Der Countdown zum Fest läuft. Das ist nicht zu übersehen. Auf Kurfürstendamm und Kantstraße installieren Monteure derzeit die Weihnachtsbeleuchtung, das Bikini-Haus hat sich bereits in der vergangenen Woche mit Tausenden Glühlämpchen und Kugeln in eine Winterlandschaft verwandelt. Zeit für den Weihnachtsartikel-Anbieter Käthe Wohlfahrt, Berliner und Berlin-Besucher auf das Fest einstimmen. In den Geschäftsräumen am Kurfürstendamm 225 ist ohnehin das ganze Jahr Weihnachten. Vor drei Jahren hat das Unternehmen mit Sitz in Rothenburg ob der Tauber die Berliner Filiale am Boulevard eröffnet. Zu ihrem 50-jährigen Bestehen und noch vor dem offiziellen Saisonstart am 1. Advent bringt die Firma ihr Angebot nun auf die Straße.

In einer gläsernen Schauwerkstatt auf dem Bürgersteig vor den Geschäftsräumen zeigen bis zum 16. November Kunsthandwerker, wie die traditionellen Engel, Schneemänner und Nikoläuse aus Holz, die schon Großmutters Christbaum schmückten, gedrechselt, geschnitzt und schließlich bemalt werden. Die filigranen Figürchen sind längst zu Sammlerobjekten geworden. Auch gläserner Baumschmuck von der traditionellen Kugel bis zur schrill-bunten Figur ist dort ausgestellt. Ein Kalligraph versieht auf Wunsch die Weihnachtsdekoration mit einem persönlichen Schriftzug. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 10 bis 20, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Schleifen sind out

„Helle Grüntöne, Weiß und transluzentes Rot liegen dieses Jahr im Trend“, weiß Unternehmenssprecherin Felicitas Höptner, die auch das firmeneigene Deutsche Weihnachtsmuseum in Rothenburg leitet. „Dazu werden Naturmaterialien wie Zweige mit roten Beeren kombiniert. Völlig out sind dieses Jahr Schleifen.“

Geschäftsführer Harald Wohlfahrt rümpft allerdings die Nase, wenn die Rede auf aktuelle Weihnachtstrends kommt. „Weihnachten hat etwas mit Tradition und Familie zu tun. Ich möchte keine Trends am Weihnachtsbaum sehen.“

Für die Wohlfahrts hat das Christfest tatsächlich persönliche Bedeutung. Das Gründerpaar Käthe und Wilhelm Wohlfahrt hatten nach ihrer Flucht aus Sachsen 1956 eine Spieldose aus dem Erzgebirge mit nach Böblingen bei Stuttgart gerettet. Die Spieluhr gefiel einer amerikanischen Offiziersfamilie, die das Ehepaar Wohlfahrt Weihnachten 1963 zu sich nach Hause eingeladen hatte. Wilhelm Wohlfahrt gelang es, auch im geteilten Deutschland eine solche Spieluhr aus dem Erzgebirge für die Amerikaner zu besorgen. Mit nach und nach erweitertem Sortiment gingen die Wohlfahrts fortan auf amerikanische Weihnachtbasare. Und auch nach dem Schritt in die Selbstständigkeit blieben Angehörige der amerikanischen Streitkräfte die wichtigsten Kunden. Der Fall der Mauer vor 25 Jahren, so erinnert sich Harald Wohlfahrt, war für das Unternehmen denn auch ein zwiespältiges Ereignis.

Amerikaner beste Kunden

Einerseits zogen die Amerikaner aus Deutschland ab, anderseits waren Lieferanten der Traditionsartikel aus dem Erzgebirge nun leichter und direkter zu beauftragen. „Vorher hatte man ja immer ein schlechtes Gewissen, weil man Devisenbringer der DDR war“, sagt der Sohn des Gründerpaares. Doch die Begeisterung der Amerikaner für das weihnachtliche Kunsthandwerk aus Deutschland blieb erhalten. 2001 eröffneten die Rothenburger in Stillvater/USA ihr erstes ganzjährig geöffnete Geschäft für Christbaumschmuck und Weihnachtsdekorationen. Sie bezeichnen sich selbst als „weltweit größten Anbieter deutscher Weihnachtsdekoreationen“. Käthe Wohlfahrt mit 340 Angestellten und mehr als 1400 Saisonkräften ist heute nicht nur in Deutschland und den Vereinigten Staaten, sondern auch auf Weihnachtsmärkten in der ganzen Welt, wie in Tokyo, Bethlehem, Straßburg, Basel und Verona, vertreten. Selbstredend werden die hölzernen Häuschen der Firma auch wieder auf Weihnachtsmärkten in Berlin stehen.

Botschafter der deutschen Weihnacht

Und weil sich der Familienbetrieb als Botschafter der deutschen Weihnacht versteht, hat sein Rothenburger Museum bei der UNESCO beantragt, St.Nikolaus, Christkind und Weihnachtsmann als „Immaterielles Kulturerbe in Deutschland“ als Welterbe unter Schutz zu stellen. Mit einer Entscheidung der Kommission rechnet das Unternehmen noch in diesem Jahr.

hel