Aufregung in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf. Am Mittwochabend wurden die freiwilligen Helfer durch die Nachricht aufgeschreckt, das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) wolle dort sechs Räume belegen, die als Gebetsräume für Muslime genutzt werden. Der Betreiber der Notunterkunft, der Arbeiter-Samariterbund (ASB), sei aufgefordert worden, die Räume frei zu machen und die Teppiche zu entfernen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Kreisen der ehrenamtlichen Helfer. Diese lehnten das Ansinnen des Lageso mit Verweis auf das Opferfest, das die Muslime in den kommenden Tagen feiern, allerdings ab. Sie befürchteten, dass es zu Konflikten kommen könnte.

Nach einer entsprechenden Intervention von Sozial-Staatssekretär Dirk Gerstle am frühen Donnerstagmorgen verzichtete das Lageso aber auf die Aktion. Inzwischen hatten sich, zu nächtlicher Stunde, auch Politiker wie die Grünen-Abgeordneten Canan Bayram in den Vorgang eingeschaltet.

Die freiwilligen Helfer hatten angesichts von nach ihren Angaben noch 300 freien Räumen in dem weitläufigen Gebäude kein Verständnis dafür, ausgerechnet die Gebetsräume zu beseitigen. Gebraucht würden derzeit 30 weitere Räume. Die Gebetsräume seien zwar sehr schön und lägen auch gut in dem Ex-Rathaus, dies könne aber angesichts des Teil-Leerstands und der Wichtigkeit des Opferfestes kein Kriterium sein, hieß es. Das Opferfest ist das höchste islamische Fest und wird auf dem Höhepunkt der Haddsch gefeiert, der Wallfahrt nach Mekka.

Mehr als 300 Helfer jeden Tag

Im Rathaus Wilmersdorf sind derzeit 800 Flüchtlinge untergebracht. Platz ist dort theoretisch für 1200 Menschen. Diskutiert wird derzeit darüber, die Belegung auf 1000 Asylbewerber aufzustocken. Das ist nach Informationen der Berliner Morgenpost im Bezirk aber umstritten.

Die ehrenamtlichen Helfer hätten gegen 200 Flüchtlinge mehr nichts einzuwenden. Die Kooperation mit dem ASB sei sehr gut. Es gebe einen Kern von rund zehn Helfern, die jeden Tag vor Ort sind. Dazu kämen täglich im Schnitt 320 Freiwillige, die bei der Betreuung der Flüchtlinge helfen - Lehrer, die Sprachkurse geben und Ärzte nicht mitgerechnet. Die Ehrenamtlichen betreuen Kinder und traumatisierte Frauen, helfen in der Küche, übernehmen Transporte und organisieren vor allem die Annahme, das Sortieren und die Ausgabe der vielen Spenden.