Terroranschlag

Gedenkort am Breitscheidplatz wurde verlegt

AfD erweckt mit Foto missverständlichen Eindruck, der Gedenkort sei verwahrlost.

Der Gedenkort wurde wegen der Aufbauarbeiten für den Weihnachtsmarkt verlegt

Der Gedenkort wurde wegen der Aufbauarbeiten für den Weihnachtsmarkt verlegt

Foto: Uta Keseling

Mit einem missverständlichen Foto verbreitet die AfD zurzeit den Eindruck, das Gedenken für die Opfer des Attentats vom Breitscheidplatz sei in verwahrlostem Zustand. Das Foto zeigt, wie an dem bisherigen Gedenkort eine große Menge abgebrannter Grablichter liegen, daneben stehen eine Gedenktafel und Plakate – und ein Müllcontainer. „Deutschland gedenkt seiner Opfer. Nicht“, twitterte ein sächsischer AfD-Funktionär. Das Bild wurde in den sozialen Netzwerken vielfach geteilt. Auch Berliner AfD-Mitglieder versendeten es.

Was fehlte, war die Information, dass die Gedenkstätte lediglich einige Meter verlegt wurde – aus organisatorischen Gründen. Zurzeit wird an der Gedächtniskirche der Weihnachtsmarkt aufgebaut. „Wir wollten nicht, dass der Gedenkort durch Stände in die Ecke gedrängt wird, deswegen wurde er nach vorn auf die Stufen verlegt“, sagt Pfarrer Martin Germer von der Gedächtniskirche. Er habe darüber die AG City informiert. Die Mitarbeiter seien aufgefordert, alle abgelegten Gegenstände aufzuheben. Möglicherweise wurden sie deswegen zunächst am alten Ort belassen. „Wir archivieren alles, was zum Gedenken abgelegt wird“, so Germer. Der „Umzug“ sollte noch am Mittwoch abgeschlossen werden. Das „Kerzenmeer“ war bereits einmal wegen der Bauarbeiten vor der Kirche verlegt worden.

Germer teilte am Abend mit, die Gedenkstelle wäre am vorherigen Standort direkt an der Nordseite des Alten Turms zwischen den Marktständen zu sehr ins Abseits geraten. Germer: „Der neue Standort wurde ausgewählt, damit alle Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarktes die Möglichkeit haben, an dieser Stelle innezuhalten, und um den Kerzen und den vielen persönlichen Erinnerungszeichen eine würdige Umgebung zu geben.“

Im Zuge der Verlegung, heißt es in der Mitteilung weiter, sei vorübergehend eine Ansammlung abgebrannter Kerzen an der bisherigen Stelle zurückgeblieben, die auch noch von Unbekannten zusätzlich durcheinandergebracht worden sei, während die neue Stelle schon im Entstehen gewesen sei.

Am 19. Dezember, dem ersten Jahrestag des Attentats, wird in einem Trauerakt der Opfer gedacht und auch der feste Gedenkort auf dem Breitscheidplatz eingeweiht. Ein in den Boden eingelassenen, goldener „Riss“ soll künftig der Opfer des Terrors gemahnen. Auch nach dem 19. Dezember soll individuelles Gedenken möglich sein. Nach wie vor bringen fast täglich Menschen Kerzen und Blumen.