Charlottenburg

Polizei stoppt laute PS-Protze am Kudamm

Drei Autofahrer, die mit extrem laut aufheulenden Motoren am Kudamm unterwegs waren, sind der Polizei unangenehm aufgefallen. Die Beamten beschlagnahmten die Fahrzeuge.

Für viele Berliner und Touristen sind sie ein ständiges Ärgernis: Autofahrer, die die hochgezüchteten Motoren ihrer Sportwagen aufheulen lassen und so den Kurfürstendamm entlangcruisen. Besonders beliebt bei den PS-Protzen ist der Abschnitt zwischen Joachimsthaler Straße und Uhlandstraße. Auf beiden Kreuzungen wird besonders an Freitagabenden und an Wochenenden gewendet, um dann erneut mit heulenden Maschinen auf und ab zu fahren – wahrscheinlich aus reinem Imponiergehabe.

Dem hat die Berliner Polizei am Mittwochnachmittag einen Riegel vorgeschoben. Die Fahrer eines Alfa Romeo, eines BMW und eines Lamborghini fielen den Polizisten zwischen 13.30 Uhr und 15 Uhr dadurch auf, dass sie ihre Motoren extrem laut aufheulen ließen. Daraufhin stoppten die Polizisten die Fahrer an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße und beschlagnahmten die PS-starken Autos. Bei allen Fahrzeugen bestehe der Verdacht auf technische Mängel, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Abschleppwagen brachten die Luxuskarossen auf ein sogenanntes Sicherstellungsgelände der Polizei. Dort sollen die Wagen von Gutachtern untersucht werden, hieß es weiter. Der Zentrale Verkehrsdienst hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Die betroffenen Fahrer mussten derweil auf andere Verkehrsmittel umsteigen.

Nachteinsatz gegen Lärmsünder

Die Fahrzeuge, die die Anwohner der City West häufig auch nachts mit ihrem Lärm um den Schlaf bringen, sind zumeist ebenso begehrt wie exotisch. Ob roter Bugatti, gelber Maserati oder stahlblauer Mustang, Hingucker sind die Sportwagen allemal. Doch sie sind bereits zu hören, lange bevor sie auf der Straße zu sehen sind – ein dumpfes Röhren der Motoren, ein satter Sound, der einige begeistern, viele andere aber auch sehr nerven kann. Das ist vor allem in Frühling und Sommer der Fall, wenn die Besitzer ihre Wagen nach der Winterpause wieder fahren. Neben dem Kurfürstendamm heulen auch an der parallel verlaufenden Kantstraße die PS-starken Motoren regelmäßig ohrenbetäubend auf.

Was den einen Spaß macht, geht den anderen gehörig auf die Nerven: Immer mehr gestresste Anwohner haben sich wegen der Lärmbelästigung an die Polizei gewandt, in der Folge kommt es zu Sondereinsätzen der Beamten. Ein Reporter der Berliner Morgenpost hat eine Nachtschicht begleitet, bei der die röhrenden Sportwagen im Mittelpunkt standen. Und die ließen nicht lange auf sich warten: „Den Maserati werden wir mal im Auge behalten “, sagt Polizeihauptkommissar Sven W. während dieser Nachtstreife. In gebührendem Abstand versuchen die Beamten, dem Auto in ihrem zivilen Streifenwagen zu folgen.

Kurz vor Mitternacht beobachten sie, dass es dem Fahrer des Sportwagens augenscheinlich recht schwer fällt, mit Tempo 50 oder 60 durch die Stadt zu „schleichen“. An jeder roten Ampel tritt der Fahrer aufs Gas, der Motor heult auf. Einmal kurz Zwischengas – und prompt gilt ihm und seinem Gefährt die ungeteilte Aufmerksamkeit der am Straßenrand stehenden Passanten sowie der Autofahrer. Manch ein Anwohner wird bei dem Krach aber auch senkrecht im Bett sitzen.

Treffpunkt an der Knesebeckstraße

Seit zwei Stunden beobachtet Sven W. gemeinsam mit seinem Kollegen Karsten S. auch einen gelben Lamborghini, der mehrfach den Kurfürstendamm auf und ab gefahren ist. Sie kennen die Typen, die in ihren Wagen für Aufsehen sorgen. „Es sind meist junge Männer“, sagt Karsten S. Einer ihrer Treffpunkte ist das Restaurant „Marooush“ an der Knesebeckstraße. Beinahe abendlich parken dort Luxussportwagen in zweiter Reihe. Und wenn diese dann gemeinsam losfahren, dröhnt es ohrenbetäubend durch das Wohnviertel.

„Gegen diesen Krach vorzugehen ist schwierig“, sagt Sven W. Die Autos sind vom TÜV zugelassen und werden vom Hersteller eben gerade wegen des Motorensounds an den Mann gebracht. Eine Belehrung und ein Appell zur Rücksichtnahme sind Mittel, die PS-Protze zu bändigen. Eine weitere und weit effektivere Methode besteht in der engen Zusammenarbeit zwischen Polizei und Führerscheinbehörde. „Eine Verlängerung der Zeit des ‚Führerscheins auf Probe‘ oder auch eine richterliche Anordnung zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) bewirken bei dem ein oder anderen jungen Mann ein Umdenken“, sagt der Polizeihauptkommissar.

Straße wirkt wie ein Verstärker

„Natürlich wollen einige mit ihrem Wagen imponieren und genießen es, auch am Tag mit röhrendem Motor am Kurfürstendamm aufzufallen“, sagt Sven W. Doch gefährlich wird es, wenn mit den „Geschossen“ auf dem Boulevard kurze Beschleunigungsfahrten veranstaltet werden. „Dabei ist meist keine Geschwindigkeitsüberschreitung festzustellen. Dafür entsteht aber ein extremer Geräuschpegel“, sagt der Polizist. Die dichte Bebauung am Kurfürstendamm wirke wie ein Verstärker. Wichtig ist aber auch für die Fahrer, dass sie dort ausgesprochen viel Publikum haben und Gleichgesinnte finden.

Die beiden Polizisten sind dem Maserati inzwischen bis zur Heerstraße gefolgt. Da macht der Fahrer einen Fehler. Er will ein anderes Auto überholen und ist dafür auf die durch eine Ampelregelung gesperrte Fahrspur ausgeschert. Die Beamten schreiten ein. „Warum halten Sie mich an?“ fragt der Fahrer sie, nachdem er seinen Wagen am rechten Fahrbahnrand geparkt und den Motor abgestellt hat. Nach einem kurzen Wortwechsel und der Prüfung des Führerscheins sowie der Autopapiere darf der 22 Jahre alte angehende Profi-Boxer die Fahrt in seinem Flitzer fortsetzen. „Wir haben es heute bei einer Belehrung belassen“, sagt Sven S. Der Maserati-Fahrer habe Glück gehabt.