Stattet man Adnan Oral in seinem Restaurant an der Schlüterstraße in diesen Tagen einen Besuch ab, ist es fast so, als wäre er nie weg gewesen. Am 3. November eröffnet der Gastronom das „Adnan“ nach über einem Jahr Pause wieder mit einer Party für Freunde und Familie. Doch schon jetzt gehen Stammgäste aus dem Kiez wieder ein und aus, klopfen an die Scheibe, wenn sie Oral dort sitzen sehen, bleiben auf einen Kaffee und freuen sich über die Rückkehr eines alten Bekannten.

So wie Kolumnist Franz Josef Wagner, der um die Ecke wohnt. „Er hat hier schon sehr gefehlt“, sagt er, bestellt einen Espresso und zündet sich eine Zigarette in seinem zweiten Wohnzimmer an. „Hier trifft man ganz Berlin, ohne dass man sich verabreden muss.“ Auch Adnan Oral hat gute Laune. Er sei erholt und ausgeschlafen aus seinem Sabbatical zurückgekehrt, sagt er. Das sei eben etwas länger ausgefallen als geplant. Er sei auf Reisen gewesen, habe nachgedacht. „Das kann ich jedem nur empfehlen.“ Gerüchte, er sei im Gefängnis gewesen, seien Quatsch. Er sei auch nicht auf der Flucht vor der Steuerfahndung gewesen. „Es stimmt aber, dass in diesem Bereich gegen mich ermittelt wird“, gibt er zu.

Der erste reguläre Tag bei „Adnan“ ist der 5. November. Mit seinem neuen Küchenchef Dennis Markov, vormals aus dem „Borchardt“, will Oral seine Karte zukünftig internationaler aufstellen. Ob er fürchtet, dass ihm die Pause und die Gerüchte geschadet haben? „Ich glaube nicht, dass die Gäste wegbleiben. Ich gehöre zu Berlin, und Berlin gehört zu mir“, sagt er. „Und getratscht wird doch immer. Wer geht schon essen, weil er Hunger hat.“