ein Objekt in Berlin, das Ihnen besonders wichtig ist?

Jedes Projekt ist für mich wichtig und etwas Besonderes. Als wir mit dem Kudamm gestartet sind, hatten wir vorher noch nie etwas Vergleichbares gemacht. Wir sind da als Quereinsteiger gestartet, wir kommen aus dem Messebereich. Inzwischen sind wir in diesem Bereich schon fast ein Traditionsunternehmen. Wir machen im Auftrag der Deag im dritten Jahr den Christmas Garden im Botanischen Garten in Berlin. Wir statten die Weihnachtsmärkte am Schloss Charlottenburg, am Breitscheidplatz oder auf dem Gendarmenmarkt aus. Wir haben bei ‚Berlin leuchtet‘ in den letzten 15 Jahren fast jedes Baudenkmal in der Stadt wie den Fernsehturm, den Funkturm, das Brandenburger Tor oder den Gendarmenmarkt illuminiert.

Gibt es überhaupt noch etwas in Berlin, das auf Ihrer Wunschliste steht, und das Sie besonders gern mit Licht in Szene setzen würden?

Der Reichstag wäre eine schöne Sache. Wir haben das ja in diesem Jahr zu „Berlin leuchtet“ angestrebt, aber leider keine Genehmigung bekommen.

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