Starkregen und Sturmböen haben die Berliner Feuerwehr in der Nacht zu Dienstag stark beschäftigt. Zu 50 wetterbedingten Einsätzen mussten die Beamten zwischen 22 und 5 Uhr ausrücken. Überwiegend wegen vollgelaufener Keller, die ausgepumpt werden mussten. An zahlreichen Straßen mussten darüber hinaus umgeknickte Bäume und abgebrochene Äste entfernt werden.

Besonders hart traf es die Anwohner rund um den Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf. Die Feuerwehr musste dutzende Keller in mindestens acht Straßen auspumpen, weil die Regenabwasserkanäle vollgelaufen waren. Allein an der Landauer Straße zählte die Einsatzleitung vier vollgelaufene Keller.

An dieser Straße war der Boden aufgrund der Wassermassen zeitweise nicht mehr zu sehen. In einer überspülten Unterführung wurden mehrere geparkte Autos beschädigt. Einen Wagen konnten Feuerwehrmänner nach Angaben eines Sprechers gerade noch rechtzeitig abtransportieren und in Sicherheit bringen, bevor auch er durch die Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. „Immer wieder erreichten uns neue Alarmierungen aus dem Gebiet, das ging bis in den Morgen so weiter“, sagt der Sprecher.

Wie ein Bachlauf

Es ist nicht das erste Mal, dass die Anwohner im Kiez rund um den Rüdesheimer Platz in ihren Wohnhäusern bis zu den Knöcheln im Wasser standen. „Diesmal hat keiner damit gerechnet, dass der Regen so stark ist und das Wasser etwa zehn Zentimeter hoch im Hausflur steht“, sagte Thomas Gallé.

Der 76 Jahre alte Rentner erinnert sich noch gut an die „Hochwasserkatastrophe“ im Jahr 2002. „Damals stand das Wasser beinahe 50 Zentimeter hoch im Hausflur und im Keller. In der Garage hatte ich zahlreiche Motorräder stehen. Einigen ist das nicht gut bekommen“, sagt der Anwohner der Wilhelmshöher Straße. Auch damals reichte die Kanalisation nicht aus, um das Regenwasser aufzunehmen. Es sei in dem Jahr eine richtige Sturzflut über sie hereingebrochen.

In der Nacht zu Dienstag traf es Gallé und seine Frau erneut. „Ich war noch unterwegs auf dem Weg nach Hause“, sagt der 76-Jährige. Es habe zwar stark geregnet, aber auch nicht so extrem, dass man mit dem Schlimmsten hätte rechnen müssen. Dennoch sieg mit jedem Schritt, den er sich seinem Zuhause näherte, die Befürchtung, das auch dieses Mal der Keller voll Wasser gelaufen sein könnte. Als er Zuhause eintraf, wurde die Befürchtung dann zur Gewissheit. „Ich war zu spät“, sagt Gallé. Das Wasser sei nicht in die Regenwassergullys geflossen, sondern aus diesen herausgesprudelt. Die Wilhelmhöher Straße habe einem Bachlauf geglichen. Mit jedem Fahrzeug, das vorbeigefahren sei, sei ein riesiger Wasserberg in Richtung Hauseingang geschwappt.

Dabei hätte das Ehepaar Gallé der erneuten Überschwemmung vermutlich entkommen können. Für den Fall der Fälle hatten die Eheleute vor einiger Zeit in dem Haus an der Wilhelmshöher Straße einen „Hochwasserschutz“ gebaut. Wie in den Deichanlagen an der Oder und der Havel habe man zwei Holzschieber angefertigt. In eigens an den Zaunpfosten montierten Metallschienen werde dann im Notfall das Brett eingelassen und so dem Wasser der Weg in Richtung Garageneinfahrt und Hausflur versperrt, erklärt Gallé. Eine Vorsichtsmaßnahme, die auch Nachbarn des Ehepaars getroffen hätten. Doch als Thomas Gallé am Montagabend nach Hause kam, war die Schutzvorkehrung noch nicht eingesetzt. Er kam tatsächlich zu spät.

Unterirdische Stauräume

Wie hoch der Schaden ist, den die Anwohner des Kiezes erlitten haben, ist noch unklar. Bei den Wasserbetrieben hat man indes eine einfache Erklärung für die gehäuften Einsätze rund um den Rüdesheimer Platz. Das Gründerzeitbaugebiet sei schließlich als „Senke Friedenau“ bekannt, da dort eine natürliche Senke vorhanden sei, sagte ein Sprecher. „Da läuft mehr Wasser zusammen als die Kanalisation wegschaffen kann.“

Schon vor vielen Jahren hätte sich aus diesem Grund eine Bürgerinitiative gebildet und darauf gedrängt, ein vernünftiges Entwässerungssystem aufzubauen und vor allem zu finanzieren. „Wir sind für die Entwässerung ja anders als für die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung nur stellvertretend zuständig“, sagte der Sprecher der Wasserbetriebe.

Vor einigen Jahren hätten sich dann aber Planer der Wasserbetriebe und der Stadt zusammengesetzt und ein spezielles Konzept erarbeitet, wonach unterirdisch große Stauräume geschaffen werden sollen, um die Wassermassen aufzunehmen. Die Bauarbeiten hätten bereits 2009 begonnen, würden aber wohl erst im Jahr 2017 abgeschlossen sein. „Es handelt sich um zehn Bauabschnitte, von denen erst zwei fertig sind.“ Die Arbeiten seien umfangreich, die Baugruben teilweise bis zu 25 Meter tief.

Spekulationen der Anwohner, dass gerade die Bauarbeiten in der Gegend zu den heftigen Überschwemmungen in der Nacht zu Dienstag beigetragen hätten, wies der Sprecher der Wasserbetriebe zurück. Auch ein Fachmann der zuständigen Baufirma vor Ort sagte der Berliner Morgenpost, dass die Arbeiten keine Auswirkungen auf den Ablauf des Regenwassers hätten.

Außer Wilmersdorf waren auch andere Stadtteile von den Überschwemmungen durch den starken Regenfall betroffen. Die Polizei zählte auch in Steglitz und im nördlichen Bereich von Charlottenburg überdurchschnittlich viele Einsätze. Allerdings sei das, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte, „alles kein Vergleich zu Wilmersdorf“.

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