In das Haus am Kaiserdamm 3 in Berlin-Charlottenburg werden voraussichtlich schon am Montag die ersten Flüchtlinge einziehen. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo), Kreisverband Berlin-Mitte, hat am späten Mittwochabend den Mietvertrag unterschrieben.

Insgesamt hatten sich sieben gemeinnützige Einrichtungen als Mieter um die Immobilie beworben. Das Haus gehört der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Soziales zu fördern, insbesondere in Not geratene Menschen, komme dem Lotto-Stiftungsgedanken sehr nahe, sagte Marion Bleß, Vorstand der Lotto-Stiftung.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Landessportbund (LSB) den Altbau genutzt. Er betrieb dort seit Dezember 1982 ein Jugendhotel, in dem Schulklassen und andere junge Leute ein Quartier fanden. Die Lotto-Stiftung hatte das Haus dafür zu Mauerzeiten kostenfrei zur Verfügung gestellt. Doch seit einigen Jahren arbeitete das Hostel defizitär.

Um Flüchtlinge über die Feiertage vor Obdachlosigkeit zu schützen, nimmt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) das Gebäude früher in Betrieb als geplant, wie Awo-Vorsitzender Manfred Nowak am Donnerstag sagte. Das Haus werde voraussichtlich als Jugendhostel weitergeführt. „Wir werden dort nur jugendliche Flüchtlinge unterbringen und planen 120 Plätze“, sagte Nowak.

Die Kiezinitiative Klausenerplatz hätte sich zwar eine frühere Information der Nachbarn gewünscht, will die Heimbewohner aber dennoch unterstützen. „Wir wollen mit anderen Organisationen eine Willkommenskultur entwickeln“, sagte Vereinsvorsitzender Klaus Betz.

Vertrag für Heim doch verlängert

Das Flüchtlingsheim an der Rognitzstraße in Charlottenburg bleibt geöffnet, der zum Ende des Jahres auslaufende Mietvertrag wird verlängert. Das bestätigte die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Silvia Kostner. Für welchen Zeitraum die Verlängerung gilt, sei noch unklar, es werde aber „nicht nur für ein paar Monate“ sein. Das Heim verfügt über rund 240 Plätze und wird angesichts des anhaltenden Flüchtlingsstroms dringend gebraucht.

In den vergangenen Tagen hatte es politische Irritationen um den Mietvertrag gegeben. Auf einem Nachbargrundstück am Kaiserdamm baut BMW seine neue Niederlassung, investiert 65 Millionen Euro. Im kommenden Frühjahr soll sie eröffnet werden. Nun wurden Mutmaßungen laut, der Autokonzern habe gefordert, dass das Flüchtlingsheim geschlossen werde, bevor seine neue Berlin-Zentrale öffnet und vom Senat eine entsprechende Zusage erhalten.

Der Konzern habe „kein Interesse an einer Verdrängung der Asylbewerber“, betonte dagegen BMW-Sprecherin Birgit Hiller. Er stehe einer Vertragsverlängerung für das Heim nicht im Wege. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Zusage des Senats an BMW gegeben, das Heim zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzugeben, sagte auch Senatssprecher Richard Meng. Mitarbeiter der Senatskanzlei hätten dem Konzern vor zwei Jahren lediglich auf Anfrage den geplanten Schließungstermin mitgeteilt.

Auch die Sprecherin von Sozialsenator Mario Czaja (CDU), Constanze Frey, erklärte, es habe keine Absprachen zwischen der Sozialverwaltung und BMW gegeben. Alle Verträge mit Einrichtungen zur Unterbringung von Flüchtlingen würden temporär geschlossen, daher sei das Auslaufen eines Vertrages normal.

Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, stellt den Sachverhalt indes anders dar. Das Lageso habe eine Vorgabe aus dem Senat gehabt, den Mietvertrag bis Jahresende 2013 zu befristen und somit das Heim vor der Eröffnung der BMW-Niederlassung zu schließen. Vertreter des Unternehmens hätten bei einer Baustellenbesichtigung auch eine entsprechende Erwartung deutlich gemacht. Woher genau die Vorgabe kam, wollte Naumann nicht sagen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurde der Vorgang in der Senatskanzlei behandelt.

In den vom Landesamt für Gesundheit und Soziales gemieteten Einrichtungen würden mit Stand 17. Dezember 7937 Flüchtlinge untergebracht, sagte Behördensprecherin Kostner. Von den 34 Heimen seien zehn Notunterkünfte. Dort lebten mehr als 2000 Menschen. Die Kapazität der 34 Heime ist allerdings nur auf 7754 Personen ausgelegt, einige Unterkünfte sind überbelegt. Die Verteilung der Flüchtlinge auf die zwölf Bezirke ist sehr unterschiedlich. An der Spitze stehen Spandau (1319 Menschen), Mitte (1224) und Lichtenberg (1207). Die wenigsten Flüchtlinge beherbergen Neukölln (7), Steglitz-Zehlendorf (153) und Marzahn-Hellersdorf (359).

Insgesamt lebten laut Kostner allerdings viel mehr Flüchtlinge in Berlin, schätzungsweise etwa 14.000. Lediglich 15 bis 18 Prozent aller Asylanträge würden genehmigt, sagte die Sprecherin. Weitere zehn Prozent der Flüchtlinge hätten den Status einer Duldung.