So trist das Dasein der Avus-Tribünen in den vergangenen Jahren war, es gibt Licht am Horizont. Nach einer Planungs- und Beantragungsphase beginnt am heutigen Montag die Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks – mit dem Abriss des maroden und einsturzgefährdeten Dachs. Um den laufenden Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen, wird die Avus erst gegen 22 Uhr gesperrt, dann rücken Bagger und Kräne an. Während des Abrisses, der voraussichtlich zehn Tage dauern wird, bleibt nachts eine Fahrspur der Autobahn gesperrt.

Es wird nicht einfach für den Bauherrn, sein Vorhaben auch zu einem Ende zu bringen, denn gebaut werden darf nur während der Ferien, um die Verkehrsbehinderungen an der A115 zu minimieren. „Wir reißen jetzt das Dach ab“, sagt Eigentümer Hamid Djadda. Dann müsse die Tribüne wieder warten. Weitergebaut werden dürfe nämlich nur in Etappen in den Sommerferien und den Herbstferien. „Wenn alles gut geht, wollen wir im Sommer 2019 fertig sein“, hofft Djadda. Ursprünglich sollten die Sanierungsarbeiten schon im vergangenen Herbst starten. Im Sommer hatte der Investor bereits die Sitzbänke entfernen lassen.

Heruntergekommen: Die Avus-Tribüne an der Avus ist seit Jahren außer Betrieb und sanierungsbedürftig
Heruntergekommen: Die Avus-Tribüne an der Avus ist seit Jahren außer Betrieb und sanierungsbedürftig © picture alliance / Arco Images | dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin

Der Unternehmer will unterhalb der Sitzreihen Büros bauen. Als besonderer Clou des Entwurfs des Hamburger Architekten Christoph Janieschaber ist ein verglaster Veranstaltungsraum auf der Kanzel in der Mitte der Tribüne gedacht – für Feiern direkt an der Autobahn mit 90.000 Fahrzeugen pro Tag. Blicke der Autofahrer soll das Spezialglas nicht durchlassen, das würde ablenken. Auch auf der restlichen Tribünenfläche dürfen keine Ablenkungen für Autofahrer entstehen, so wollen es die Behörden.

Anders als die Vorbesitzer will Djadda dabei mit einem einstelligen Millionenbetrag auskommen. Frühere Investoren hatten geplant, die gesamte, 240 Meter lange Tribüne zur Avus hin zu verglasen und den so entstandenen Raum komplett nutzbar zu machen. Djaddas Konzept ist etwas bescheidener. „Dafür aber bezahlbar“, sagt der Geschäftsmann. Der Entwurf sieht vor, nur 20 Meter der Tribünen verglasen zu lassen.

Djadda hofft, dass auch die Messe die neu entstehende Veranstaltungsfläche nutzen wird. Das Konzept des gebürtigen Persers sieht außerdem vor, dass in die Büros Start-ups aus der Mobilitätsbranche einziehen. Im restlichen Tribünenbauwerk sollen 16 Glasboxen in regelmäßigen Abständen aufgestellt werden. In diesen könnten etwa historische Fahrzeuge oder zukunftsweisende Mobile ausgestellt werden.

„Es ist ein ungewöhnliches Projekt, und ich mache ungern normale Sachen“, sagt der Unternehmer. Immerhin, so meint er stolz, rette er mit seinem Projekt auch ein Stück Berliner Geschichte.

Dem Geschäftsmann gehört eine Marzipan-Manufaktur

Im vergangenen Jahr hatte der Geschäftsmann bereits die Marzipan-Manufaktur Ohde gegründet, deren Waren er in zwei Charlottenburger Geschäften verkauft. Der Gewinn daraus fliest teilweise in eine Stiftung, die Neuköllner Schülern einen Abschluss ermöglichen soll. Aus dem Abriss will Djadda erwartungsgemäß ein kleines Event machen. Auch der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), hat sein Kommen angesagt. „Das ist ja auch nicht irgendein Bauprojekt“, sagt der Bezirksbürgermeister. Lange habe man sich über den Niedergang des Bauwerks geärgert. „Jetzt sind wir froh, dass die City West mit dem Neubau wieder ein repräsentatives Entree bekommt“, so Naumann.

Die Avus („Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“) war im Jahr 1921 eröffnet worden und gilt als erste Autobahn der Welt. Die Tribüne wurde in den Jahren 1936 und 1937 errichtet. 1999 fand das letzte Rennen auf der Strecke statt. Seitdem verfällt die Tribüne. 2007 erwarb ein privater Eigentümer die Tribüne. Damals hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Bauwerk für rund 500.000 Euro an die Avus Tribüne GmbH verkauft, unter anderem war ein kleines Avus-Museum geplant. Die Pläne verzögerten sich jedoch immer wieder. 2012 stellte das Unternehmen endlich einen Bauantrag – jedoch ohne mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Um den Schandfleck vis-à-vis dem 2014 eröffneten City Cube auf dem Messegelände endlich zu beseitigen, schlug die Messe Berlin schließlich vor, dass sie die Tribüne übernehmen und nutzen würde. Doch dazu kam es letztlich nicht mehr, stattdessen erwarb der Berliner Geschäftsmann Hamid Djadda das Bauwerk vor drei Jahren – um jetzt das jahrelange Trauerspiel um das denkmalgeschützte Ensemble zu beenden.

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