Der Fall ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Zur Mittagszeit und bei laufendem Geschäftsbetrieb drangen Kriminelle in den Keller der Sparkassenfiliale an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg ein, brachen Schließfächer auf und plünderten sie. Der Wert der Beute – vor allem Schmuck, Goldbarren und wertvolle Uhren – betrug insgesamt rund 2,1 Millionen Euro.
Gegen fünf Mitglieder einer mutmaßlichen Bande begann am Freitag ein Prozess vor einer Moabiter Strafkammer. Der 25 Jahre alte Fadie R. legte zu Prozessbeginn ein Geständnis ab. Tenor: Die Vorwürfe gegen ihn seien zutreffend. Er und zwei weitere Angeklagte sollen am 10. März 2015 in die Sparkassenfiliale eingedrungen sein. Außerdem geht es um drei Anschläge auf Geldautomaten von Januar bis April 2015. Im Stadtteil Adlershof wurde ein Automat aus der Verankerung gerissen. Weil die Polizei schnell vor Ort war, flohen die Täter. In den weiteren Fällen sollen sie mit dem Knacken von Geldautomaten gescheitert sein.
Goldmünzen bei der Flucht verloren
Am 10. März hatte sich Fadie R. gegen 12.15 Uhr den Ermittlungen zufolge den Zugang zu den Schließfächern erschlichen, indem er vorgab, an ein von seiner Ehefrau gemietetes Schließfach gelangen zu wollen. So war es für ihn in einem unbeobachteten Moment möglich, eine Mitarbeitertür, die in das Treppenhaus führte, von innen zu öffnen. Anschließend soll er die Sparkassenfiliale eilig verlassen haben.
Gegen 12.20 Uhr sollen dann zwei der Mitangeklagten durch diese Mitarbeitertür in die Räume der Sparkasse gelangt sein. Zunächst verklemmten die Täter eine Tür, die vom Kundenbereich in den gesicherten Bereich und das Untergeschoss der Sparkassenfiliale führte, mit einem Holzkeil. Danach hebelten sie die Stahlgittertür zum Schließfachraum auf und öffneten gewaltsam 21 der mehr als 1000 Schließfächer. Bei ihrer Flucht verloren sie noch mehrere Goldmünzen, die ein Anwohner später fand.
Auf die Spuren der vorbestraften Täter kamen die Ermittler durch DNA-Spuren. Fadie R. kündigte an, sich am nächsten Prozesstag ausführlich zu den Tatvorwürfen äußern zu wollen. Ihm wird in einer zweiten Anklage vorgeworfen, aus einem Geschäft in Neukölln gemeinsam mit unbekannt gebliebenen Mittätern Festtagskleider im Wert von mehr als 17.000 Euro gestohlen zu haben. Zwei weitere Angeklagte kündigten ebenfalls Geständnisse an. Der Prozess wird am 2. Februar fortgesetzt.


