Die Deutsche Bank hat ihr größtes Bauprojekt seit 20 Jahren in Berlin fertiggestellt. In zwei Gebäuden an der Otto-Suhr-Allee 16 in Charlottenburg wurde Raum für insgesamt 2.200 Arbeitsplätze geschaffen. Dort arbeiten 650 Angestellte des Risikomanagements und 400 in einem rund um die Uhr besetzten Callcenter sowie weitere in der Kreditbearbeitung und in Serviceabteilungen.
„Das Gebäude ist ein Bekenntnis der Deutschen Bank zu ihrem Heimatmarkt Deutschland“, sagte Asoka Wöhrmann, der Leiter des nationalen Privatkundengeschäfts. Harald Eisenach, der Sprecher der regionalen Geschäftsführung Ost der Deutschen Bank, unterstrich die termingerechte Fertigstellung des Neubaus. Sie biete durch kurze Wege große Vorteile für die Zusammenarbeit der Teams. Das Gebäude sei fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung bezogen worden.
Wirtschafts-Staatssekretär Hans Reckers, der vor dieser Tätigkeit Vorstand der Bundesbank war, stellte die Bankenkrise in den Mittelpunkt seines Grußworts. „Das schwerwiegende Vertrauensproblem der Banken ist noch nicht überwunden, Banken haben ein Ertragsproblem durch Niedrigzinsen und stehen vor einer großen Herausforderung durch die Digitalisierung“, sagte er. Besonders Europa werde noch längere Zeit mit Niedrigzinsen zu tun haben.
13 der 30 deutschen Dax-Konzerne haben in Berlin Zentren
Reckers verwies auf die Anstrengungen des Berliner Senats für einen wirtschaftlichen Strukturwandel in der Stadt. „13 der 30 deutschen Dax-Konzerne unterhalten in Berlin bereits Zentren für ihren digitalen Strukturwandel“, sagte Reckers. Ferner nannte er die Installation eines Testfelds für den kommenden Mobilfunkstandard 5G am Ernst-Reuter-Platz als Zeichen für die Innovationsbereitschaft der Stadt. Die drei Begriffe Toleranz, Talente und Technologie seien die Markenzeichen des neuen Berlin.
Mit der Eröffnung ihres zentralen Risikomanagements stärkt die Deutsche Bank ihren Standort Berlin. Dieser Bereich gehört zu den wenigen, die innerhalb von Bankkonzernen wachsen. 650 Experten aus 65 Ländern analysieren dort, wie sich Risiken unterschiedlichster Art auf die Bankgeschäfte auswirken können. „Auf der Basis dieser Analysen geben sie Handlungsempfehlungen“, sagte ein Sprecher. Das können Betriebsrisiken wie Hochwasser oder Vandalismus sein. Auch Marktrisiken werden mit Stresstests analysiert, um das Verhalten von Anlageportfolios vorhersagen zu können. Das können beispielsweise politische Ereignisse sein, wie zuletzt die US-Präsidentenwahlen. Ein weiterer Bereich ist das Kreditrisikomanagement. Geschäftssprache im Risikomanagement ist nicht Deutsch, sondern Englisch.
Das Gebäudeinnere prägen helle und offene Arbeitsbereiche, „Thinktanks“ genannte Rückzugsmöglichkeiten, Konferenzräume und Erholungszonen. Ferner gibt es zwei Restaurants. Optischer Akzent auf dem Vorplatz der neuen Bankgebäude ist die signalrote und jeweils sechs Meter hohe, tiefe und breite Stahlskulptur „2Free Space“ des Künstlers Dirk Bell.
Die Deutsche Bank ist Mieterin der beiden neuen Gebäude mit einer Nutzfläche von 25.430 Quadratmetern, deren Eigentümerin der Immobilienfonds „Grundbesitz Europa“ der Deutschen Asset Management ist, eines Tochterunternehmens der Deutschen Bank.
43 Filialschließungen nach Fusion mit Berliner Bank
Während die Deutsche Bank am Ernst-Reuter-Platz investiert, wird an anderer Stelle massiv eingespart. Das Institut will im Rahmen eines konzernweiten Sanierungskonzepts bis zum Ende des nächsten Jahres 43 seiner 80 Berliner Filialen schließen und die verbleibenden Standorte unter der Dachmarke Deutsche Bank zusammenführen. Bundesweit bleiben von 730 nur noch 588 Filialen übrig. Das Institut reagiert damit auf hohe Kosten und die Abwanderung weiter Kundenschichten ins Onlinebanking. Wie von Kunden zu hören ist, wurden entsprechende Benachrichtigungen bereits verschickt.
Im Gegenzug will die Deutsche Bank in Berlin ein neues Konzept von Beratungscentern testen, wo Kunden auch außerhalb der gewöhnlichen Öffnungszeiten per Chat, Telefon oder Videokonferenz bedient werden. Der Pilot dieser Center wird mit 100 Beschäftigten direkt gegenüber dem Bahnhof Zoo eröffnet. Diese Einrichtung soll vor allem Privat- und Gewerbekunden sowie Selbstständigen dienen. Die in Berlin gewonnenen Erkenntnisse sollen den Aufbau sechs weiterer solcher Zentren in den übrigen Direktionen der Bank optimieren.


