Künstler

Eine Gedenktafel für Conrad Felixmüller

Viele Menschen haben in der City West Spuren hinterlassen und es lohnt sich, an sie und ihr Leben zu erinnern.

Gemeinsam zur Gedenktafel: (v.l.) Konrad Kutt, Kulturstadrätin Heike Schmitt-Schmelz, Bezirksverordneten-Vorsteherin Annegret Hansen (beide SPD), Felixmüller-Enkelin Susanne Geister und Hans-Jürgen Gottlieb Wilke, der die Werke Felixmüllers noch zu dessen Lebzeiten druckte.

Gemeinsam zur Gedenktafel: (v.l.) Konrad Kutt, Kulturstadrätin Heike Schmitt-Schmelz, Bezirksverordneten-Vorsteherin Annegret Hansen (beide SPD), Felixmüller-Enkelin Susanne Geister und Hans-Jürgen Gottlieb Wilke, der die Werke Felixmüllers noch zu dessen Lebzeiten druckte.

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg-Wilmersdorf. Konrad Kutt hat nicht zum ersten Mal bewiesen, dass er hartnäckig seine Ziele verfolgt. Der Initiator der Berliner Bücherboxen hat Erfahrung mit der Berliner Verwaltung. Dieses Mal wollte der Grunewalder aber keine ausrangierte Telefonzelle irgendwo in der Stadt aufstellen, um eine Mini-Bibliothek zu installieren. Dieses Mal war wollte er an den Maler und Grafiker Conrad Felixmüller erinnern, der 1934 bis 1941 im Haus Rönnestraße 18 in Charlottenburg gelebt hat. In der für Charlottenburg ungewöhnlich kurten Zeit von eineinhalb Jahren gelang es Kutt, Stadträtin, Gedenktafel-Kommission und Hausbesitzer von seinem Vorhaben zu überzeugen. Mit zu seinem Erfolg beigetragen haben mag, dass Kutt, die Erinnerungstafel auch gleich selbst finanziert hat. Seit Montag hängt sie an dem Haus an der Rönnestraße 18.

Von den Nationalsozialisten verfemt

Conrad Felixmüller (1897-1977) gilt als Vertreter der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 seine Werke in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in Dresden ächteten zog Felixmüller 1934 nach Charlottenburg in das Haus Rönnestraße 18. Schon 1936 waren rund 40 seiner Werke Teil der nationalsozialistischen Ausstellung „Entartete Kunst“ und der Maler wurde aus dem Verein Berliner Künstler ausgeschlossen. Seine Bilder wurden aus öffentlichen Sammlungen entfernt, 151 wurden in den Jahren zwischen 1938 und 1939 zerstört. An der Rönnestraße lebte Felixmüller nicht nur mit seiner Familie, sondern malte auch Bilder, manche direkt aus dem Fenster von den Gleisanlagen der Stadtbahn.

Felixmüllers Charlottenburger Domizil wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört, weshalb der Maler nach Tautenhain bei Leipzig zog. Nach einem kurzem Kriegsdienst (1944/45) kam er in Sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1949 wurde Felixmüller Professor an der Pädagogischen Fakultät der Universität Halle, wo er bis 1961 lehrte. Nach seiner Emeritierung kehrte er nach Berlin zurückwieder zurück. 1967 übersiedelte er von Köpenick in nach Zehlendorf, wo er am 24. März 1977 starb. Felixmüller wurde in einem Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Zehlendorfer Friedhof bestattet.

Gedenktafeln als Beiträge für die Rekonstruktion der Stadtgeschichte

"Auch diese Gedenktafel versteht sich als ein individueller Beitrag zur bewegten Stadtgeschichte Berlins, die uns im öffentlichen Stadtraum überall begegnet. Diese zahlreichen Gedenktafeln, Gedenksteine und Informationstafeln erlauben die Rekonstruktion von Stadtleben und Stadtkultur, verweisen auf die politische Situation und den Werdegang und Lebensweg der geehrten Persönlichkeiten", sagte Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) anlässlich der Enthüllung der Tafel am Montag. Der Zeitpunkt der Einweihung und des öffentlichen Gedenkens sei bewusst auf die hundertjährige Wiederkehr des Revolutionsjahrs abgestimmt worden", so die Stadträtin. Felixmüller war Mitglied der KPD und verstand sich zeitlebens als ein sozialkritischer Expressionist.

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