Stadtentwicklung

Senat und Bezirk streiten um Hochhäuser am Bahnhof Zoo

| Lesedauer: 5 Minuten
Philipp Siebert
Das Areal nördlich des Bahnhofs Zoo mit Busbahnhof und dem Riesenrad-Areal soll neu entwickelt werden. Über das Wie streiten Bezirk und Senat

Das Areal nördlich des Bahnhofs Zoo mit Busbahnhof und dem Riesenrad-Areal soll neu entwickelt werden. Über das Wie streiten Bezirk und Senat

Foto: Reto Klar

Statt einem könnten vier Hochhäuser an der Hertzallee entstehen. Bezirk und TU sehen das kritisch. Nur eine Variante, so der Senat.

Charlottenburg. Die Richtung ist klar. An der Hertzallee westlich des Bahnhofs Zoo soll es nach oben gehen. 2015 kaufte der Münchner Investor Oliver Reiß die Brache, auf der einst ein Riesenrad vorgesehen war. Er plant ein Hochhaus, dass sich mit knapp 120 Metern am benachbarten Zoofenster und dem Upper West orientieren soll. Laut Charlottenburg-Wilmersdorfs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) nicht das einzige Hochhaus, das auf dem Planungsgebiet Hertzallee Nord zwischen Fasanenstraße, Landwehrkanal und S-Bahndamm vorgesehen ist. Drei weitere sollen demnach auf dem Areal der Technischen Universität entstehen – zwei davon 80 und eines 60 Meter hoch.

Bezirk musste Planungshoheit abgeben

Trotz Widerstand musste der Bezirk Anfang des Jahres die Planungshoheit abgeben, sollte aber in die weiteren Prozesse eingebunden werden. Den bisherigen Verlauf und die inhaltliche Substanz der Diskussion bezeichnet Naumann als „enttäuschend“. Auch von der Standortkonferenz im April habe man sich mehr versprochen. Eine erste interne Abstimmungsrunde, auf er die neuen Pläne vorgestellt worden seien, sei laut Schruoffeneger nicht nur „irritierend“ gewesen, sondern auch Anlass einen eigenen Forderungskatalog an die Planung vorzulegen.

Bezirk kritisiert ungeklärte Rahmenbedingungen

„Grundsätzlich sind wir sehr offen für weitere Hochhausstandorte“, sagt Naumann. Dafür müssten aber zunächst die Rahmenbedingungen geklärt werden. Es sei zuallererst eine „städtebauliche Frage, die entweder in ein Hochhausleitbild oder eine vorgezogene gesamtstädtische Untersuchung gehört“, so Schruoffeneger. Beides liege jedoch nicht vor. Anstatt von den Vorstellungen der Bauherren auszugehen, müssten zunächst neutral alle Aspekte abgewogen und die Verträglichkeit von Hochhäusern auf das Umfeld untersucht werden.

Daneben sollten unter anderem auch Fragen der Durchwegung, der Ausgestaltung der Erdgeschosszonen, der Nutzungsaufteilung und der Ver- und Entsiegelung von Flächen geklärt werden. Alles Dinge, die laut Schruoffeneger im jetzigen Prozess überhaupt keine Rolle spielen. „Im Moment geht es nur um die Baukörper und die bauliche Dichte.“ Dass der Senat die Planungen im Frühjahr abschließen will, sei „beunruhigend“ und lasse keinen Raum für einen seriösen Prozess.

TU befürchtet Eingriff in bestehende Planung

Auch die TU sieht die Pläne kritisch und würde sich wie der Bezirk ein geordneteres Vorgehen wünschen, sagt der Leiter der Bauabteilung der Universität, Martin Schwacke. „Wir wehren uns nicht grundsätzlich gegen solche Überlegungen, aber es muss natürlich abgewogen werden.“ Er stellt zumindest infrage, dass es sinnvoll ist auf die bisherige Planung der TU aufbauen zu wollen und befürchtet, dass in sie eingegriffen werden könnte. Diese sieht ab Sommer 2019 den Bau eines neuen Forschungsgebäudes und eines Mathematikinstituts vor, die 2021 beziehungsweise 2022 fertig gestellt sein sollen. Andernfalls drohten Fördermittel des Bundes zu verfallen.

Den Plan, neben Instituten auch studentisches Wohnen gemeinsam in Hochhäuser zu integrieren, nannte Schwacke „problematisch“. Denn der Erschließungsaufwand sei nicht zuletzt durch die Anforderungen an Brandschutz und Fluchtwege hoch. Sich ferner das ebenfalls geplante Institut für Nanophysik in einem Hochhaus vorzustellen sei sei extrem schwierig. Denn hier würden ganz besondere Anforderungen gelten, etwa die der Schwingungsarmut.

Laut Senatsverwaltung nur eine von mehreren Varianten

Die Kritik des Bezirks stößt bei der Senatsverwaltung auf Unverständnis. Derzeit würde der städtebauliche Entwurf von 2011 durch die damaligen Wettbewerbssieger yellow z und bgmr Landschaftsarchitekten überprüft und vertieft, so Sprecherin Karin Dietl. „Bei dieser Überprüfung werden verschiedene Varianten durchgespielt, ein abschließendes Ergebnis steht noch nicht fest.“ Vielmehr werde mit allen Beteiligten diskutiert, reflektiert und abgestimmt, bevor es eine Entscheidungsempfehlung gibt.

Die Frage sei dabei, welche zusätzliche Nutzung auf dem Areal untergebracht werden kann, sagte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Montag auf einer Diskussionsveranstaltung der BVV-Fraktion ihrer Partei. So brauche die BVG, die derzeit einen Busparkplatz auf dem Gelände unterhält, vor dem Hintergrund ihrer E-Mobilitätsstrategie zusätzliche Flächen. Eine mehrgeschossige Garage sei möglich. Auch eine Integration der BVG-Konzernzentrale wäre aus Stadtentwicklungsgründen zumindest eine sehr erfreuliche Entwicklung, so Lompscher. Ihm seien wiederum keinerlei Umzugspläne bekannt, sagte ein BVG-Sprecher auf Anfrage.

BIMA-Hochhaus schwer vorstellbar

Hinsichtlich der TU-Flächen sortiere man derzeit neu und wolle gucken, wie man neben Forschungsbauten auch andere Nutzung und hier insbesondere studentisches Wohnen unterbringen kann, so Lompscher weiter. Ferner habe sich der Investor Reiß bereiterklärt, in sein Gebäude sozialen Wohnraum zu integrieren. Er sei sehr kooperativ und hinsichtlich einer inhaltlichen Nähe zur TU aufgeschlossen.

Was den Bereich Hertzallee Nord angeht, mache sie sich wenig Sorgen, sagte Lompscher. Auf dem Gebiet südlich sei jedoch noch unklar wo die Reise hingeht. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) überlegt ebenfalls ein Hochhaus zu bauen. „Dass würde aber de facto eine Verdoppelung der Geschossfläche erfordern. Das ist an dem Standort schwer vorstellbar, weil dort sehr viel denkmalgeschützter Bestand ist.“ Den Vorstellungen der AG City, auch auf dem Hardenbergplatz ein Hochhaus zu bauen, erteilte sie dagegen erneut eine klare Absage.