Charlottenburg

Inventur am Lietzensee: So soll der Park fit gemacht werden

Für den Park am Lietzensee wurde eine Art Gebrauchsanweisung entwickelt – eine Mischung aus Denkmalschutz und Zukunftsplänen.

Großer Andrang vor dem denkmalgechützen Parkwächterhaus bei der Vorstellung des Parkpflegewerks

Großer Andrang vor dem denkmalgechützen Parkwächterhaus bei der Vorstellung des Parkpflegewerks

Foto: Carolin Brühl / BM

Er soll sich verändern, aber auch so bleiben, wie er ist. Diesen Spagat soll das neue Parkpflegewerk für den Lietzenseepark leisten. Drei Jahre hat die Arbeit an dem sechsbändigen Werk gedauert. Das Landesdenkmalamt, das bezirkliche Grünflächen- und Umweltamt, aber auch die Vereine "Bürger für den Lietzensee" und "ParkHaus Lietzensee" haben darin ihre Vorstellungen eingebracht, wie sich der rund zehn Hektar große Volkspark und der etwa sechs Hektar große See künftig entwickeln sollen.

Angelegt wurde der Park zwischen 1919 und 1921 vom Charlottenburger Gartendirektor Erwin Barth. "Wenn jetzt ein Baum gefällt werden muss, weil er nicht mehr standsicher ist, können wir nachschlagen, was hier ursprünglich für einer stand oder ob Barth da überhaupt einen Baum eingeplant hatte", sagt Dietmar Land, der die "Gebrauchsanleitung" für den Park aus historischen Unterlagen und aktuellen Forderungen zusammengefügt hat.

"Das Parkpflegewerk ist zuerst einmal eine mehrschichtige Bestandsaufnahme über die Art der Nutzungen, die vorhandenen Denkmale und auch die Biotope", sagt Walter Schläger, Fachbereichsleiter Grün im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Es soll Erhaltungs- und Entwicklungsziele für den Park in den nächsten Jahrzehnten aufzeigen, die von der Verwaltung in Zukunft bei der Umsetzung der Pflegepläne genutzt werden können, und für die Bürger, die sich im Park engagieren, nachvollziehbar sein sollen. Schläger zufolge sind die Aufgaben vielschichtig.

Die rund 200.000 Euro, die die Sanierung kosten würde, hat der Bezirk nicht

Die denkmalgeschützte Anlage soll erhalten werden, der Park aber auch für die immer stärkere Nutzung fit gemacht werden. Zu berücksichtigen seien auch Ziele der Biodiversität, also die Erhaltung der Vielfalt von Pflanzen und Tieren sowie die Wasserqualität des Sees. Und dabei sollen auch noch Pflegekosten eingespart werden.

Wie sehr diese Punkte ineinandergreifen, schildert Norbert Voss vom Verein "Bürger für den Lietzensee" am Beispiel der kleinen Kaskade. Die Beete entlang der mehrstufigen, denkmalgeschützten Brunnenanlage werden zwar vom Verein bepflanzt und gepflegt, doch das Wasserspiel selbst ist in einem desolaten Zustand und müsste dringend saniert werden.

Statt einer Wasserkaskade fließt nur ein dünnes Rinnsal vom Rand des Parks in den See. Die rund 200.000 Euro, die die Sanierung kosten würde, hat der Bezirk aber nicht. Das bedeute dass der See nicht genug frisches Wasser zugeleitet bekomme, was vor allem in heißen Sommern immer wieder zu Problemen mit der Wasserqualität führe:. "Dann stinkt der See."

Die Vereine machen sich auch gegen Müll im Park stark

Die Umgestaltung des Lietzenseeparks sei aber wohl ein Prozess der kleinen Schritte, so Voss. "Der Park steht als gartenkulturelles Erbe unter Denkmalschutz", sagt Dietmar Land. Teile der Anlage stammen noch aus der Kaiserzeit, der Großteil wurde dann in den 20er-Jahren angelegt. "Es gibt Skulpturen aus verschiedenen Epochen, aber beispielsweise auch den Spielplatz an der Herbartstraße aus dem 50er-Jahren", so der Experte. Dieses vielschichtige Gartendenkmal gelte es zu erhalten. Es sei aber nicht museal, sondern werde das ganze Jahr über genutzt.

Darüber wie der Park einmal ausgesehen hat, sei viel Wissen verloren gegangen, bedauert Land. So sei beispielsweise der Spielplatz zwischen See und dem Parkwächterhäuschen noch relativ neu. Auf alten Aufnahmen könne man sehen, dass das Areal schon früher als Spiel- und Aufenthaltswiese genutzt wurde, aber einen Spielplatz habe es in den 20er-Jahren noch nicht gegeben.

"Am schönsten ist das Ergebnis immer, wenn man gar nicht merkt, dass sich etwas verändert hat"

Parallel zur Arbeit am Parkpflegewerk wurden bereits einige Maßnahmen durchgeführt, die die historische Form des Parks wieder aufnehmen. Land zeigt auf drei Bänke, die vom Parkwächterhaus in einer Sichtachse zum See stehen. "Der Blick auf den See war zugewachsen. Wir haben ihn wieder freigelegt." Die Sitznischen mit den Bänken liegen an einem Uferweg, an dem gerade gebaut wird. "Am schönsten ist das Ergebnis immer, wenn man gar nicht merkt, dass sich etwas verändert hat, weil es einfach logisch wirkt", sagt Land.

Der neugewonnene Blick auf den See freut auch den Verein "ParkHaus Lietzensee", der das denkmalgeschützte Parkwächterhäuschen mit Lottomitteln zu einer Begegnungsstätte umbauen will. Die beiden Lietzensee-Vereine fordern regelmäßige runde Tische mit dem Bezirksamt zur Situation im Park. Vor allem der Vermüllung an den Wochenenden wollen sie mit einer Aktion begegnen, in die auch Geschäfte und Restaurants in der Umgebung eingebunden werden.

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