Die Fußgängerunterführung mit ihrer besonderen Bauweise und den orangefarbenen Kacheln ist etwas Besonderes. Die Pop-Art-Architektur nutzten Filmemacher in der Vergangenheit als Kulisse, Szenen aus „Die Tribute von Panem“ oder dem Tatort wurden hier abgedreht, auch Action-Star Matt Damon turnte für einen Kinostreifen an dieser Stelle durch den Charlottenburger Untergrund. Aber die Passarelle, in den 60er-Jahren im Sinne einer „autogerechten Stadt“ als Querungsmöglichkeit für Fußgänger konzipiert, bietet auch all denjenigen Schutz, die sonst kein Dach über dem Kopf haben. Obdachlose schlagen nachts ihre Lager auf, es stinkt nach Urin, die defekten Fahrstühle dienen als Toilette, die Rolltreppen sind mit Sperrholzplatten abgedeckt: Besonders in den Abend- und Nachtstunden ist es unangenehm, sie zu passieren.
Die unterirdische Verbindung zwischen ICC, ZOB und Messe ist ein Angstraum, seit Jahren ist der Handlungsbedarf allseits anerkannt, es muss nun wirklich etwas geschehen. Oliver Schruoffeneger (Grüne), Leiter des bezirklichen Stadtentwicklungsamtes, hat deshalb Betroffene und Experten um ihre Meinung gefragt, was mit der Passarelle geschen soll.
Skateboard-Szene möchte Passarelle gern weiter nutzen
Die Skateboard- und BMX-Rad-Szene würden den Raum gern weiter nutzen, weil sie dort perfekte Bedingungen für ihren Sport vorfindet, „gerade wenn es draußen nass ist“, wie Diskussionsteilnehmer Hans Jürgen Kuhn, Vorsitzender des Deutschen Skateboardverbandes, sagt.

Horst Wohlfahrt von Alm von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat den Fokus indes auf die Umgestaltung der Kreuzung gerichtet und könnte dem Vernehmen nach gut damit leben, würde das unterirdische, denkmalgeschützte Bauwerk zugeschüttet. „Man darf nicht vergessen, dass sein Unterhalt eine Menge Geld kostet“, sagt er. Mit den von Moderatorin Anne Kammerzelt eingangs erwähnten 300.000 Euro pro Jahr ist es Wohlfahrt von Alms zufolge nicht getan. Das Land plant, die Kreuzung fußgängerfreundlich zu machen. Die Ampeln seien auf dem Tunnelbauwerk befestigt und nicht ohne weiteres versetzbar. Derzeit laufe eine Machbarkeitsstudie, sagt Wohlfahrt von Alm, die Planungen würden aber sicher noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.
Vor der vorschnellen Vernichtung der Passarelle warnt indes Architekt und Publizist Wilfried Wang. Hinsichtlich des Umbaus des Autobahndreiecks Funkturm inklusive des Gedankenspiels, einen Teil der A 100 zur Gewinnung zusätzlichen Stadtraums zu überdachen, wisse man noch nicht, welchen Nutzen der Tunnel noch haben könnte. „Vielleicht springt man mit der Schließung und Zuschüttung zu kurz.“
Bezirksstadtrat Schruoffeneger würde es ebenfalls gern sehen, wenn der Raum erhalten bliebe. „Es gibt ohnehin zu wenig unreglementierte Flächen im Bezirk.“ Gegen Ende der Diskussion verständigt er sich mit Gerhard Buchholz von der Tourismusgesellschaft Visit Berlin und Messe-Sprecher Emanuel Höger darauf, mit finanzieller Unterstützung aus dem Topf der Übernachtungssteuer City Tax ein Kunst- und Kulturkonzept auszuarbeiten. In Erwägung wurde auch gezogen, eine Agentur damit zu beauftragen, künftige Events in der Passarelle zu koordinieren.
Messe will Angstraum Passarelle entschärfen
Denn gerade die Messe hat größtes Interesse daran, den „Angstraum Passarelle“ zu entschärfen. Sowohl Kongress- und Messebesucher als auch Mitarbeiter würden den abendlichen Gang durch den Tunnel meiden. "Das geht einfach nicht", sagte Höger. Zu den Veranstaltungen werde die Fläche bereits in Eigenregie gereinigt. „Wir denken auch darüber nach, ihn mit Musik zu beschallen, um ihn für Passanten angenehmer zu machen. Im Moment ist er einfach nur erschreckend“, so Höger.


