Immobilien

Post hat Gartenkolonie in Schmargendorf verkauft

Mehr als 100 Kleingärtner stürmten den Bauausschuss, um mit Spruchbändern für den Erhalt ihrer Parzellen in der Kolonie Oeynhausen zu demonstrieren. Doch das könnte zu spät gewesen sein. Die Post hat ihr Gelände – 92.000 Quadratmeter – in der Forckenbeckstraße bereits verkauft.

313 Parzellen haben keine Schutzfrist mehr. Das Gelände ist Bauland und darf mit bis zu dreigeschossigen Wohnhäusern bebaut werden. Die restlichen 124 Schrebergärtner der Kolonie müssen nichts befürchten, da sich ihr Gelände in Landesbesitz befindet.

Den Post-Teil erwarb die amerikanische Immobiliengesellschaft Lonestar, die gleich ein ganzes Paket von bundesweiten Post-Immobilien mit einem Gesamtwert von einer Milliarde Euro kaufte. Der Kaufvertrag wird zum 1. Juli gültig. Vorwürfe von Kleingärtnern, das Bezirksamt habe sie über den beabsichtigten Verkauf nicht rechtzeitig informiert, wies Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) zurück: "Wir haben 1987 und 2003 den Bezirksverband Wilmersdorf und Charlottenburg darüber informiert, dass die Post verkaufen will."

Im Gegensatz zu den Wilmersdorfern hätten die Charlottenburger zügig Verkaufsverhandlungen aufgenommen. Mit dem Ergebnis, dass eines der größten zusammenhängenden Gebiete in Berlin, das Kleingartengelände am Spandauer Damm, dem unter anderem die Kolonien Ruhwald, Golfplatz und Westend angehören, dauerhaft als Kleingartenfläche gesichert werden konnte. Dort taten sich 260 Pächter zusammen, um 142.000 Quadratmeter von der Post zu einem relativ günstigen Preis von unter 15 Euro pro Quadratmeter zu kaufen.

90 Kleingärtner, die nicht kauften, erhalten ihre Parzelle nun von der Gemeinschaft verpachtet. Die Rechtsanwaltskanzlei Bartsch & Bongard begleitete den Ankauf für die Kolonisten. Der Wilmersdorfer Verband hingegen erklärte laut Gröhler, dass er kein Interesse an Kaufverhandlungen habe. "Bitte machen Sie nun der Politik keine Vorwürfe", sagte er den Gästen im vollen BVV-Saal.

Der Versuch des Bezirksamtes, vom Senat Geld für den Ankauf des Post-Grundstücks an der Forckenbeckstraße zu erhalten, sei schon vor Jahren gescheitert. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) habe aus Kostengründen abgelehnt. Für die städtischen Flächen, die nicht dauerhaft als Kleingarten gesichert sind, werden demnächst Gespräche mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geführt.

Gröhler hat keine Bedenken, die meisten Kolonien, deren Schutzfrist 2010 ausläuft, zunächst bis 2014 zu verlängern: "Es sind keine Bauvorhaben geplant, die dem zuwiderlaufen." Um den Kleingärtnern jedoch längere Planungssicherheit – bis 2020 und 2025 – zu geben, will er einen Runden Tisch ins Leben rufen, an dem dann alle Fälle einzeln entschieden werden sollen.

Einen Antrag der Grünen, einzelne Wilmersdorfer Parzellen zu sichern, lehnte die Mehrheit der Bezirksverordneten im Bauausschuss ab. Selbst die SPD, die eigentlich mit den Grünen eine Zählgemeinschaft bildet, lobte die Initiative des CDU-Stadtrates. "Man sollte das Rad nicht neu erfinden wollen", sagte SPD-Fraktionschef Fréderic Verryken zum Wunsch der Grünen, die 2010 auslaufenden Schutzfristen für die Kleingartenkolonien "Am Stadtpark I", "Bundesallee" und "Durlach" bis zum Jahr 2018 zu verlängern. Es gebe einen überparteilichen Konsens, dass keine weiteren Kolonien – vor allem in Wilmersdorf – vernichtet werden dürften.

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