Sieben Monate nach einem illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang müssen sich zwei als „Kudamm-Raser“ bekannt gewordene Männer vor Gericht verantworten. Wie Justizsprecherin Lisa Jani am Mittwoch mitteilte, beginnt der Prozess gegen die 24 und 27 Jahre alten Berliner am 8. September vor einer Schwurgerichtskammer am Landgericht. Moabit. Die Staatsanwaltschaft hat bereits im Juli gegen Marvin N. und Hamdi H. wegen Mordes angeklagt, inzwischen hat die zuständige 35. Strafkammer die Anklage zugelassen.

Marvin N. und Hamdi H. haben in der Nacht zum 1. Februar dieses Jahres mit ihren hochgezüchteten Wagen (AMG-Mercedes, 380 PS und Audi A 6, 224 PS) ein Rennen veranstaltet, das vom Kurfürstendamm bis zum Wittenbergplatz führen sollte. Es endete allerdings bereits an der Kreuzung Tauentzienstraße / Ecke Nürnberger Straße. Beide Männer überfuhren dort eine rote Ampel, zugleich fuhr von Rechts kommend bei Grün der 69-jährige Michael W. mit seinem Jeep in die Kreuzung hinein. Marvin N. kann noch ausweichen, doch Hamdi H. prallte mit mindestens 160 Stundenkilometern seitlich gegen den Geländewagen des Rentners. Der erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen.

Tödlicher Unfall bei illegalem Autorennen

Am Tauentzien in der City West starb in der Nacht zum 1. Februar 2016 ein Rentner. Ein Sportwagen krachte in voller Fahrt in den Jeep des Mannes.
Am Tauentzien in der City West starb in der Nacht zum 1. Februar 2016 ein Rentner. Ein Sportwagen krachte in voller Fahrt in den Jeep des Mannes.© ABIX | Foto: ABIX
Zwei Sportwagenfahrer hatten sich zuvor ein illegales Rennen geliefert.
Zwei Sportwagenfahrer hatten sich zuvor ein illegales Rennen geliefert.© ABIX | Foto: ABIX
Dabei rasten die beiden Fahrer bei Rot über mehrere Ampeln.
Dabei rasten die beiden Fahrer bei Rot über mehrere Ampeln. © ABIX | Foto: ABIX
Ein Mercedes konnte ausweichen, ein Audi prallte auf den Jeep.
Ein Mercedes konnte ausweichen, ein Audi prallte auf den Jeep.© Abix | Abix
Der Mercedes wurde durch die Luft geschleudert und landete auf der Mittelinsel.
Der Mercedes wurde durch die Luft geschleudert und landete auf der Mittelinsel.© ABIX | Foto: ABIX
Der 69 Jahre alte Fahrer des Jeeps starb noch am Unfallort.
Der 69 Jahre alte Fahrer des Jeeps starb noch am Unfallort.© ABIX | Foto: ABIX
Die Fahrer der beiden anderen Autos wurden schwer verletzt.
Die Fahrer der beiden anderen Autos wurden schwer verletzt.© ABIX | Foto: ABIX
Auch eine Beifahrerin kam in ein Krankenhaus.
Auch eine Beifahrerin kam in ein Krankenhaus.© Abix | Abix
Der am Unfall beteiligte Mercedes soll sich mehrfach überschlagen haben.
Der am Unfall beteiligte Mercedes soll sich mehrfach überschlagen haben.© ABIX | Foto: ABIX
Experten der Kriminaltechnik ermitteln.
Experten der Kriminaltechnik ermitteln.© ABIX | Foto: ABIX
Einer der Unfallwagen zertrümmerte die Betonumrandung der Mittelinsel.
Einer der Unfallwagen zertrümmerte die Betonumrandung der Mittelinsel.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Erst der Erdwall des Beetes stoppte das Auto.
Erst der Erdwall des Beetes stoppte das Auto.© dpa | dpa
Übrig blieben Betonbrocken.
Übrig blieben Betonbrocken.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Der Tauentzien war über Stunden gesperrt.
Der Tauentzien war über Stunden gesperrt.© dpa | dpa
Und es musste ein neuer Ampelmast aufgestellt werden.
Und es musste ein neuer Ampelmast aufgestellt werden.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Viele kleine Einzelteile der Fahrzeuge wurden über die Straße verteilt.
Viele kleine Einzelteile der Fahrzeuge wurden über die Straße verteilt.© dpa | dpa
Die BSR reinigte die verschmutzte Fahrbahn.
Die BSR reinigte die verschmutzte Fahrbahn.© Steffen Pletl | Steffen Pletl

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Verkehrsunfalldienstes der Polizei brachten in den folgenden Wochen immer neue und immer schreckliche Details der tödlichen Raserei ans Licht. Obwohl auch in den Nachtstunden am Kurfürstendamm der Verkehr fließt, beschleunigen die beiden Männer nach dem Start schnell auf 130, in Höhe der Gedächtniskirche schließlich auf knapp 170 Stundenkilometer. Der Aufprall reißt bei dem Jeep des Getöteten das komplette Dach fort, eine Stange bohrt sich in den Kopf des 67-Jährigen. Einem Bericht der BZ zufolge überfuhren die beiden Raser insgesamt elf Ampeln, die meisten davon bei Rot.

Die Polizei ermittelte zunächst “nur“ wegen fahrlässiger Tötung. Einen Monat nach der Tat wurden die Ermittlungen auf Totschlag ausgeweitet, die beiden Männer landeten in Untersuchungshaft. Im Juli änderte die Staatsanwaltschaft den Tatvorwurf ein drittes Mal, diesmal auf Mord. Anklage wirft N. und H. vor, den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen und aus niedrigen Beweggründen gehandelt zu haben, nur um ein Rennen zu gewinnen. Der Gesetzgeber nennt solche Taten als sittlich auf unterster Stufe stehend.

Aufsehen hatte neben der völligen Rücksichtslosigkeit beider Männer auch das Verhalten von Hamdi H. unmittelbar nach dem Zusammenprall erregt. Immer wieder erkundigte er sich bei Polizisten und Rettungskräften nach dem Zustand seines heißgeliebten Wagens. Das Opfer dagegen interessierte ihn zunächst nicht.